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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Fuhg, Georg

* 1898, 29.10.
Mehlsack, Kr. Heilsberg

† 1976, 29.20.
Neumünster

Georg Fuhg wurde in Mehlsack südwestlich von Königsberg geboren. Während der Vater eine Kalksandstein-Fabrik führte, kümmerte sich die Mutter um die Erziehung des Jungen. Als sie starb, war Georg Fuhg gerade einmal 10 Jahre alt. Von seiner Stiefmutter bekam er angeblich einen Topf voll Lehm geschenkt, mit dem er sich die Kunst des Modellierens selbst aneignete. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte Fuhg 1913 an eine Präparandenanstalt, wo er auf Wunsch des Vaters bis 1919 eine Lehrerausbildung absolvierte. Da es in dieser Zeit jedoch kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für Pädagogen gab, ging der 21-jährige an die Königsberger Kunst- und Gewerkschule, wo er eine Lehre zum Bildhauer absolvierte. Zu seinen Lehrern gehörte unter anderem Hermann Brachert, der damals die Stein- und Holzplastik Abteilung leitete und die Staatliche Bernsteinmanufaktur in Königsberg beriet. Als Bildhauer arbeitete Georg Fuhg an verschiedenen Projekten und Ausstellungen in ganz Ostpreußen. 1929 heiratete er Käte Wölki, mit der er knapp 40 Jahre zusammen lebte, zwei Kinder hatte und 1932 ein Eigenheim in der Herranthstraße in Amalienau bezog. Zwei Jahre zuvor entwarf er für die Pfarrgemeinde in Wormditt zwei überlebensgroße Holzfiguren und eine Skulptur des Minnesängers Walther von der Vogelweide, die bis 1945 im Tiergarten von Königsberg stand. Neben zahlreichen Reliefs und Porträtbüsten schuf Fuhg auch mehrere Gedenktafeln, darunter für den aus Ostpreußen stammenden Philosophen Johann Georg Hamann. Aus der Frühzeit seines Schaffens stammten die Denkmäler für das „Fußartillerie-Regiment 82“ im Lötzener Stadtwald und das „Regiment Jäger zu Pferde Nr. 1“ in Angerburg. Während des Zweiten Weltkrieges war Georg Fuhg in den Niederlanden stationiert. Da es in diesem Gebiet bis 1944 zu keinen größeren Kämpfen kam, gelang es ihm, zwei Ausstellungen über deutsche Künstler in Amsterdam zu realisieren. Parallel dazu entstanden eine Reihe von Aquarellen und Zeichnungen, die nach dem Krieg in verschiedenen Städten präsentiert wurden. Da ihm nach 1945 die Rückkehr nach Königsberg verwehrt blieb, nahm Fuhg zunächst mehrere Auftragsarbeiten im holsteinischen Tellingstedt an. 1951 folgte der Umzug nach Neumünster. Dort entstand ein Großteil seiner Nachkriegsarbeiten, die sich gegenüber den Frühwerken durch verstärkte Vereinfachungen unterschieden. Seine Werke beschränkten sich nicht nur auf die Porträtplastik, sondern bezogen die Arbeit mit Bronze, Holz und Granit ein. Georg Fuhg erlitt 1976 im Alter von 78 Jahren einen schweren Schlaganfall, von dem er sich nicht erholte. Am 13. November 1976 verstarb er in seiner Wohnung in Neumünster.

Die Arbeiten von Georg Fuhg sind heute noch in vielen Städten und Gemeinden zu sehen. Zu seinen berühmtesten Plastiken gehören das Abbild des Trakehner-Pferdes „Hessenstein“, das über viele Jahre in Bad Pyrmont stand und heute im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg besichtigt werden kann, sowie das 200 x 120 cm große Bronzerelief von Nikolaus Kopernikus in Münster. 1959 entwarf Fuhg die Königsberger Bürgermedaille. Ein von ihm geschaffenes Einhorn aus Bronze befindet sich vor der Wittorfer Schule in Neumünster. Zu seinen weiteren Werken gehören eine Fohlengruppe vor dem Ratsgymnasium der Angerburger Patenstadt Rotenburg/Wüm­me und ein Denkmal vor dem Trakehner-Pferdegestüt in Rantzau bei Plön. 1964 wurde Fuhg für seine Arbeiten mit dem Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet. Im Garten des Agnes-Miegel-Hauses in Bad Nenndorf bei Hannover befindet sich eine von Fuhg entworfene Büste der ostpreußischen Lyrikerin. Das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen/Bayern besitzt Bronzebüsten von Kopernikus, Herder und Kant, die zwischen 1958 und 1975 von Fuhg angefertigt wurden.

Werke (Auswahl): Liebespaar. Eisenguss, heutiger Standort vermutlich USA (1926). – Jeanne d’Arc. Lindenholz, Hannover (1929). – Walther von der Vogelweide. Meißener Granit, Königsberg (1930). – Gedenktafel für Johann Georg Hamann. Muschelkalk, Königsberg (1936). – Trakehner-Pferd „Hessenstein“. Bronze, Bad Pyrmont/Lüneburg (1968). – Einhorn aus Bronze, Neumünster (1951). – Königsberger Bürgermedaille (1959).

Lit. (Auswahl): Robert Albinus, Königsberg Lexikon, Würzburg 2002. – Lorenz Grimoni, Der Bildhauer Georg Franz Fuhg (1898-1976), in: Königsberger Bürgerbrief 76 (2010), S. 62. – Herbert M. Mühlpfordt, Königsberger Skulpturen und ihre Meister, Würzburg 1970.

Marco Wachtel, 2017

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