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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Göppner, Traute

Sportpädagogin, Sportlerin

* 1911, 30.01.
Danzig


In Danzig aufgewachsen, besuchte sie das Stephan-Waetzold-Lyzeum, die höhere Handelsschule dort und absolvierte das Seminar für Lehrerbildung in den Fächern Hauswirtschaft und Handarbeit (heute: Textilgestaltung). Sodann widmete sie sich beruflich und außerberuflich dem Sport. 1931/32 studierte sie Sport an der Preuß. Hochschule in Berlin-Spandau. Danach ging sie nach Danzig zurück und fand als Sportlehrerin an der Edith-Jahn-Gymnastik-Schule und an der Helene-Lange-(Gudrun-)Schule eine erste Lehrtätigkeit. 1935 legte sie die 2. Lehrerprüfung ab und erhielt ihre erste planmäßige Anstellung. 1938 erfolgte ihre Ernennung zur Oberschullehrerin. Während dieser Zeit, von 1932-45, wurde sie bereits in der Lehrerbildung eingesetzt, erhielt außerdem einen Lehrauftrag an der TH und 1933 zusätzlich auch an der Hochschule für Lehrerbildung. Daneben war sie in der Leichtathletik-Vereinigung Danzig aktives Mitglied.

Einen Namen hat sie sich als Leistungssportlerin auf dem Gebiet der Leichtathletik gemacht, als sie mehrere nationale und internationale Meisterschaften errang. In der Zeit von 1932-42 nahm sie mit Erfolg an mehreren Freistaat-, Balten- und ostdeutschen Meisterschaften teil im 100-m- und 200-m-Lauf, im Hoch- und Weitsprung, Speerwurf, Kugelstoßen und Fünfkampf. Elfmal war sie Teilnehmerin der Deutschen Meisterschaften und errang 2. und 3. Plätzeim Weitsprung, Mehr- und Fünfkampf. Den leistungsmäßig größten Triumph errang sie bei den Länderkämpfen in Warschau, Dresden (1937) und Elberfeld, wo sie sich wider den Voraussagen gegen die ausländischen Favoritinnen durchsetzte und jeweils 1. Plätze im Weitsprung (5,89 m) erzielen konnte. Bei dem Fest der 7 Nationen in Berlin (1934) wurde sie 1. im Weitsprung 2. im Hochsprung (1,51 m). Bei den Frauenweltmeisterschaften in London (1934) wurde sie Weltmeisterin im Weitsprung. DiesemTitel fügte sie bei den Studentenweltmeisterschaften in Budapest (1935) und in Paris (1937) weitere hinzu, als sie jeweils den 1. Platz sowohl im Weitsprung als auch bei der 4×100-m-Staffel errang. Nach dem Kriege wurde sie noch Niedersachsenmeisterin im gemischten Mehrkampf (1950 u. 1951).

Das Kriegsende nahm ihr den Verlobten, der in den letzten Kriegstagen fiel, und die Heimat. 1945 in den Harz verschlagen,überstand sie die schwere Zeit mit berufsfremden Tätigkeiten (Nähen, Zeichnen, Kellnern, Kochen, Putzen), bevor sie 1947 in den Schuldienst zurückkehren konnte. Zunächst kam sie an die Volksschule in Letter bei Hannover und 1949 an die Mittelschule in Nienburg. Dort erfolgte ihre Wiederaufnahme in das Beamtenverhältnis. Ab 1952 unterrichtete sie an der Richard-Schirrmann-Realschule in Lüdenscheid, wo sie auch ihren endgültigen Wohnsitz fand. Auch in dieser Zeit wurde sie zur Lehrerfortbildung herangezogen. Darüber hinaus übernahm sie etliche Ehrenämter im Sportwesen, so war sie Volksturnwartin im Landesturngau Niedersachsen, Gaujugendturnwartin Volmegau Nordrhein-Westfalen, Vertreterin im Stadtverband für Leibesübungen der Stadt Lüdenscheid und dort auch beratendes Mitglied im Jugendwohlfahrtsausschuß. t

Ihre vielfache sportliche Tätigkeit, zu der neben dem Schul- und Vereinssport, dem Breiten- und dem Leistungssport auch das orthopädische Turnen gehörte, fand mehrfache Anerkennung. So erhielt Traute G. folgende Auszeichnungen: vielfache Bestennadeln des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (Vorkriegszeit), Ehrenurkunden des Landessportbundes Niedersachsen (1951), Goldene DLV-Ehrennadel (1952), Goldene Mehrkampfnadel (1953) und die Goldene Ehrennadel des Deutschen Turnerbundes (1961). Ihre sportliche Laufbahn hat in enger Verbindung zu ihrem Beruf gestanden. Dank ihrer Erfolge und des damit verbundenen Bekanntheitsgrades gelang es ihr, auch ihre Schülerinnen und Schülerfür die Leibesübung zu gewinnen und zu sportlichen Erfolgen zu führen. Einige Mädchenstaffeln gehörten zu den besten bundesdeutschen Schülerstaffeln. In den alljährlichen Realschul-Vergleichskämpfen der Sauerland-Region gehörte die Schirrmann-Schule in der Regel zu den besten. An dieser Schule konnte sie 1972 ihr 40jähriges Berufsjubiläum begehen. Mit Ablauf des Schuljahres 1974/75 trat sie in den Ruhestand. Von sich sagte sie,ich hatte das Glück, bis zur letzten Stunde mit Freuden tätig gewesen zu sein — und zwar aufalle Fächer bezogen. Als geschätzte und beliebte Pädagogin steht sie mit vielen ihrer ehemaligen Schüler, auch aus ihrer Danziger Zeit, in herzlichem Kontakt.

Quelle: Hugo Rasmus: Lebensbilder westpreußischer Frauen in Vergangenheit und
Gegenwart, Münster 1984.

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