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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Gött, Johann

Buchdrucker, Verleger

* 1810, 10.12.
Wehrheim/Taunus

† 1888, 17.10.
Kronstadt/Siebenbürgen

Als wandernder Buchdruckergeselle kam der am 10. Dez. 1810 in Wehrheim im Taunus (nördlich von Frankfurt a. M.) geborene Johann Gött 1832 nach Kronstadt. Als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der „Stadt im Osten“ starb er im Jahre 1888. Zwischen seiner Niederlasung in Kronstadt und seinem Tod spannt sich ein bewegtes und segensreiches Wirken als Buchdrucker, Verleger, Publizist, als Vertreter in verschiedenen öffentlichen, kirchlichen und wirtschaftlichen Gremien, auf dem Höhepunkt seines Lebens sogar als Bürgermeister.

Johann Gött fand 1832 in der alten „Honterus“- nun von Schobelnschen Druckerei, die durch den Tod ihres Leiters verwaist war, Anstellung. Offenbar wurde er die Seele des Unternehmens, denn schon 1834 erwarb er die Druckerei käuflich. In demselben Jahr heiratete er die Tochter des Faßbinders Peter Arzt und erhielt 1835 das Bürgerrecht. Damit war seine Bindung an die Stadt endgültig besiegelt.

Drei Jahre lang druckte er in der nun eigenen Druckerei Magistratsvorschriften, Schulbücher und Geschäftspapiere. Es drängte ihn jedoch nach einem größeren, wirksameren Arbeitsfeld: „Ich halts nicht mehr aus, ich muß was drucken.“ Das Ergebnis war die Herausgabe von drei Zeitungen: je einer deutschen, rumänischen und ungarischen. Er leitete damit in der siebenbürgischen Publizistik eine neue Epoche ein. Das seit 1837 unter seiner Schriftleitung erscheinende „Siebenbürger Wochenblatt“ (über dessen Bedeutung siehe „Ostdeutsche Gedenktage“ 1987, S. 285-289) war neben dem 1784 in Hermannstadt gegründeten „Siebenbürger Boten“ die einzige siebenbürgisch-deutsche Zeitung, und sie wurde zum Sprachorgan der freisinnig-liberalistischen jungen Generation, die sich entsprechend dem Zeitgeist für zeitgemäße Reformen in Siebenbürgen einsetzte. Gött brachte damit Bewegung in die publizistische und literarische Landschaft. Als „Kronstädter Zeitung“ erschien sein Blatt ab 1849 bis 1944.

Der um Völkerverständigung bemühte Gött gab die erste rumänische Zeitung Siebenbürgens heraus, wodurch er sich als Förderer des rumänischen Kulturlebens bleibende Verdienste erworben hat. Der „Gazeta de Transilvania“ (seit 1838), mit deren Redaktion der namhafte rumänische Publizist und Historiker George Baritiu beauftragt wurde, war nicht nur ein langes Leben beschieden, sondern sie gehört zu den wichtigsten rumänischen Publikationen überhaupt.

Weniger Glück hatte Gött mit dem ungarischen Blatt „Erdelyi Hirlap“ (Siebenbürgische Zeitung, 1837). Es ging schon nach einem Jahr ein. Nichtdestoweniger verdient sein Vorhaben gebührende Erwähnung, allen drei Völkerschaften des von nationalen Gegensätzen aufgewühlten Siebenbürgen Publikationsmöglichkeiten zu schaffen.

In der Druckerei und im Verlag Götts erschienen neben mehreren Beiblättern des „Siebenbürger Wochenblattes“ und der „Gazeta de Transvilvania“ noch andere Zeitschriften, ferner Kalender und Bücher in deutscher, rumänischer und ungarischer Sprache.

Frühzeitig beteiligte sich Gott am öffentlichen Leben seiner Wahlheimatstadt. So gründete er einen „Geselligen Verein“, eröffnete 1839 ein Lesekabinett und war maßgebend an der Gründung des Gewerbevereins (1844) beteiligt. Mit den Druckern seines Unternehmens gründete er 1846 eine Kasse zur gegenseitigen Unterstützung im Falle von Krankheit, Unfall oder Tod. Es war der erste Unterstützungsverein dieser Art im Lande. Bei der Neukonstituierung der „Handels- und Gewerbekammer“ Kronstadts im Jahre 1851 wurde Gött zum Vizepräsidenten und 1865 zum Vorsitzenden gewählt. Während dieser Zeit führte Kronstadt den Kampf um den Anschluß an das Eisenbahnnetz, der dann 1879 erfolgte. Auch eine Anpassung der Handels- und Gewerbeverhältnisse an das aufkommende Industriezeitalter erwies sich als notwendig.

Seit 1851 gehörte Gött dem Stadtrat an, 1871 wurde er Orator der Kommunität und 1876 zum Bürgermeister ernannt. Jahrzehntelang war er Presbyter, Kirchenvater und schließlich Kurator (1871) der evangelisch-sächsischen Kirche von Kronstadt. Er hatte somit in den siebziger Jahren die höchsten Ämter inne, die das sächsische Kronstadt zu vergeben hatte.

1879 begab sich Gött in den Ruhestand und verstarb hochgeachtet am 17. Oktober 1888. In dem Nachruf der „Kronstädter Zeitung“ heißt es: „Kronstadt ist um eine Persönlichkeit ärmer geworden, welche das Leben der abscheidenden Generation wesentlich kennzeichnete … Gött hätte als wohlhabender Mann sterben können, hätte er nicht in der Hauptperiode seiner öffentlichen Tätigkeit fort und fort in mannigfacher Art Opfer gebracht.“ Er selbst aber bekannte in seinem Testament: „Es drängte mich, da ich es für meine Ehrenpflicht hielt, dem siebenbürgisch-sächsischen Volke, das mich so liebreich als den Seinen aufgenommen hat, dankbar dadurch zu sein, daß ich beschloß, der Literatur dieses wackeren Volkes alle meine Kräfte zu weihen, wodurch das Sammeln von Kapitalien für mich im Hintergrund blieb.“

Die Druckerei und die „Kronstädter Zeitung“ verblieben bis l944 im Besitz der Familie Gött.

Lit.: Hermann Tontsch: Die Honteruspresse in 400 Jahren. Kronstadt, 1933. S. 69-113; Kronstädter Zeitung. Festgabe zum hundertjährigen Bestehen. Sonntag, den 24. Mai 1936; Michael Kroner: Johann Gött – ein Förderer des siebenbürgisch-sächsischen Schrifttums. In: „Neue Literatur“, Bukarest, Nr. 1-2, 1967, S. 124-130.

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