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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Gött, Johann

Buchdrucker, Verleger

* 1810, 10.12.
Wehrheim/Taunus

† 1888, 17.10.
Kronstadt/Siebenbürgen

Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die in Kronstadt um die Mitte des 19. Jahrhunderts wirkten, gehört zweifelsohne auch der Buchdrucker Johann Gött. Er wurde am 10. Dezember 1810 in Bockenheim – heute einem nordwestlichen Stadtteil von Frankfurt am Main – geboren. Er erlernte die Buchdruckerei in Frankfurt am Main beim Buchdrucker Werner.

Noch nicht zwanzig Jahre alt, begab Johann Gött sich auf Wanderschaft, um seine Berufserfahrung zu erweitern. Er tat dies zuerst in Deutschland, kam dann über Berlin, Breslau, Wien, Graz, Triest, Pest nach Hermannstadt in Siebenbürgen, gelangte auch nach Bukarest, der Hauptstadt der Walachei und schließlich nach über zwei Jahren in Sommer 1832 nach Kronstadt, wo er bis an sein Lebensende bleiben sollte, ohne seinen Heimatort nochmals wieder zu sehen.

In Kronstadt war die erste Buchdruckerei damals vor dreihundert Jahren vom großen Kronstädter Humanisten Johannes Honterus (1498-1549) im Jahre 1539 gegründet worden. Am Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich die Kronstädter Druckerei im Besitz der Familie Schobeln im Hause in der Klostergasse Nr. 10 (heute Nr. 9), und der dort tätige Buchdrucker Friedrich August Herfurth war im November 1830 gestorben.

Johann Gött wurde im Juli 1832 sein Nachfolger und bald die Seele der Druckerei. Schon im Jahre 1833 findet sich in einer ungarischen Fibel erstmals der Druckervermerk „mit den Lettern von Johann Gött“.

Am 10. Januar 1834 erwarb Johann Gött die Schobelnsche Druckerei käuflich für den Betrag von 3333 Talern, am 23. April 1834 heiratete er Elisabetha Antonia, die Tochter des Faßbinders und Kommunitätsmitgliedes Peter Arzt. Die Braut war katholisch, Johann Gött evangelisch und die Trauung dieser damals sogenannten „Mischehe“ wurde in der katholischen Kirche vollzogen. Die Ehe wurde in den Jahren 1835-1850 mit acht Kindern gesegnet, fünf Söhnen, die evangelisch, und drei Töchtern, die katholisch getauft wurden. Die Wohnung der Familie Johann Gött befand sich bis zum Jahre 1873 im selben Haus in der Klostergasse Nr. 10. Ein Jahr nach seiner Heirat, am 22. April 1835 erwarb Johann Gött das Bürgerrecht in Kronstadt.

Kronstadt war in jener Zeit eine Vielvölkerstadt. Von den fast 23.000 Einwohnern bildeten die über 9.000 Deutschen die relative Mehrheit, es folgten etwa 8.000 Rumänen, über 4.000 Ungarn, fast 800 Zigeuner. Weitere kleinere Bevölkerungsgruppen waren die Griechen, die jedoch eine große wirtschaftliche Bedeutung hatten, und seit dem Jahre 1826 hatte sich auch eine kleine jüdische Gemeinde in Kronstadt gebildet.

Die Stadtverwaltung in Kronstadt war deutsch. Der Religion nach waren die griechisch-orthodoxen Rumänen und Griechendie stärkste Bevölkerungsgruppe, es folgten die Evangelischen (Deutsche und Ungarn) und Katholiken (Ungarn und Deutsche).

Johann Gött sah sich als Buchdrucker allen Mehrheiten als Diener verpflichtet, er druckte in deutscher, rumänischer, ungarischer und griechischer Sprache, einige Bücher auch in lateinischer Sprache, er druckte für Evangelische und Katholiken sowie für Orthodoxe.

Damit überwand er als „Zuwanderer“ alle Vorurteile, die dietraditionellen Bevölkerungsgruppen in Kronstadt teilweise gegeneinander hatten.

Schon im Jahre 1834 ergriff Johann Gött die Initiative, in Kronstadt erstmals Zeitungen herauszugeben, was für die damalige Zeit eine besondere Neuerung war. Die grundsätzliche und bedingte Genehmigung vom Siebenbürgischen Gubernium erfolgte Ende des Jahres 1834, aber erst nach zwei Jahren konnten die ersten Periodika auch wirklich erscheinen: 1. Dezember 1836 Probenummer für die Foaia Duminecii; 2. Januar 1837 – 25. Dezember 1837 Foaia Duminecii, eine rumänische Übersetzung der deutschen Wochenschrift Sonntagsblatt; 24. Mai 1837 – 22. März 1849 Siebenbürger Wochenblatt, eine politische Zeitung mit der literarischen Beilage Unterhaltungsblatt für Geist, Gemüth und Publizität, später Blätter für Geist, Gemüth und Vaterlandskunde; 3. und 10. Juli 1837 Foaie se saptamana din Transilvania (Wochenblatt aus Siebenbürgen), in rumänischer Sprache, es erschienen nur zwei Probenummern; 1. Dezember 1837 – 26. Dezember 1839 Erdélyi Hirlap (Siebenbürgisches Nachrichtenblatt, eine Wochenschrift in ungarischer Sprache mit einer literarischen Beilage); 24. (12.) März 1838 Gazeta de Transilvania (Zeitung von oder für Siebenbürgen in rumänischer Sprache, ab Juli 1838 mit einer literarischen Beilage); 13. Januar 1840 Satellit des Siebenbürger Wochenblattes und Intelligenzblatt zum Siebenbürger Wochenblatt, letzteres erschien ab 1843 mit dem Titel Beiwagen zum Siebenbürger Wochenblatt.

Durch die Tätigkeit von Johann Gött war Kronstadt im Jahre 1838 der Ort, wo die meisten Periodika in Siebenbürgen erschienen und zwar sechs Wochenschriften in den drei Landessprachen. Deutsch, Rumänisch und Ungarisch.

Im Jahre 1839 gründete Johann Gött auch ein „Lesekabinett“ in Kronstadt. Der Kronstädter Sächsische Gewerbeverein (1841) zählte Gött zu seinen Gründungsmitgliedern. Er wirkte hier zuerst als Bibliothekar, ab 1852 als zweiter Vorsteher und von 1870-1881 als erster Vereinsvorsteher.

Als am 21. Januar 1851 die Kronstädter Handels- und Gewerbekammer gegründet wurde, war Johann Gött ihr erster Vizepräsident, in den Jahren 1866-1876 war er dann Präsident.

Im Jahre 1851 wurde Johann Gött Mitglied der Stadtvertretung, 1870 Orator-Stellvertreter und 1871 auch Orator, also Vorsitzender der Stadtvertretung (Kommunität).

Bei der Neuorganisation der Stadtverwaltung wurde Johann Gött am 26. Oktober 1876 zum Bürgermeister von Kronstadt ernannt und übte dies Amt bis zu seiner Pensionierung am 1. Dezember 1879 aus.

Seit 1856 war Johann Gött auch Mitglied des Presbyteriuns der evangelischen Stadtpfarrgemeinde von Kronstadt und viele Jahre lang auch Kirchenvater. Mit dem Stadtpfarrer (1858-1881) Samuel Schiel bildete Gött ein Zweigespann, „von dem alle wichtigen Unternehmungen und bedeutungsvollen Geschehnisse örtlicher und nationaler Art ausgingen oder mit ihrer Beihilfe tatkräftige Durchführung fanden“.

Am 16. Juli 1882 hatte er die Freude und Genugtuung, dass 50 Jahre seit seiner Niederlassung in Kronstadt schön gefeiert wurden. Über ihn wurde treffend gesagt: „Gött gehört überhaupt zu den hervorragenden Charaktergestalten von Kronstadt des 19. Jahrhunderts. Er hat über fünfzig Jahre lang nicht nur durch seine Zeitung, durch seinen ‚Sächsischen Hausfreund‘ (Kalender) und zahlreiche aus seiner Werkstatt – der alten Honterusdruckerwerkstatt – hervorgegangene Bücher eine für das Geistesleben ausgedehnter Kreise bedeutsame Stellung eingenommen, er hat auch im kommunalen Leben Kronstadts eine nie ermüdende, in allem Wechsel der Zeiten immer nur das Beste dieser Stadt anstrebende Betätigung entfaltet.“

Am 17. Oktober 1888 starb Johann Gött in seiner Wohnung im Plecker von Pleckersfeldischen Hause Flachszeile Nr. 25 (heute Rathausplatz Nr. 22) und wurde auf dem Innerstädtischen Friedhof vor dem Klostertor beerdigt, wo sein Grab auch heute noch besteht.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Johann Gött durch das Siebenbürger Wochenblatt, das ab 1849 zur Kronstädter Zeitungwurde und durch den Kalender Sächsischer Hausfreund und das Kronstädter Adressenbuch eine ständige Präsenz im Leben Kronstadts war und durch die verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften, die in seinem Verlage erschienen, auch im Geistesleben Gesamtsiebenbürgens.

Ebenso hatte Johann Gött ein große Bedeutung für die rumänische Kultur durch den Druck der ersten politischen Zeitung der siebenbürger Rumänen Gazeta der Transilvania und später Gazeta Transilvaniei, die bis zum Jahre 1883 von ihm gedruckt wurde, ebenso durch andere Veröffentlichungen. Die Redakteure Jacob Muresianu und George Baritz wurden durch Gött besonders gefördert.

Seine Verdienste wurde im Jahre 1933 anläßlich der 400-Jahrfeier der Honterusdruckerei gewürdigt und im Jahre 1936, beim Eintritt der Kronstädter Zeitung in den hundertsten Jahrgang, ebenso auch bei der 100. Wiederkehr seines Todestages im Jahre 1988.

Durch den Beschluss Nr. 291 vom 8. November 1990 des Kronstädter Bürgermeisteramtes erhielt die alte Fleischergasse, die bis dahin den amtlichen Namen „Straße der Genossenschaften“ trug, den neuen Namen „Johann-Gött-Straße“. Sie liegt in der Inneren Stadt und verbindet die „Apollonia-Hirscher-Gasse“ mit der alten „Schwarzgasse“.

Lit.: Franz Obert, Nachruf an Johann Gött, in: Der Sächsische Hausfreund, Kalender für Siebenbürger … 1889, 51. Jg., S. 99-101. – Dr. A. Polony, Die Gründung der „Kronstädter Zeitung“ (Zum Eintritt in den 75. Jahrgang), in: Kronstädter Zeitung, 75. Jg., Nr. 5, 7. Januar 1911, S. 1-3. – Friedrich Stenner, Die Beamten der Stadt Brassó (Kronstadt), Kronstadt 1916, S. 53. – Hermann Tontsch, Die Honteruspresse in 400 Jahren, Kronstadt 1933, S. 70-74. – Kronstädter Zeitung. Festausgabe zum hundertjährigen Bestehen, Sonntag, den 24. Mai 1936. (korrekt: zum Eintritt in den hundertsten Jahrgang!). – Vasile Netea und Carl Göllner, Die Beziehungen zwischen George Baritz und dem Kronstädter Buchdrucker Johann Gött, in: Forschungen zur Volks- und Landeskunde, Band 9, Nr. 1/1966, S. 75-90. – Gernot Nussbächer, Tipograful „Gazetei Transilvaniei“ (Der Drucker der „Zeitung Siebenbürgens“ – in rumänischer Sprache), in der Zeitung „Drum Nou“ (Neuer Weg, Kronstadt), 45. Jg., Nr. 13593, 18. Oktober 1988. – Walter Myß (Hrsg.), Lexikon der Siebenbürger Sachsen, Thaur bei Innsbruck 1993, S. 155-156. – Gernot Nussbächer, Tipograful brasovean Johann Gött (1810-1888) (Der Kronstädter Buchdrucker Johann Gött), in: Tara Barsei (Das Burzenland), 4. (15.) Jg., serie noua (neue Folge), Nr. 4, Kronstadt 2005, S. 9-13.

Bild: Foto des Porträts aus dem Sächsischen Hausfreund 1889 von Peter Simon im Archiv des Autors.

Gernot Nussbächer

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