Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Grass, Günter

Schriftsteller

* 1927, 16.10.
Danzig


Mit dem Namen Günter Grass wird ein herausragendes künstlerisches Werk assoziiert, das in seinen besten Teilen unbestritten zum bleibenden Inventar der deutschen Nachkriegsliteratur gehört. Dieses OEuvre widerspiegelt ein heute nur noch selten anzutreffendes Streben nach dichterischer Universalität, denn Grass hat sich in sämtlichen literarische Gattungen: Prosa, Dramatik und Lyrik, mit – wenn auch unterschiedlichem – Erfolg versucht.

Seinen Ruhm verdankt Grass hauptsächlich seiner Prosa. Der 1959 erschienene Roman Die Blechtrommel wurde ein Welterfolg und leitete eine einzigartige Karriere ein, in deren Verlauf der Schriftsteller zum modernen deutschen Klassiker avancierte. Die Hauptfigur, der kleinwüchsige Oskar Matzerath, ist eine der bekanntesten literarischen Gestalten der deutschen Literatur und zeitigt künstlerische Folgen bis in die Gegenwart. Dem Regisseur Volker Schlöndorff gelang in den siebziger Jahren eine adäquate Verfilmung. Den Grass’schen Kunstgriff: eine Geschichte aus der verschrobenen Perspektive eines physisch und psychosozial auffälligen Helden zu erzählen und die Verkehrtheit der scheinbaren Normalität evident zu machen, indem man sie verfremdet und bis zur Kenntlichkeit entstellt, hat zuletzt der Berliner Nachwuchsautor Thomas Brussigs in seinem vielbeachteten BestsellerHelden wie wir (1995) – einem Roman über den Zusammenbruch der DDR – adaptiert und variiert. Auch der international bekannte amerikanische Schriftsteller John Irving hat noch vor wenigen Jahren in dem Roman Owen Meany(1989) – worauf schon die Initialen verweisen – seinem deutschen Kollegen mit einer Hommage auf Oskar Matzerath gehuldigt. Mehr noch: Der scharfsichtige wie scharfzüngige Gnom, der im Alter von drei Jahren das Wachstum und mithin das Erwachsenwerden verweigert und damit beschäftigt ist, sich auf seinem Instrument die Welt heranzutrommeln und gleichzeitig vom Leibe zu halten, ist vor allem seit der deutschen Wiedervereinigung für viele Zeitbeobachter zum Symbol der alten – erfolgreichen, aber merkwürdig unerwachsenen – Bundesrepublik geworden. Sprachmächtig und voller skurill-poetischer Einfälle zeichnete Grass hier nach, wie die kleinbürgerlichen Lebenslügen vor dem Hintergrund politischer Krisenzeiten und eines Wertesystems, das seine Verbindlichkeit verloren hat, ins Monströse wachsen und dem Nazismus immer mehr Boden konzedieren. Er demontierte die sogenannte kleine, heile Welt als angeblichen Hort der Ordnung in so grotesk-vernichtender Weise, daß er in den Ruf eines anarchistischen Bürgerschrecks, ja eines Pornographen geriet.

Doch das ist nur die eine Seite des Buches. Es steht genauso in der Tradition des deutschen Bildungs- und Schelmenromans und dokumentiert die tiefe Verwurzelung seines Autors in der Kultur- und Literaturgeschichte. Die Erzählperspektive, so ungewöhnlich und schockierend sie sich zunächst ausnimmt, erweist sich bei genauem Hinsehen als eine beinahe konventionelle, weil sie die einer über den Dingen stehenden Erzählinstanz ist, die es nach verbreiteter Auffassung im modernen Roman gar nicht mehr geben durfte. Doch genau diese Mischung aus Modernismus und Tradition, versetzt mit Ironie, Selbstironie und Groteske, macht in Verbindung mit den plastisch gestalteten Figuren und der sinnlichen Sprache die einzigartige Wirkung der Grass’schen Prosa aus.

Der Roman spielt wie die meisten seiner Erfolgsbücher in Danzig, wo er im Vorort Langenfurth als Sohn eines Kolonialwarenhändlers geboren wurde. Die Stadt war nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages 1920 zur ”Freien Stadt” unter der Oberhoheit des Völkerbundes erklärt worden: Ein unglückliches Konstrukt, das weder für die Deutschen, die mehr als 95 Prozent der rund 330.000 Einwohner stellten, auf Dauer annehmbar war, noch für den neukonstituierten, sich längst nicht saturiert fühlenden polnischen Staat das Ziel seiner Wünsche bedeutete. Symptomatisch für die hier herrschende Unsicherheit sind die 44.000 Stadtbewohner, die bis 1925 ins Reich abwanderten. Nach Hitlers ”Machtergreifung” war die politische Situation hier günstiger als im Reich, doch die innere und äußere Lage spitzte sich unaufhörlich zu. Als Propagandaminister Goebbels im Sommer 1939 in der immer noch ”Freien” Stadt weilte, löste er ”hörbaren Begeisterungstaumel” (H. Heiber) und ”Wir-wollen-heim-ins-Reich”-Rufe aus. Willy Grass, der Vater, trat 1936 der NSDAP bei, der Sohn ging freiwillig zu den Veranstaltungen des Jungvolks, die für den Halbwüchsigen nach eigenem Bekunden ”einen ungeheuren Reiz” besaßen. Doch griff der Nationalsozialismus noch auf ganz andere Weise ins Familienleben ein: Helene Grass, die Mutter, und damit auch die eine Hälfte der Verwandtschaft, war kaschubischer Herkunft. Ein Onkel – ein Beamter der polnischen Post – geriet am 1. September 1939 in die Kämpfe um das polnische Postamt in Danzig und wurde als Überlebender erschossen. Günter Grass hat dieses tragische Geschehen in einem der berühmtestenBlechtrommel-Kapitel geschildert.

Das deutsche Danzig, das 1945 ausgelöscht wurde und an Polen fiel, ist für Günter Grass zum Schicksal und künstlerischen Impetus geworden. ”Ich wußte, das es weg ist: Danzig. Da war ein Vakuum. Eine Unruhe und ein Ahnen: das wird mir fehlen”, schrieb er. ”Aber damit, daß alles geographisch und politisch verloren war, war nicht gesagt, daß es ganz und gar weg sein mußte. Das war auch ein Antrieb, mir zumindest literarisch, mir schreibend das wiederherzustellen, was verloren war.”

Der Blechtrommel folgten 1961 die erfolgreiche Novelle Katz und Maus, eine gallige Abrechnung mit dem militärischen Heldenkult. Der Hauptfigur Joachim Mahlcke hat die Natur einen übergroßen Adamsapfel mitgegeben. Um den Defekt vor seinen höhnischen Danziger Mitschülern zu verbergen, trägt er ein Ritterkreuz und wird wegen dieser Anmaßung um so mehr zur Zielscheibe des Spottes. Als er im Krieg die höchste militärische Auszeichnung tatsächlich erwirbt, nimmt keiner sie mehr ernst, und Mahlcke, der keine Möglichkeit sieht, von der Umwelt jemals anerkannt zu werden, geht ins Wasser. 1963 legte Grass den Roman Hundejahre vor, der ähnlich wie die Blechtrommel ein Geschichtspanorama von der Vorkriegszeit bis in die fünfziger Jahre entrollt. Die drei Bücher wurden nachträglich als Danziger Trilogie bezeichnet und etablierten endgültig den Ruf ihres Autors als einen der wichtigsten deutschen Autoren. Bis in die jüngste Vergangenheit ist er auf sein Danziger Urerlebnis zurückgekommen, zuletzt im melancholischen Roman Unkenrufe (1992), der die Altersliebe zwischen einem in Westdeutschland wohnhaften Danzigers und einer im heutigen Gdansk lebenden, aus Wilna gebürtigen Polin erzählt. Auf dem von Grass selbst gestalteten Einband des Romans Die Rättin (1986) ist die eindrucksvolle Silhouette der ”Königin der Ostsee” mit der Marienkirche und dem Rechtstädtischen Rathaus zu sehen. So wie Theodor Fontane mit Berlin und der Mark Brandenburg und Gerhart Hauptmann mit der schlesischen Bergwelt untrennbar verbunden bleibt, ist Grass seinen Lesern zu einem Inbegriff Danzigs geworden. In seinen Büchern ist viel vom Lebensrhythmus, der maritimen Atmosphäre und der Folklore der Stadt sichtbar gemacht und im dialektischen Sinne aufgehoben. Indem er die Stadt auf meisterhafte Weise schilderte und gleichzeitig kritisch als geistige Lebensform tranzendierte, hat er ihr ein unvergängliches Denkmal gesetzt.

Im öffentlichen Leben präsentierte Grass sich immer wieder auch als dezidiert politisch engagierter Literat, was tiefe biographische Wurzeln hat. Er erlebte vor Ort den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der Danzig zunächst tatsächlich ”heim ins Reich” und dann umso sicherer in den Untergang führte. Nach seiner Gymnasialzeit wurde er gegen Kriegsende im Arbeitsdienst, als Luftwaffenhelfer und dann im Sudetenland als Panzerschütze eingesetzt. Er berichtete vom Anblick erhängter Deserteure, die wie er erst im jugendlichen Alter waren. In ”diesen wenigen Wochen der sogenannten Feindberührungen oder Fronterfahrung – es gab ja so ein richtiges Wortfeld für diese Art von Erfahrungen”, schrieb er, habe er die Angst kennen- und schätzen gelernt und halte sie ”seitdem als eine Erfahrung hoch”.

Nach kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft sicherte sich Grass seinen Lebensunterhalt in Westdeutschland durch Landarbeit. Ab 1948 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf Bildhauerei und Graphik. Obwohl die Bildende Kunst für ihn bald in den Hintergrund trat, kann er auf ein umfangreiches Werk an Grafiken, Radierungen und Plastiken verweisen. Die Bildende Kunst hat auch einen beträchtlichen Einfluß auf seine anschauliche Schreibweise und Figurengestaltung gehabt. Seine literarische Laufbahn begann offiziell 1955, als er in einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks den dritten Preis erhielt und zur Tagung der ”Gruppe 47 Gedichte” eingeladen wurde. Ein Jahr später erschien sein erstes Buch, der GedichtbandDie Vorzüge der Windhühner.

Wie sehr ihm das ”Dritte Reich”, die Kriegserlebnisse und der Heimatverlust alles Urvertrauen in tradierte Umgangsformen, in kulturelle und nationale Konventionen ausgetrieben hatten, machen Verse wie diese deutlich: ”Wer lacht hier, hat gelacht?/ Hier hat sich’s ausgelacht./ Wer hier lacht, macht Verdacht,/ daß er aus Gründen lacht.” Das Gedicht mit dem absichtsvoll harmlosen Titel ”Kinderlied” enthält die brutale Erfahrung der totalitären Diktatur, die einen umfassenden Anspruch an das Individuum erhebt und deshalb auch das Lachen, Weinen, Schweigen, Spielen und Sterben als Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung nicht zuläßt. Andererseits zeigt es, wie die Disposition zur Unterwerfung tief im Menschen angelegt ist und daher schon das Kinderspiel in Gemeinheit und tödlichen Ernst umschlagen kann.

Grass entschloß sich zur aktiven Teilnahme am politischen Leben. 1961 forderte er, der seit den fünfziger Jahren im Westteil Berlins lebte, unter ausdrücklichem Hinweis auf das Versagen deutscher Intellektueller in der Nazi-Zeit die Präsidentin des Ost-Berliner Schriftstellerverbandes, Anna Seghers, in einem Offenen Brief auf, gegen den Mauerbau zu protestieren. Seit 1965 zog er für die SPD, deren Mitglied er bis 1992 war, mehrfach in den Wahlkampf. Er begleitete 1970 Willy Brandt zur Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages nach Warschau und bekundete damit seine Zustimmung zur Ostpolitik der sozialliberalen Koalition. Es ging ihm nach eigenem Bekunden darum, in der Realität ”anzukommen”, anstatt wie seine Eltern mit uneinlösbaren Hoffnungen zu leben. Bereits 1958 war er zum ersten Mal seit dem Krieg nach Danzig gefahren, um für die Blechtrommel zu recherchieren, und hatte sich vom Wiederaufbau der verwüsteten Altstadt durch die Polen überzeugen können. Schon sein Romanerstling ließ keinen Zweifel daran, daß er den territorialen Verlust für irreversibel hielt. Er bewältigte ihn persönlich auch dadurch, daß er sich vehement für die deutsch-polnische Verständigung einsetzte. Häufig hat er den Polen seine Dankbarkeit für die Rekonstruktion des alten Danzigs bekundet, auch in dem Bewußtsein, daß jenseits aller menschlichen Tragik die Geschichte einen listigen Haken geschlagen hatte: Angesichts der Art und Weise des Wiederaufbaus in beiden deutschen Nachkriegsstaaten scheint es gewiß, daß es die hanseatische Pracht im heutigen Danzig nicht gäbe, ”wenn es deutsch geblieben wäre”! (M. Welder) In der ”Solidarnosz”-Bewegung der späten siebziger und der achtziger Jahre meinte er, den stets auch widerständigen Geist seiner Heimatstadt zu spüren. Polen hat es ihm gedankt, er ist hier der populärste deutsche Gegenwartsautor. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes verliehen ihm die Universitäten in Posen und schließlich in Danzig die Ehrendoktorwürde.

Seinen politischen Einsatz hat Grass in verschiedenen Büchern reflektiert, für seine künstlerische Entwicklung erwiesen sich diese Ausflüge aber überwiegend als unfruchtbar. Häufig konterkarierte die politische Absicht die künstlerische Form. Der unter anderem mit dem Büchner-, dem Fontane- und dem Thomas-Mann-Preis und weiteren Ehrendoktortiteln versehene Grass erlebte seit Mitte der sechziger Jahre immer wieder Zeiten literarischer Krisen und der Kritikerschelte. Erst mit dem Roman Der Butt (1977), der in spielerischer Form von Mythen, geschichtlichen Brüchen und der Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat erzählt und wiederum im Ostseeraum angesiedelt ist, erlebte er eine triumphale Rückkehr in die literarische Szene. In einem neuerlichen Geniewurf, der Erzählung Das Treffen in Telgte (1979), das ein fiktives Schriftstellertreffen gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges schildert (und zugleich eine verschlüsselte Huldigung an die ”Gruppe 47” ist), hat er ironisch die Machtlosigkeit der Literatur und der Dichter eingestanden. Sein von Apokalypse-Stimmungen geprägter Roman Die Rättin (1986) fand bei den Kritikern hingegen keine Gnade. Nach diesem Mißerfolg reiste er demonstrativ für einige Zeit nach Indien.

Die deutsche Wiedervereinigung kommentierte Grass mit Mißtrauen und Abneigung. Er hatte sich inzwischen die Meinung eines ”juste milieu” zu eigen gemacht, das den Deutschen unter Hinweis auf den Nationalsozialismus das Recht auf einen geeinten Nationalstaat am Ende dieses Jahrhunderts absprach. Er monierte die Modalitäten des Beitritts der DDR zum Grundgesetz und mahnte einen innerdeutschen ”Lastenausgleich” an. Man wird Grass  zugute halten müssen, daß er wichtige mentale, soziale und ökonomische Probleme im innerdeutschen Verhältnis zu einem Zeitpunkt thematisierte, als allgemeine Euphorie die Realitäten allzu rosig färbte. Die Öffentlichkeit reagierte um so erstaunter, weil er die deutsche Teilung in früheren Jahren als eine Anomalität gegeißelt und immer wieder die Funktion der Literatur als einigendes Band um die geteilte Nation hervorgehoben hatte.

So hatte er im TrauerspielDie Plebejer proben den Aufstand (1966) ausgerechnet die Erhebung der Ostberliner Bauarbeiter vom 17. Juni 1953 thematisiert, die für die SED-Führung bis in ihre letzten Tage hinein eine traumatische Erfahrung bedeutete. Die SED wußte solche Konterbande ganz genau zu deuten und verhinderte jahrzehntelang Druck und Verbreitung von Grass’ Werken in der DDR. Erst 1984 durfte ein Buch von ihm – Das Treffen in Telgte – erscheinen; weitere zwei Jahre später folgte dieBlechtrommel. Im offiziösen DDR-Romanführer wurde Grass ignoriert. Lexika erwähnten ihn schmallippig als ”Westberliner” Autoren. Die endlich gedruckten Auflagen waren im Handumdrehen vergriffen; das DDR-Publikum stellte damit klar, daß es in Grass einen gesamtdeutschen Dichter sah.

Auf die unvermeidliche, mitunter harrsche Kritik antwortete Grass mit dem hochambitionierten Projekt eines Wiedervereinigungs-, ja Nationalromans mit dem Titel Ein weites Feld (1995). Als Bezugspunkt in dem fast achthundert Seiten starken Buch wählte er den Schriftsteller Theodor Fontane, den kritischen wie sympathieerfüllten Chronisten der Bismarck-Jahre. Was von Grass als geschichtliche Parallele gedacht war, erwies sich als Anachronismus und fatal für das Buch. Der Text besteht überwiegend aus gewaltsamen Parallelen, literarischen Versatzstücken und blutleeren Figuren. Zusätzlich unternahm es der Autor, seine kruden Anti-Wiedervereinigungsthesen, die er inzwischen zum Teil schon korrigiert bzw. modifiziert hatte, hier nochmals auszubreiten, ohne sie im Ästhetischen zu objektivieren, so daß ihm viele Seiten zur puren politischen Polemik gerieten. Der Zeit nach dem Mauerfall war mit seiner im Stil der 50er Jahre betriebenen „Gesellschaftskritik“ nicht mehr beizukommen.

1995 verkündete Grass den Entschluß, seinen offiziellen Wohnsitz nach Lübeck zu verlegen, was er mit Blick auf die gebürtigen Lübecker Thomas Mann und Willy Brandt sowie die atmosphärische Ähnlichkeit der Hansestadt mit Danzig begründete. Die Entscheidung ist nochmals ein anrührender Beleg dafür, daß der Genius loci seiner Heimatstadt für Günter Grass stets ein kontinuierliches Lebens- und Schaffenselexier geblieben ist. Andererseits ist Danzig dank Günter Grass heute die bekannteste, im kollektiven Bewußtsein am meisten mit Reflexionen und Empfindungen befrachtete Stadt des versunkenen deutschen Ostens. Sie ist Teil der Weltliteratur geworden, weil Grass literarisch die Welt in sie aufgenommen hat.

Werke: Studienausgabe in 12 Bänden, Göttingen 1993. – Einzelausgaben: Die Vorzüge der Windhühner. Gedichte und Graphiken. Berlin 1956. – Die Blechtrommel. Roman Neuwied/Berlin 1959. – Katz und Maus. Eine Novelle. Neuwied/Berlin 1961. – Hundejahre. Roman. Neuwied/Berlin 1961. – Fünf Wahlreden. Neuwied/Berlin 1965. – Die Plebejer proben den Aufstand. Ein deutsches Trauerspiel. Neuwied/Berlin 1966. – Briefe über die Grenze. Versuch eines Ost-West-Dialogs (mit Pavel Kohout). Hamburg 1968. – Örtlich betäubt. Roman. Neuwied/Berlin 1969. – Gesammelte Gedichte. Neuwied/ Darmstadt 1971. – Der Butt. Roman. Neuwied/Darmstadt 1977. – Das Treffen in Telgte. Eine Erzählung. Darmstadt/Neuwied 1979. – Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus. Darmstadt/Neuwied 1980. – Aufsätze zur Literatur. Darmstadt/Neuwied 1980. – Zeichnen und Schreiben. Das bildnerische Werk des Günter Grass. Bd. 1: Zeichnungen und Texte 1954-1977. Hg. von Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1984. – Widerstand lernen. Politische Gegenreden 1980-1983. Vorwort von Oskar Lafontaine. Darmstadt/Neuwied 1984. – Zeichnen und Schreiben. Bd. II. Radierungen und Texte 1972-1982. Hg. v. Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1984. – Die Rättin. Roman. Darmstadt/Neuwied 1986. – Unkenrufe. Eine Erzählung. Göttingen 1986. – Rede vom Verlust. Über den Niedergang der politischen Kultur im geeinten Deutschland. Göttingen 1992. – Ein weites Feld. Roman. Göttingen 1995.

Lit.: Wieser, Theodor: Günter Grass. Portrait und Poesie. Neuwied/ Berlin 1968. – Jurgensen, Manfred (Hg.): Grass, Kritik-Thesen-Analysen. Bern/München 1973. – Loschütz, Gert (Hg.): Von Buch zu Buch – Günter Grass in der Kritik. Eine Dokumentation. Neuwied 1968. – Arnold, Heinz Ludwig (Hg.): Günter Grass. Text und Kritik, Heft 4, 5. Erweiterte Auflage 1978. – Schlöndorff, Volker: ”Die Blechtrommel”. Tagebuch einer Verfilmung. Neuwied 1979. – Görtz, F.J.: Die Blechtrommel: Attraktion und Ärgernis. Ein Kapitel deutscher Literaturkritik, Darmstadt und Neuwied 1984. – Vormweg, Heinrich: Günter Grass, 2. ergänzte und aktualisierte Auflage, Reinbek bei Hamburg 1993.

Bild: Süddeutscher Verlag München

 

Thorsten Hinz

 

 

 

 

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.