Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hecht, Georg

Bürgermeister von Hermannstadt

*

† 1496

Über Georg Hechts Herkunft und seine Jugendjahre ist nichts überliefert. Möglicherweise besteht eine Beziehung zu jenem Niklas Hecht, der um das Jahr 1421 im moldauischen Baia (Moldenmarkt) gelebt hat, das für kurze Zeit Hauptstadt des Fürstentums Moldau war und damals noch auch von Deutschen bewohnt wurde. Auch in Danzig ist der Geschlechtsname Hecht belegt. Im Jahre 1411 starb dort der Bürgermeister Arnold Hecht. Da sich um diese Zeit in Hermannstadt mehrere Zuwanderer aus den Weichselstädten niedergelassen haben, steht auch diese Möglichkeit offen.

Georg Hecht wird im Jahre 1470 erstmals in einem Verzeichnis Hermannstädter Steuerträger erwähnt. Zwei Jahre später tritt er "als Mitbürger" und Käufer eines auf der Südseite des Großen Rings der Stadt gelegenen Anwesens in Erscheinung, das er um den bemerkenswerten Preis von 1000 Goldgulden erwirbt. In der Auswahl des Hauses, das dem des Altbürgermeisters Oswald und eines weiteren Patriziers benachbart liegt, wie schließlich in der Wahl des bevorzugten Wohnbezirks der Vornehmen Hermannstadts erscheint Hecht als ein Glied jener Schicht von Unternehmern und Kaufleuten, die für das Leben in den sächsischen Städten Siebenbürgens im 15. und 16. Jahrhundert typisch ist. Noch in den frühen siebziger Jahren steigt Hecht in den Rat auf und ist in dieser Eigenschaft als Zwölftelherr auch mit dem Einheben der ausgeworfenen Steuern und Abgaben der Stadt betraut. Er muß schon damals in hohem Ansehen gestanden haben. Denn noch kurz vor Ablauf des Jahres 1473 wird er mit einer Mission zu König Matthias betraut. Auf der Rückreise, kündigt er sich bereits aus Klausen-burg an, wo er in königlichem Auftrag noch etwas verweilen mußte, und unterschreibt seinen Bericht SYMBOL 150 f "Times New Roman CE" meinem Gefühl nach etwas provozierend SYMBOL 150 f "Times New Roman CE" einfach mit "Georgius Hecht".

Zwischendurch treibt er ausgedehnte Handelsgeschäfte und unterhält an größeren Märkten eigene Handlungsdiener. Bei seinen Unternehmungen versteht er es, sich mit den Großen des Landes gut zu stellen. So tritt der siebenbürgische Woiwode Stephan Báthori entschieden für Hecht ein, da dieser mit einem seiner Handelspartner, dem muntenischen Bojaren und Kaufmann Stephan Koryz, aneinandergerät, als dieser Waren Hechts, die er aus der Türkei nach Siebenbürgen einführen wollte, in Curtes de Arges beschlagnahmte. Auf die Klage Hechts hin wies Báthori den Kronstädter Rat sofort an, alle erreichbaren Waren des Koryz ebenfalls in Beschlag zu nehmen und sie zurückzuhalten, bis dieser Hecht Genüge getan habe. Auch seine Verbindung zum königlichen Hof weiß Hecht unternehmerisch auszuwerten. Im Jahre 1492 pachtet er von König Wladislaw II. die Bergkammer von Offenburg-Offenbánya, was ihm die Kontrolle über den gesamten Bergbau im siebenbürgischen Erzgebirge einbringt. Gegen alle Zettelungen, an denen auch der wirtschaftsgewaltige, aber durch Alter und Krankheit in seiner Tatkraft behinderte Bürgermeister Thomas Althemberger teilhat, nimmt Hecht auch die Hermannstädter Einlösungskammer in Bestand, mit der die Münzprägung verbunden war. Damit gewinnt er im siebenbürgischen Wirtschaftsleben jene überragende Stellung, wie sie vorher allein Althemberger innehatte.

Da die siebenbürgischen Regalien, in Hermannstadt die Einlösungskammer und der Zwanzigste im Rotenturm-Pass, vom Stadtrat selber öfter pachtweise übernommen wurden, war Hecht durch seine geschäftliche Betriebsamkeit zu der von ihm angeführten Körperschaft SYMBOL 150 f "Times New Roman CE" im Januar 1492 war er ja selber zum Bürgermeister gewählt worden SYMBOL 150 f "Times New Roman CE" in einen gewissen Gegensatz geraten. Im November 1492 muß sich der Woiwode Stephan Báthori gegenüber dem Stadtrat vor dem Vorwurf verteidigen, er habe Hecht die Mittel vorgestreckt, um ihm damit sämtliche Kammer- und Zwanzigstgefälle des Landes zuzuspielen. Auch König Wladislaw II. nahm Hecht in Schutz. Die Verbindung zum königlichen Hof in Ofen hat Hecht, wie wir sehen, schon unter König Matthias sehr gepflegt. So benachrichtigte der König "den Hermannstädter Bürger Georg Hecht" am 20. März 1482, daß er ihm die Verwaltung des Dreißigstzolls belassen wolle, obwohl Althemberger und viele andere Mitbürger Herrmannstadts dagegen seien, weil sie den gewinnbringenden Posten lieber für sich haben wollten. Zehn Jahre später, 1492, trägt der königliche Schatzmeister Wilhelmus Pamkyrcher dem Kronstädter Rat auf, Hecht bei der Einhebung des Zwanzigsten an die Hand zu gehen. Im Jahre 1493 sieht sich Hecht schließlich veranlaßt, dem Drängen des Rats stattzugeben, und überweist ihm die Pacht der Zollgefälle. Selber behält er sich aber ihre Nutzung in den offenbar ertragreicheren vier Wochen, die Pfingsten folgen, vor. Als Kammergraf bleibt er indessen weiterhin unangefochten. Tritt dann aber im Jahr 1495 freiwillig zurück.

Noch in fortgeschrittenem Alter ist von einer königlichen Gesandtschaft Hechts an den Hof des Moldauerfürsten Stephans des Großen die Rede, wo er offenbar vom Tod eingeholt wird, der zwischen dem 20. Februar und dem 11. April 1496 erfolgt ist, denn an diesem letzten Tag heißt es in einem Dokument von "condam Georgium Hecht".

Seinen Söhnen Johannes, Michael und Nikolaus hat er ein schönes Vermögen hinterlassen. Den Nachruhm, der Hecht in besonderer Weise zuteil geworden ist, verdankt er seinen kriegerischen Taten. Sein Name ist mit zwei Siegen über die kämpferischen Osmanen untrennbar verbunden. In der blutigen Schlacht auf dem Brotfeld vom Jahre 1479, an der das Aufgebot der Sachsen nach dem Zeugnis des ungarischen Hofchronisten A. Bonfini rühmend Anteil genommen hat, führte Hecht das 600 Mann starke sächsische Reiterbanderium zum Sieg; 1493, als eine türkische Heerschar, die nach einem beutereichen Einfall über die Karpathen ihren Rückzug durch den Rotenturm-Paß nehmen wollte, gelingt es ihm, im Verein mit rumänischen Kräften der nahen Herrschaft Talmesch, die Türken noch vorher zum Kampf zu stellen und sie aufzureiben. Wladislaw II. ernannte Hecht daraufhin zum miles aureatus und mehrte sein Wappen mit einem Greif. Albert Huet hat in seiner Weissenburger Rede (1591) Hechts Leistung in der Türkenabwehr rühmend hervorgehoben und sie damit der Nachwelt überliefert. Durch die schöngeistige Bewegung der Siebenbürger Sachsen wird seine Gestalt dann in die Gefilde des Literarischen gehoben und durch Daniel Roth, Traugott Teutsch und andere verherrlicht. Im Bewußtsein unseres kleinen Völkchens ist sie noch heute lebendig.

Lit.: Eine erste zusammenfassende Darstellung bei Gustav Gündisch: Die Grabsteine in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt, in: Mitteilungen aus dem Baron Brukenthalischen Museum XII, 1947, S. 12-15. Dann: Taten und Gestalten. Bilder aus der Vergangenheit der Rumäniendeutschen I. Dacia Verlag, Klausenburg 1983, S. 38-41.

 

Gustav Gündisch

 

 

 

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.