Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Helmersen, Gregor von

Geologe

* 1803, 29.09.
Duckershof/Livland

† 1885, 03.02.
St. Petersburg

Als Sohn des nachmaligen Direktors des Kaiserlichen Theaters in St. Petersburg, Peter Bernhard von Helmersen, wurde der Geologe und Forschungsreisende Gregor von Helmersen am 29. September 1803 auf dem elterlichen Gute Duckershof in Livland geboren. Nach dem Verkauf des Gutes zog die Familie im Jahre 1806 nach St. Petersburg, wo Helmersen die Knabenschule von Pastor Johann von Muralt besuchte. Von 1818-1821 besuchte er das Gymnasium in Dorpat und studierte anschließend Rechts- und Naturwissenschaften an der dortigen Universität. Die erste wissenschaftliche Reise führte ihn im Auftrag der Universität an die Quellen der Wolga und des Dnjepr; es folgten Forschungsreisen an die untere Wolga (1826), in den Ural und (1828/29) nach dem südlichen Ural, und mit Alexander von Humboldt von Slatousk bis Orenburg. In den Jahren 1830-1833 studierte er in Berlin, Bonn und Heidelberg und bereiste Mitteleuropa. Von 1833-1836 untersuchte er den geologischen Bau des östlichen Ural, den Altai und die Kirgisensteppe. Nach seiner Rückkehr von diesen Forschungsreisen wurde er als Professor der Geologie an das Berginstitut in St. Petersburg berufen (1838-1863), wo er von 1840-1848 Inspektor der Zöglinge, von 1865-1872 Direktor des Instituts war, dessen Umwandlung aus einer militärischen in eine zivile, offene Lehranstalt er durchführte. Helmersen war Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg. Er wurde (1863) zum General-Leutnant des Bergingenieur-Korps befördert. Als Konservator und späterer Direktor des Mineralogischen Museums hat er sich große Verdienste erworben. Auf zahlreichen Reisen erforschte er (bis 1871) die geologischen Verhältnisse, insbesondere die Bodenschätze, im gesamten Russischen Reich. Helmersen galt als erster und größter Geologe Rußlands; viele seiner Arbeiten sind zur Grundlage späterer Untersuchungen geworden; erst durch ihn hat Rußland seine Bodenreichtümer kennengelernt.

Zu den wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten Gregor von Helmersens gehören „Das Donezer Steinkohlengebirge und dessen industrielle Zukunft“ (1863), eine „Übersichtskarte der Gebirgsformationen des europäischen Rußland“ (1841), „Geognostische Untersuchungen des Süduralgebirges“ (1831), „Reise nach dem Altai“ (1848), „Studien über die Wanderblöcke und die Diluvialgebilde Rußlands“ (1882). Gemeinsam mit Carl-Ernst von Baer gab Helmersen die „Beiträge zur Kenntnis des Russischen Reiches“ heraus (1839-1872, 26 Bände).

Gregor von Helmersen war von 1871-1878 Präses des Zentralkomitees der Unterstützungskasse für Evangelisch-lutherische Gemeinden, Präses der Evangelischen Bibelgesellschaft in Rußland, Kirchenvorsteher der Katharinen-Gemeinde in St. Petersburg und innerhalb dieser eine der maßgebenden Persönlichkeiten. Es hat dem hervorragenden Gelehrten und Forschungsreisenden an Auszeichnungen und Anerkennung nicht gefehlt. Er war Ehrendoktor der Mineralogie und Geographie der Universität Dorpat, Mitglied zahlreicher gelehrter Gesellschaften, Ehrenmitglied der Naturforscher-Gesellschaften in Dorpat, Kiew und Stockholm, der Gesellschaft für Gesundheitspflege und der Technischen Gesellschaft in St. Petersburg, des Handels- und Manufakturkonseils sowie der Universitäten St. Petersburg und Kiew. Gregor von Helmersen starb am 3. Februar 1885 in St. Petersburg.

Lit.: Deutsch-baltisches biographisches Lexikon 1710-1960 (Köln/Wien 1970); In memoriam Gregor von Helmersen (In: Baltische Rundschau, Jg. 4/1953, Nr. 11).

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.