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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hitzig, Julius Eduard

Schriftsteller, Verleger, Jurist

* 1780, 26.03.
Berlin

† 1849, 27.11.
Berlin

Bis zu seiner Konversion zum Luthertum im Jahr 1799 hatte der Sohn des Lederfabrikanten Elias Daniel Itzig (seit 1808 Hitzig) die Vornamen Isaak Elias. Im selben Jahr trat er nach dem Jura-Studium in Halle und Erlangen eine Stelle als Auskultator bei der Regierung in Warschau an. Hier kam es bereits zu einer jener Konstellationen, die für Hitzigs Leben und Wirken charakteristisch waren. Er lernte den romantischen Dramatiker Zacharias Werner kennen, blieb mit ihm auch nach seiner Berufung ans Berliner Kammergericht 1801 in Briefverbindung und hatte nicht unwesentlich Anteil an dessen dramatischem ZweiteilerDie Söhne des Tals (1803/04). In der Figur des Robert d’Heredon verewigte Werner den Freund. Unter dem Namen Othmar nahm ihn E. T. A. Hoffmann später in die Runde der Serapionsbrüder auf.

Daß Hitzig aus der deutschen Literaturgeschichte nicht wegzudenken ist, zeigen vor allem seine Berliner Aktivitäten. Ihren Koordinationspunkt fanden sie in der Gründung des “Nordsternbundes”, zu dessen Mitgliedern Chamisso, Varnhagen von Ense, Ferdinand Koreff und Fouqué zählten. In dem von Chamisso und Varnhagen edierten Grünen Musenalmanach (1804-1806) veröffentlichte Hitzig unter dem Pseudonym Eduard Gedichte.

1804 kam Hitzig ein weiteres Mal nach Warschau (als Regierungsassessor), wo er E. T. A. Hoffmann kennenlernte. Die daraus erwachsende Romantikerfreundschaft war von weittragender Bedeutung. 1807 wurde Hitzigs juristische Laufbahn durch Napoleons Sieg unterbrochen. Das Verlagswesen wurde sein neues Betätigungsfeld. Nach kurzer Buchhändlerlehre bei Georg Reimer gründete er 1808 einen eigenen Verlag. Heftige Auseinandersetzungen gab es zwischen dem neuen Verleger und Heinrich von Kleist über des letzteren Berliner Abendblätter. Diese erste täglich erscheinende Zeitung Berlins verkaufte sich anfangs (Oktober bis November 1810) sehr gut. Doch schon am 27. November 1810 schrieb Hitzig an Fouqué: “Bei den Abendblättern leide ich, ungeachtet der anfangs glänzenden Aussichten, einen sehr empfindlichen Verlust.” Zum Untergang der Abendblätter trugen vor allem die regierungsfeindlichen Aufsätze Adam Müllers bei. Der dadurch besonders verärgerte Hardenberg verfügte für das 2. Quartal eine Sperre aller politischen Nachrichten. Am 30. März 1811 erschien die letzte Nummer des Blattes. Die veränderten Umstände in Preußen 1814 veranlaßten Hitzig zum Verkauf des Verlags an Dümmler und zur Rückkehr in den preußischen Staatsdienst. 1815 wurde er Kriminalrat, 1827 Direktor des Inquisitoriats. Damit kam ihm bedeutender Einfluß im Bereich des Strafrechts zu, dessen Verbesserung er unter anderem mittels zweier Fachzeitschriften im konservativ-protestantischen Sinn versuchte. 1835 ließ er sich aus gesundheitlichen Gründen pensionieren.

Die Bedeutung Hitzigs liegt zweifelsohne in seinen kulturorganisatorischen Aktivitäten und in seinen Dichterfreundschaften (besonders mit Werner, Chamisso und E. T. A. Hoffmann). Beides ist nicht voneinander zu trennen. 1824 rief er die berühmte “Mittwochsgesellschaft” ins Leben, zu deren Mitgliedern Fouqué, Eichendorff und Holtei gehörten. Erwähnt werden müssen noch Hitzigs Einsatz für die Berufsschriftsteller (Über belletristische Schriftstellerei als Lebensberuf, 1838) und die zwölf Bände des Neuen Pitaval (1842-1847), eine “Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit”, die bis in die Gegenwart meist nur unter dem Namen des Mitherausgebers Wilhelm Häring (Willibald Alexis) firmieren.

Unter den Biographien Hitzigs dürfte das zweibändige Werk E. T. A. Hoffmanns Leben und Nachlaß (3. Aufl. 1839) am folgenreichsten gewesen sein. Gerade die anekdotenreiche Darstellungsweise und der enge Horizont des Verfassers lieferten Negativschlagzeilen gegen Hoffmann (so Hitzigs Auslassungen über dessen Gespensterfurcht, seine Trinkgewohnheiten und anderes). Begraben liegt Hitzig auf dem berühmten Dorotheenstädtischen Kirchhof in Berlin.

Weitere Werke: Lebens-Abriß Frdr. Ludw. Zacharias Werners. 1823. – Das Königlich Preußische Gesetz vom 11. Juli 1827 zum Schutz des geistigen Eigenthums. 1838. – Vier Variationen über ein Zeitthema. 1842.

Bild: Undatiert.

 

  Walter Dimter

 

 

 

 

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