Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hobinka, Edgar

Musikpädagoge

* 1905, 16.12.
Mährisch-Schönberg

† 1989, 26.01.
Wetzlar

Viele Landsleute haben nicht nur in ihrer alten Heimat im Karpatenraum hervorragende Leistungen vollbracht, sondern konnten nach dem Kriege auch in ihrem neuen Wirkungsbereich Prägendes und Bleibendes schaffen. Zu denen, die mit ihrem Wirken außerordentliche Spuren hinterlassen haben, gehört ohne Zweifel der Musikpädagoge Edgar Hobinka.

Hobinka wurde am 16. Dezember 1905 in Mährisch-Schönberg geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hannsdorf studierte er an der Universität in Prag Germanistik und Slawistik, aber auch Volkskunde, Dramaturgie und Zeitungswissenschaften. Gleichzeitig besuchte er die Musikakademie in Prag, weil die Musik seine große Passion war. Schon während seines Studiums veröffentlichte er die „Geschichte der deutschen Volkskunde in Mähren und Schlesien“. Nachdem er 1929 die Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien abgelegt hatte, unterzog er sich 1929 bis 1931 dem Militärdienst, den er als Reserveleutnant verließ.

Im Jahre 1931 kam Edgar Hobinka in den karpatendeutschen Raum, indem er seine erste Lehrerstelle am Deutschen Evang. A.B. Realgymnasium in Kesmark antrat. Er unterrichtete die Fächer Deutsch und Slowakisch, konnte aber in der Musik und der Kulturarbeit seine vielfältigen Fähigkeiten entfalten. Er leitete einen Schülerchor, arbeitete an der neu gegründeten Musikschule mit und trat bei Kulturveranstaltungen als Schauspieler und Sänger auf. Außerdem verfaßte er ein Mozartspiel und ein Hörspiel über Franz Schubert und wirkte bei Kammermusik in einem Streichquartett mit. Mit einem gemischten Chor ging er auf Tourneereisen, die bis Breslau und Berlin führten. Schließlich war er in dieser Zeit auch geschäftsführender Vorsitzender des Zipser Sängerbundes.

Im Jahre 1933 heiratete Herr Hobinka in Hannsdorf, mit seiner Frau Marie hatte er zwei Töchter und einen Sohn.

Nach acht Jahren fruchtbaren Wirkens in Kesmark ging er 1939 nach Preßburg, um hier neue Aufgaben zu übernehmen. Er wurde Direktor der neu errichteten deutschen Lehrerakademie und hatte später auch die Leitung der Fachschule für Frauenberufe. In dem damals neuen Medium des Rundfunks brachte er Einführungen zu Opern, das besonders im Mozartjahr 1941, wo er auch im Wiener Rundfunk zu hören war. Im Preßburger Rundfunk hatte er eine regelmäßige wöchentliche Sendung, die „kulturelle Umschau“, außerdem gestaltete er Hörspiele und Morgenfeiern. Hobinka veranstaltete und leitete Fortbildungskurse für Lehrer und führte die Redaktion der Zeitschrift „Karpatendeutscher Erzieher“. Er bemühte sich auch um das Slowakische und gab eine slowakische Literaturgeschichte und ein Konversationsheft in Slowakisch für deutsche Schulen heraus.Vor allem versuchte Edgar Hobinka auch in den späteren Kriegsjahren, die Lehrerakademie aufrecht zu erhalten, und Ende März 1945 evakuierte er seine Schüler nach Österreich (Krems/Donau), um sie in Sicherheit zu bringen.

Nach dem Kriegsende und den Umbrüchen fand sich Edgar Hobinka mit seiner Familie in Salzburg wieder, wo er 1945/46 als Berufsmusiker seine Existenz zu sichern versuchte. Im Rahmen der Umsiedlung kam er mit der Familie in ein Lager nach Bensheim/Bergstraße und lebte dann in Bürstadt, wo er sichauch als Berufsmusiker, Privatlehrer und Übersetzer durchschlug. Im November 1948 wurde er dann endlich wieder in seinem geliebten Lehrerberuf am Goethegymnasium in Wetzlar als Studienrat angestellt.

Hier fand er nicht nur seine neue Heimat, sondern auch eine gute Wirkungsstätte. Neben seiner Lehrertätigkeit entwickelte er viele Aktivitäten. Er übernahm den Vorsitz der Volkshochschule Wetzlar-Land, die in der Nachkriegszeit wichtige Bildungsarbeit leisten konnte.

Im Jahre 1957 gründete er die Wetzlarer Musikschule und leitete sie 25 Jahre; sie entwickelte sich prächtig und 1981 im 25. Jahre umfaßte sie 1.100 Schüler und 60 Lehrer. Bis heute unterrichten noch 60 qualifizierte Lehrkräfte rund 1.440 Schülerinnen und Schüler. Dazu kamen ein Chor und ein Orchester.

Im Bund der Vertriebenen war er Kreiskulturreferent und später auch Kreisvorsitzender. Seit 1956 war er Landeskulturreferent und später Vorsitzender des Landeskulturrates in Hessen.

Im Stadtrat arbeitete Hobinka zwölf Jahre als Stadtverordneter mit und hatte den Vorsitz des Kulturausschusses. Im Jahre 1962 regte er im Stadtrat die Übernahme einer „Patenschaft der Stadt für das ostdeutsche Lied“ an, dem der Wetzlarer Stadtrat vollzählig zustimmte. Das Ziel war, eines der bedeutendsten Kulturgüter der Heimatvertriebenen der Vergessenheit zu entreißen und der Nachwelt zu erhalten. So entstand unter seiner Leitung die größte Liedersammlung (Liedsuchdatei) mit insgesamt 26.000 Titeln, die nach Liedanfängen aufgebaut ist. Bis heute kommen viele Anfragen dazu, in den letzten Jahren vermehrt aus osteuropäischen Ländern. Im Rahmen dieser Arbeit brachte er viele Veröffentlichungen heraus:

– Liederbuch „Brücke zur Heimat“ (mehrere Auflagen)

– „Von Volksliedern, Schlagern und Schnulzen“

– „Musikheft für Anfänger“

– „Liederheft neugeschaffener Lieder“

Dabei waren auch eine Schallplatte und Flugschriften. Er schrieb auch Erzählungen, Essays und Gedichte.

Als Oberstudienrat i.R. Edgar Hobinka 1968 in den Ruhestand trat, führte er seine Kulturarbeit noch manche Jahre weiter. Seine Arbeit wurde in der Stadt Wetzlar und darüber hinaus anerkannt, was sich auch in den vielen Ehrungen ausdrückt. Er erhielt den Ehrenbrief des Landes, den Volkstumspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die Goldene Ehrennadel des BdV, der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Solmser Sängerbundes; außerdem auch die Wenzel-Jaksch-Medaille und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Im Jahre 1984 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Wetzlar ernannt und eine Straße heißt bis heute „Edgar-Hobinka-Straße“.

Edgar Hobinka arbeitete auch in den karpatendeutschen Organisationen mit, pflegte gute Kontakte zu seinen Landsleuten und besonders zu seinen ehemaligen Schülern und war mit einigen Beiträgen auch Autor des Karpatenjahrbuches.

Als Edgar Hobinka am 24. Januar 1989 im Alter von 83 Jahren gestorben war, wurde er im Dom zu Wetzlar in einer großen Trauerfeier verabschiedet.

Hans Kobialka 

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.