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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hoerner, Herbert von

Zeichner, Schriftsteller

* 1884, 09.08.
Ihlen/Kurland

† 1950, 09.05.
Torgau/Sachsen

Am 9. August 1884, wurde auf dem Rittergut Ihlen in Kurland der baltische Schriftsteller Herbert von Hoerner geboren. Sein Vater, der Landespolitiker Rudolph von Hoerner (1848-1919), Majoratsbesitzer von Ihlen (seit 1880), war von 1879-1905 residierender Kreismarschall, seit 1892 Direktor des Kurländischen Provinzialmuseums, seit 1893 Präses der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst und von 1894-1905 Beisitzer des Kurländischen Evangelisch-lutherischen Konsistoriums. Herbert von Hoerner erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte anschließend das Gymnasium in Mitau und studierte nach Ableistung des russischen Wehrdienstes an der Kunstakademie in München (1905/06) und bei Poelzig und Busch an der Staatlichen Kunstschule in Breslau (1906-1908). Er absolvierte das Zeichenlehrer-Examen, hielt sich im Jahre 1908 zu Studienzwecken in München und in Italien auf und war nach seiner Rückkehr in die Heimat zeitweilig als Zeichenlehrer in Mitau tätig. In den Jahren 1914-1916 als russischer Staatsangehöriger in Deutschland interniert, lebte er anschließend im Künstlerhaus in Dresden-Loschwitz, wo er am 15. Dezember 1917 die schlesische Schriftstellerin Susanne Heintze aus Breslau heiratete. Er kehrte mit ihr im Jahre 1918 nach Ihlen zurück, kämpfte 1919-1920 in den Reihen der Baltischen Landeswehr gegen die Bolschewiken, um anschließend die Heimat zu verlassen. Als Schriftsteller und Porträtmaler lebte er vorübergehend in Berlin, im Jahre 1921 in Chemnitz, von 1922-1925 in Überlingen am Bodensee, auf Reisen und auf Gütern in Pommern. Zu längerem Aufenthalt ließ er sich im Jahre 1930 in Görlitz nieder, wo er bis 1942 am dortigen Gymnasium als Zeichenlehrer tätig war, zeitweilig auch Mathematik und Deutsch unterrichtete. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Sonderführer (Dolmetscher) in Rußland eingesetzt. Beim Zusammenbruch befand er sich mit seiner Truppe in der Tschechoslowakei. Mit einem schlesischen Bauerntreck zog er nach Liebenthal (Kreis Goldberg in Schlesien), von wo er sich zu seiner Familie nach Görlitz durchschlagen wollte, jedoch an der Neiße festgenommen wurde und in russische Hände geriet. Er befand sich im Jahre 1946 im Untersuchungsgefängnis in Bautzen, während Susanne von Hoerner-Heintze 1946 in Görlitz verhaftet und wegen ihrer schriftstellerischen Tätigkeit zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und ins Zuchthaus Waldheim gebracht wurde. Herbert von Hoerner starb in der Gefangenschaft am 9. Mai 1950 in Torgau. Zu den ersten Werken Herbert von Hoerners gehört das Drama „Theseus“ (1923), das in Meiningen aufgeführt worden ist. Bekanntgeworden ist er vor allem durch seine meisterhaften Erzählungen, von denen hier „Villa Gudrun“ (1921), „Des Forschers Auferstehung“ (1927), „Die Kutscherin des Zaren“ (1936), „Die letzte Kugel* (1937), „Der große Baum“ (1938), „Die grüne Limonade“ (1942) genannt seien. Ein Gedichtband „Die Welle“ erschien 1942, Skizzen unter dem Titel „Landschaften“ im gleichen Jahr. Sein Roman „Der graue Reiter“ (1940) wurde ins Finnische und ins Franzosische übersetzt. Auch als Übersetzer aus dem Russischen (Tolstoi, Gogol, Puschkin, Turgenjew) ist Herbert von Hoerner hervorgetreten. Im Jahre 1941 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Berlin.

Lit.: Deutsch-Baltisches Biographisches Lexikon 1710-1960 (Köln/Wien 1970) – Susanne von Hoerner-Heintze: Brief an Herbert von Hoerner (In: „Baltisches Erbe“, Bd. l, hrsg. v. Erik Thomson (Frankfurt/Main 1964).

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