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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hoerschelmann, Rolf Erik von

Graphiker

* 1885, 28.02.
Dorpat/Estland

† 1947, 12.03.
Feldafing/München

Der weit über die Grenzen seiner Wahlheimat München hinaus bekannt gewordene Graphiker Rolf von Hoerschelmann wurde am 28. Februar 1885 in der Universitätsstadt Dorpat als Sohn des Professors der altklassischen Philologie und damaligen Dekans seiner Fakultät, Wilhelm von Hoerschelmann (1849-1895), geboren. Er besuchte das Privatgymnasium Rudolf von Zeddelmanns in seiner Vaterstadt und erhielt ersten Zeichenunterricht bei Sophia (Susa) Walter (1874- 1945). Früh leidend, gab er den Schulbesuch auf und widmete seine Zeit bald dem Zeichnen und anderen Liebhabereien, den Büchern, denn „die Welt der Bücher war mir von Kindheitstagen an ehrwürdig und vertraut“. Sieben Jahre nach dem Tode des Vaters, im Sommer 1902, verließ der Siebzehnjährige seine baltische Heimat. Im Jahre 1903 ließ er sich in München nieder, besuchte dort die Obrist’sche Kunstgewerbeschule, arbeitete im Lehr- und Versuchsatelier für freie und angewandte Kunst von W. von Debschitz. Er bekannte, Münchens nördlicher Vorort Schwabing sei zu seiner geistigen Heimat geworden. Im Jahre 1907 gehörte er neben dem Freiherrn Alexander von Bernus zu den Mitgründern der „Schwabinger Schattenspiele“, von denen er sagt: „Vor der Buchillustration als beruflicher Tätigkeit brachten die Schwabinger Schattenspiele reiche Gelegenheit zu prägnanter Formulierung innerlich erschauter Bilder.“ In Schwabing betätigte er sich als vielseitiger Künstler, als Zeichner, Karikaturist und Graphiker; er schuf Scherenschnitte und Holzschnitte, Aquarelle, Exlibris. Seine zeichnerischen Arbeiten kennzeichnet ein flotter, impressionistischer Strich, dem Stimmungshaften verhaftet; der Vergleich mit Alfred Kubin liegt nahe, doch fehlt ihm das Dämonische.

Rolf von Hoerschelmann war Mitarbeiter der „Jugend“, des „Simplizissimus“, der „Fliegenden Blätter“. Und natürlich Buchillustrator. Etwa 40 Bücher hat er illustriert, Werke von Bernus und Storni, Eichendorff und E.Th. A. Hoffmann, Gogol und Tieck; er tat es als Liebhaber, der sich nicht von Aufträgen zu Dingen verführen ließ, die seiner Natur widersprachen. Doch Hoerschelmann war nicht nur Künstler. Seine Sammler-und Forschertätigkeit verdient nicht minder Erwähnung. Seine Wohnung in Schwabing, unter dem Namen „Fuchsbau“ bekannt, war gefüllt mit Büchern und Mappen, die vorwiegend der Geschichte der deutschen Dichtung und Illustration von den Anfängen bis in die Gegenwart gewidmet waren. Der Idylle seines Schwabinger „Fuchsbaues“ wurde im Herbst des Jahres 1943 bei einem Fliegerangriff auf München ein grausames Ende bereitet. Hoerschelmann lebte nach seiner Ausbombung in Feldafing am Starnberger See; dort ist er am 12. März 1947 gestorben. Seine im Jahre seines Todes erschienenen Erinnerungen tragen den bezeichnenden Titel „Leben ohne Alltag“. In München ist er unvergessen. Hier galt er als „Mensch von auserlesener Bildung, ein vorzüglicher Gesellschafter, ein Liebhaber und Kenner der Kunst und der Chronist der geistigen Welt Schwabings, zu deren einprägsamsten Gestalten er selbst gehörte“ (Ernst Penzoldt). In seinem Todesjahr zeigte das Münchener Haus der Kunst eine Nachlaßausstellung seiner Werke. Sein Nachlaß, soweit erhalten, befindet sich heute in der Graphischen Staatssammlung in München.

Lit.: Deutsch-baltisches biographisches Lexikon 1710-1960 (Köln/Wien. 1970); Kuno Hagen: Lexikon deutschbaltischer bildender Künstler. 20. Jahrhundert (Köln 1983); Ludwig Hollweck; Deutsch-Balten in München (München 1974); Rolf von Hoerschelmann: Leben ohne Alltag (Berlin 1947)

Abb.: Selbstbildnis 1916 (Ausschnitt)

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