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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hohenzollern-Hechingen, Johann Karl von

Theologe

* 1732, 25.07.
Freiburg/Breisgau

† 1803, 11.08.
Oliva bei Danzig

V.: Hermann Friedrich, Kais. Generalfeldmarschall. M.: Maria, Gräfin von Öttingen-Wallerstein-Spielberg. – H. wurde Offizier in französischen Diensten, nahm aber während des Siebenjährigen Krieges als Oberst den Abschied und wollte in das preußische Heer eintreten. Sein „freundwilliger Vetter“, der alte Fritz, soll ihn abgewiesen haben mit den Worten: „Vetter, Ihr taugt nicht zum Soldaten, Ihr müßt Pfaff werden.“ Obwohl schon über 40 Jahre alt, begann H. Theologie zu studieren, empfing 1776 oder 1777 die Priesterweihe und erhielt ein Kanonikat in Breslau. Als 1772 Westpreußen und das Ermland zu Preußen gekommen waren, sorgte Friedrich der Große dafür, daß sein „geistlicher Herr Vetter“ auch Domherr und Weihbischof von Kulm wurde. Am 27. September 1778 wurde er in der Klosterkirche zu Oliva zum Bischof geweiht. Um ihm ein größeres Einkommen zu sichern, ernannte ihn der König 1779 zum Abt von Pelplin, 1781 zum Abt von Oliva, 1785 wurde er Bischof von Kulm, 1795 von Friedrich Wilhelm III. zum Fürstbischof des reicher dotierten Bistums Ermland „nominiert und präsentiert“, am 16. Juli vom Domkapitel gewählt und am 10. April 1796 in Frauenburg inthronisiert. Im Ermland war er der erste Fürstbischof, der nach der Einverleibung des Bistums in den preußischen Staat ernannt wurde und der erste Fürstbischof deutscher Herkunft seit dem 16. Jahrhundert. Mit Friedrich dem Großen stand er in lebhaftem Briefwechsel, hielt sich öfter in Berlin auf und war der kirchenpolitische Vertrauensmann des Königs; als geschickter Politiker wußte er die Interessen der Krone Preußen mit denen der Kirche zu verbinden. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens hatte er die Unterbringung der Exjesuiten und die Neugestaltung ihrer Schulen zu leiten, daher wurde er 1781 zum „Chef des königl. Schuleninstituts“ ernannt. Die kirchliche Neuorganisation der durch den Siebenjährigen Krieg und durch die Teilungen Polens erworbenen Länder beruht zum großen Teil auf Vorschlägen des hohenzollerischen Fürstbischofs: dabei genoß er das volle Vertrauen sowohl des Königs und der Staatsbehörden wie auch des Klerus. Seit 1781 wohnte er in der Abtei zu Oliva, der benachbarte „Karlsberg“, auf dem er einen Park anlegte, ist nach ihm benannt. Seine Diözesen hat er nur selten besucht, sie wurden von den Generalvikaren und den Weihbischöfen verwaltet. In Oliva führte er einen großen „Hof*, verkehrte viel mit Offizieren und Adligen und veranstaltete als echter Reichsgraf in dem Abteigarten große Volksfeste. Bei dieser Hofhaltung reichte selbst das Einkommen aus den großen Pfründen nicht aus. Er hinterließ 42 000 Taler Schulden. Diese mußten nach seinem Tode aus den Einkünften des Bistums Ermland beglichen werden, daher erhielt er auf dem ermländischen Bischofsstuhl erst 1808 in seinem Neffen Josef einen Nachfolger.

Lit.: Ztschr. Erml. 4 S. 567 ff., 573 ff.; 6 S. 349, 437; 18 S. 58 ff., 82 ff.; 20 S. 583 ff.; 21 S. 122 f. – Max Lehmann u. Granier, Preußen u. d. kath. Kirche V-VIII. – A.D.B.

Quelle: Altpreußische Biographie, hrsg. v. Ch. Krollmann, Bd. l, Königsberg 1940, Nachdruck Marburg 1974.

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