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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Holm, Korfiz

Verleger, Schriftsteller

* 1872, 21.08.
Riga/Livland

† 1942, 05.08.
München

In seinen Lebenserinnerungen ich — klein geschrieben von 1932, die 1940 nochmals unter dem Titel Farbiger Abglanz erschienen, spricht Korfiz Holm davon, daß es in seinem Leben wohl nur eine einzige Begebenheit gegeben habe, die ihm „Unsterblichkeit“ verbürge, die Tatsache nämlich, daß er am Lübecker Katharineum Thomas Manns „Vorturner“ gewesen sei. Das war im Jahr 1892, und ein Jahr später publizierte der Primaner Holm in der vom Sekundaner Mann herausgegebenen Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm unter dem Pseudonym Anthropos erste eigene Gedichte. Die Zusammenarbeit der beiden so unterschiedlichen Autoren sollte sich im München der Jahrhundertwende fortsetzen. Gemeinsam standen sie im Juni 1895 auf der Bühne des Vergnügungslokals „Orpheum“ und spielten im gerade gegründeten Akademisch-dramatischen Verein in der deutschen Erstaufführung von Ibsens Windente unter der Regie von Ernst von Wolzogen. Holm spielte die Rolle des Groberg, Thomas Mann den Großhändler Werle. Zwei Jahre später engagierte der zum Geschäftsführer des Münchner Langen Verlages avancierte Holm seinen Schulkameraden Mann für ein Monatsgehalt von hundert Mark als Lektor für die politisch-satirische WochenschriftSimplicissimus. Die Zusammenarbeit dauerte nur kurze Zeit. Thomas Mann wartete auf das Erscheinen seiner Buddenbrooks, und Holm ahnte damals schon, daß der drei Jahre Jüngere „den Marschallstab der deutschen Literatur im Schultornister“ trug. Ohne diese authentische Nähe zu Thomas Mann wäre Korfiz Holm heute wohl ein völlig Unbekannter.

Korfiz Holm (eigentlich Diederich Heinrich Corfiz) wurde am 21. August 1872 in Riga geboren. Im Jahr zuvor hatten die Eltern in Moskau geheiratet, wo der Vater eine Fabrik leitete. Die unglückliche Ehe wurde bereits 1884 geschieden, und Mia Holm, wie sich die Mutter seither nannte, übersiedelte mit ihrem Sohn zunächst nach Lübeck. Von dort führte sie ihr gemeinsamer Weg über Berlin nach München, das Korfiz Holm seit seiner Ankunft im März 1895, von einigen kurzen Reisen abgesehen, nie mehr verlassen sollte. Dort setzte er ein in Berlin begonnenes Jurastudium fort, bevor er im Oktober 1896 als Volontär in den Verlag von Albert Langen in der Münchner Schackstraße eintrat. In Langens Verlag waren bereits die Mutterlieder von Mia Holm erschienen, und der Sohn eiferte ihr nach und debütierte 1898 mit der Novelle Schloß Übermut. Der darin angeschlagene heitere Ton und das Lustspielhafte der Handlung blieben für den Erzähler wie auch für den Bühnenautor Holm charakteristisch. Er avancierte zu einem viel und gern gelesenen Unterhaltungsschriftsteller, der sein Publikum auf humorvoll witzige Art unterhielt, insbesondere in seinen Liebes- und Ehegeschichten, so etwa in der Novellensammlung Messalliancen (1901) oder in den Komödien Hundstage (1911),Marys großes Herz (1913) und Das Mädchen aus der Fremde (1926). Beinahe alle Stoffe Holms spielen in seiner Wahlheimat München oder in der bayerischen Landschaft, einzig der Roman Thomas Kerhovenvon 1906 läßt seine Geburtsstadt Riga wieder lebendig werden. In seinen bereits zitierten Lebenserinnerungen zeichnet Holm ein getreues Bild Münchens der Jahrhundertwende. Darin gelingen ihm pointierte Charakterstudien von Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Peter Altenberg und Max Dauthenday, die zum Besten gehören, was über diese Autoren und ihre Stellung im Münchner Geistesleben geschrieben worden ist. Das Jahr 1898 wurde für den Langen Verlag und für Holm zum Schicksalsjahr. Der bei Langen erscheinende Simplicissimus hatte sich über die Palästinareise des deutschen Kaisers Wilhelm lustig gemacht, und Albert Langen mußte sich durch Flucht einem drohenden Prozeß wegen Majestätsbeleidigung entziehen. Holm vertrat von Stund an den Chef, und als Langen 1909 plötzlich starb, wurde Holm sein Nachfolger als Verlagsleiter. 1918 schließlich erwarb er den Verlag und leitete dessen Geschicke bis zum Ende des eigenen Lebens. Neben seiner Tätigkeit als Verleger und Schriftsteller ist Korfiz Holm auch als Übersetzer russischer Literatur hervorgetreten. Seine Übertragungen der Werke von Tschechow, Tolstoi, Gorki, Dostojewski und Gogol wurden zu einem der größten Erfolge des Langen Verlags. Als Korfiz Holm am 5. August 1942 starb, ging Hitler-Deutschland seinem Ende entgegen. Im Nach-kriegsdeutschland war kaum noch Platz für den heiteren Ton und die leicht servierten Lustspiele Holms.

Weitere Werke: Arbeit. (Dr.) 1899. – Die Tochter. (Ro) 2 Bde. 1911. – Herz ist Trumpf. (Ro) 1917. – Mehr Glück als Verstand. (Erz.) 1936. – Gesammelte Werke in Einzelausgaben. 1928.

Lit.: T. Klein: Korfiz Holm. In: Die Neue Literatur, Jg. 31/32. – W. Stapel: Korfiz Holm. In: Die Neue Literatur, Jg. 43/44. – E. Koch: Albert Langen – Ein Verleger in München. München, Wien o. J.

Bild: Süddeutscher Verlag München, Bilderdienst

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