Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Holtei, Karl (Eduard) von

Schriftsteller, Schauspieler, Theaterdirektor

* 1798, 24.01.
Breslau

† 1880, 12.02.
Breslau

Der berühmte schlesische Schauspieler, Schriftsteller und Vagant Karl von Holtei besuchte das Gymnasium in Breslau, bildete sich zunächst in Obernigk in der Landwirtschaft aus, wurde, für kurze Zeit, Soldat, und ging dann, nachdem er das Abitur nachgeholt hatte, als Student der Rechte nach Breslau, wo er sich jedoch bald der Schauspielkunst und dem Theater zuwandte und im Herbst 1816 auf dem Schloßtheater des Grafen Herberstein erstmals auftrat. Im Jahre 1819 wurde sein einaktiges Vorspiel „Die Farben“ in Breslau mit Erfolg aufgeführt. Holtei versuchte sich als reisender Rezitator, gab in Dresden ein (mißglücktes) Gastspiel und heiratete die Schauspielerin Louise Rogée. Er wurde Theaterdichter und Sekretär am Breslauer Theater, und dort zum „poeta laureatus“ gekrönt, doch kostete ihn ein von ihm verursachter Theaterskandal die Stellung. Eine Kunstreise führte das Ehepaar nach Prag, Wien, Brunn und Hamburg; in Berlin fand Louise Holtei eine Stellung am Hoftheater; durch seine Liederspiele und als Shakespeare-Vorleser gelangte auch Karl Holtei zu Ruhm und Ansehen. Nach dem Tode von Louise (1825) kehrte Holtei nach Schlesien zurück, heiratete 1830 die Schauspielerin Julie Holzbecher und übernahm nach einer Reihe von Gastspielreisen die Leitung des Deutschen Theaters in Riga (1837-1842), war anschließend Direktor des Breslauer Stadttheaters, lebte später in Trachenberg, auf Reisen und ging 1850 nach Graz, wo die meisten seiner kulturgeschichtlich wertvollen Romane entstanden sind. 1864 zog es ihn wieder nach Breslau, wo er in das Kloster der Barmherzigen Brüder eintrat. Seine Dramen, Singspiele und Possen sind vergessen. Seine erzählenden Schriften, die 40 Bände umfassen, erschienen 1861-1866; seine Schauspiele, 6 Bände, 1867. Zu seinen biographischen Schriften gehören die „Briefe von und nach Grafenort“, „Vierzig Jahre“, „Noch ein Jahr in Schlesien“. Zu seinem dichterischen Werk gehören vor allem auch seine volkstümlichen, mundartlichen „Schlesischen Gedichte“ (u. a. „Das Lied der Heimat“), die 1830 erschienen und noch heute lebendig sind.

Bibl.: Schles. Lebensbilder l (1922); Herbert Hupka: Große Deutsche aus Schlesien (1969).

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.