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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Huber, Adam

* 1920, 28.07.
Franzfeld/Banat

† 1962, 03.06.
St. Lorenzen/Steiermark

Huber ist der Sohn eines Franzfelder Getreidehändlers. Schon in seinen Kinderjahren übersiedelte die Familie nach Pant­scho­wa, wo er eine Lehre als Kaufmann absolvierte. Seine Jugendjahre verbrachte er in Belgrad. Nach dem Jugoslawienfeldzug war er Dolmetscher und Übersetzer in Crepaja, darauf Angehöriger der Prinz-Eugen-Division in Bosnien, nach dem Krieg drei Jahre lang in englischer Kriegsgefangenschaft, später verschlug es ihn als Arbeiter in die Magnesitwerke nach Trieben in der Steiermark. Dort heiratete er die Tochter des Besitzers eines kleinen Elektrizitätswerks. Er wurde mit 41 Jahren tödlich von einem Auto erfasst.

Huber schrieb Beiträge für die Salzburger Vertriebenenzeitung Neuland. 1955 erschien sein einziges Buch Halbmondschatten, ein Band mit Erzählungen, die sich thematisch mit seiner alten Heimat auseinandersetzen. Neben donauschwäbischen Dorftypen porträtiert der Autor mit viel Beobachtungsgabe auch Mitglieder anderer Minderheiten des Balkanlandes in ihrem Milieu. Die Leitung seines Betriebs hatte die Drucklegung des Bandes unterstützt, wohl in der Hoffnung, ein Nachwuchstalent aus der Taufe zu heben. Auch der Verfasser setzte große Hoffnungen in den Verkauf des Buches, die sich allerdings nicht erfüllten.

Eine spannungsreiche autobiographische Erzählung ist die im Neuland abgedruckte Serie Als die Pfeiler stürzten (1959). Thema ist die dramatische Flucht deutscher Kriegsgefangener durch Slowenien zur rettenden österreichischen Grenze. Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Südostarmee gehen jugoslawische Partisanen mit wollüstiger Mordgier auf Menschenjagd. Zahlreiche Kriegsgefangene – Reichsdeutsche einschließlich Österreichern, Donauschwaben und Kroaten – erwarten in Todesangst ein grausames Schicksal. Als Dolmetscher ist der Verfasser an der Rettung von 250 deutschen Soldaten und Landsleuten beteiligt, die schließlich durch die Fluchthilfe eines toleranten Serben und ein von den Engländern unterstütztes Täuschungsmanöver der Willkür ihrer Häscher entkommen. Landeskundig wirft der Ich-Erzähler interessante Schlaglichter auf die Mentalitäten der Balkanvölker. Seine donauschwäbischen Landsleute hält er für unaufgeklärt und unpolitisch, nur von Arbeit und wirtschaftlichem Aufstieg er­füllt, wesensfremd sei ihnen aber der Nationalsozialismus ge­blieben. Hass und Vernichtungswut gegen die Volksdeutschen Jugoslawiens wurzelten in Wahrheit nicht in ihrer Kriegsteilnahme, sondern in der Absicht, sich ihr Vermögen anzueignen, war Hubers dezidierte Ansicht.

Werke: Halbmondschatten, Donauschwäbische Verlagsgesellschaft m.b.H., Salzburg 1955, 111 S. – Als die Pfeiler stürzten, in: Neuland, Beginn 18.7.1959, S. 9 (23 Folgen).

Lit.: A. K. Gauss: Neue Bücher. Adam Huber: Halbmondschatten. Er­zäh­lungen, in: Neuland v. 17.12.1955, S. 6; Adam Huber, in: Die Er­in­nerung bleibt. Donauschwäbische Literatur seit 1945. Eine Anthologie, Band 3, H-J, hrsg. v. Stefan Teppert, Sersheim 2004, S. 653-672.

Bild: Archiv des Autors.

Stefan P. Teppert

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