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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Hülsen, Hans von

Schriftsteller, Journalist

* 1890, 05.04.
Warlubien/Westpr.

† 1968, 14.04.
Rom

Die Hülsens sind friesischer Uradel, 1243 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 16. Jahrhunderts wanderte ein Hülsen in Ostpreußen ein. Einer seiner Nachfahren (hauptsächlich Gutsbesitzer, Offiziere, aber auch Beamte, Kaufleute und Handwerker), verheiratet mit einer ehemaligen Hofdame der Königin Luise, begründete die westpreußische Linie der Familie. Einer seiner Ur-ur-Enkel war der überaus produktive und vielseitige Schriftsteller Hans von Hülsen (über 50 Buchveröffentlichungen).

Der Sohn eines ev. Pfarrers verlebte seine Kinderjahre in Warlubien und Deutsch Eylau,  kam 1903 nach Danzig, wohin der Vater als Pfarrer und Direktor  des Diakonissen-Mutterhauses berufen worden war, und legte dort 1910 sein Abitur ab. Bereits als Unterprimaner war er Mitarbeiter der Danziger Lokalpresse, schlug nach 7 Studiensemestern Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte (in München, Lausanne, Berlin und Breslau) die Journalisten- Laufbahn hauptberuflich ein. Im Ersten Weltkrieg hatte er die Möglichkeit, im nordfranzösichen Ardennenstädtchen Charleville-Mézières, wo er u. a. als Déchiffreur im Großen Hauptquartier Dienst tat, den bereits 1912 in Angriff genommenen, von Thomas Mann mit Anerkennung bedachten Platen-Roman „Den alten Göttern zu" (Berlin 1918) fertigzustellen. Dem großen Sohn Lübecks war Hülsen erstmals 1910 in München begegnet, woraus sich eine lange persönliche Beziehung ergab. Im selben Jahr begann auch die Freundschaft mit dem 1895 endgültig nach München übersiedelten Landsmann Max Halbe. 1920 schließlich bahnte sich die ein Vierteljahrhundert währende Freundschaft mit Gerhart Hauptmann an, dessen Gestalt und Werk wiederholt Gegenstand Hülsenscher Publikationen wurden, wie etwa „Gerhart Hauptmann. Siebzig Jahre seines Lebens" (Berlin 1932) oder „Freundschaft mit einem Genius. Erinnerungen an Gerhart Hauptmann" (München 1947) u. a. mehr.

Das Ende des Ersten Weltkrieges erlebte Hülsen als politischer Redakteur in der Auslandsabteilung von Wolffs Telegraphenbüro in Berlin, arbeitete anschließend als Berliner Korrespondent ausländischer (besonders schwedischer) Zeitungen. Diese Tätigkeit brachte Reisen durch fast ganz Europa mit sich und führte ihn mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten aus der Welt der großen Politik zusammen. Das Jahr 1933 setzte seinem journalistischen Wirken ein Ende, und er zog sich als „freier Schriftsteller" in die „innere Emigration" zurück. Seit 1938 lebte er in einem abgeschiedenen oberbayrischen Gebirgsflecken bei Kiefersfelden. Nach 1945 war er als Rundfunkmitarbeiter tätig, seit der Übersiedlung in seine Wahlheimat Italien (1951) als Korrespondent des NWDR bzw. des NDR in Rom. Hülsens Existenz als Journalist verlief von Anbeginn simultan mit der des Schriftstellers. Diese Zweigleisigkeit hat ihm immer wieder zu schaffen gemacht, wie seine kultur- und zeitgeschichtlich sehr informative Autobiographie ausweist: „Zwillings-Seele. Denkwürdigkeiten aus einem Leben zwischen Kunst und Politik" (2 Bde., München 1947). Sein erzählerisches Frühwerk ist thematisch an dem verehrten Vorbild Thomas Mann orientiert. Für den epischen Erstling, den einen lokal begrenzten Skandal auslösenden Schlüsselroman um die in Danzig beginnende steile Karriere des Staatssekretärs Clemens von Delbrück, haben „Buddenbrooks" Modell gestanden.

In den 1920er Jahren wandte sich Hülsen ostdeutschen Problemen zu, so in den Romanen „Fortuna von Danzig" (Berlin 1924) und „Güldenboden oder Erwirb es, um es zu besitzen" (Leipzig 1928). Nicht wenige Romane und Novellen spielen, manche nur zum Teil, in seiner Heimat Westpreußen, wie etwa „Der Kelch und die Brüder" (Leipzig 1925), „Peter Drosts drittes Leben", „Schmiede des Mannes" (beide Leipzig 1935) oder jene 20 die Erinnerung an die Kindheit in Deutsch Eylau beschwörenden Geschichten der Sammlung „Der Kinderschrank" (München 1946). Für den im Märkischen, zeitlich in den sogenannten ersten Gründerjahren angesiedelten Familienroman „Der Schatz im Acker" (Berlin 1929; Neuausgabe unter dem Titel „Die drei Papen", München 1943) erhielt Hülsen 1930 den Gerhart-Hauptmann-Preis. Zu seinem weiteren Schaffen gehören historische und biographische Romane, kulturhistorische Monographien sowie Übersetzungen aus der neueren italienischen Literatur u. a. m. – Der in Rom Gestorbene, der 1925-35 Präsident der Platen-Gesellschaft war, erhielt in der Ewigen Stadt ein Ehrengrab auf dem Friedhof der Nichtkatholiken.

Weitere Werke (Auswahl): Die seidende Fessel (5 Nov.), München 1912; Die Aufzeichnungen des Mörders Sigrist (Fall-Studie), München 1913; Brand im Land (Rom.), Berlin 1915 (= Buchausg. des Forts. Roms. „Oststurm" i. d. illustr. Ws. „Salon-Bl.", Dresden 1914); Versprengte Edelleute (8 Erz.), Berlin 1919; Christophorus oder der verschollene Liebesruf (Rom.), Berlin 1923; Nickel List. Die Chronik des Räubers, Leipzig 1925; Tage mit Gerhart Hauptmann, Dresden 1925; Camerlingk oder der Weg durch die Macht (Rom.), Leipzig 1926; Der Finkensteinsche Orden (Nov.), dto.; Gerhart Hauptmann (Biogr.), Leipzig 1927; Der Totenvogel. Geschichten aus vier Winden, Berlin 1929; Die Bucht von Sant‘Agata (Rom.), Leipzig 1932; Ein Haus der Dämonen (Rom.), Berlin 1932 (Neuausg. „August und Ottilie. Roman einer Ehe unter Goethes Dach", München 1941); Freikorps Droyst. Roman aus Preußens tiefster Erniedrigung, Berlin 1934; Die Kaiserin und ihr Großadmiral (Rom.), Leipzig 1936; Die Vogelhecke an der Brüderstraße. Roman aus dem Berliner Biedermeier, Berlin 1937 (Neuausg. „Liebe in der Brüderstraße", Berlin 1940); Torlonia. „Krösus von Rom" Die Geschichte zweier Geldfürsten (Biogr.), München 1940 (Neuausg. „Krösus von Rom. Geschichte einer Gelddynastie", München 1961); Die Wendeltreppe. Geschichten aus meinem Leben, Danzig 1941; Gerhart Hauptmann. Umriß seiner Gestalt, Wien/Leipzig 1942; Villa Paolina. Lebensgeschichte eines merkwürdigen Hauses, München 1943; Das Teppichbeet. Eine Bündel Geschichten, Danzig 1943; Die großen Irrlichter (Rom.), Berlin 1944; Gerichtstag, Sonette aus dieser Zeit, Hambg. 1947; Tragödie der Ritterorden (hist. Studien) München 1948; Rom. Führer durch die ewige Stadt, Ölten u. Freibg.i. Br. 1959 (91985) Römische Funde, Gött./Berlin, Frankfurt/M., Zürich 1959 (21966); Funde in der Magna Graecia, ebd. 1962; Zeus. Vater der Götter und Menschen, Mainz 1967.

Lit. und Quellen: W. Scheller, in: Ostdt. Monatshefte 7 (7. Jg.), Okt. 1926, S. 700 ff.;  K. Ude, in: NDB 9 (Berlin 1972), S. 737 f (mit Lit.-Ang.); K. Forstreuter, m: Alt-preuß. Biogr. III (Marburg/Lahn 1975), S. 961 (mit Lit.-Ang.).

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