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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Igelström, Otto Heinrich Graf von

Statthalter, Diplomat

* 1737, 07.05.
Livland

† 1823, 18.02.
Garsden/Litauen

Die Igelström sind ursprünglich ein schwedisches Geschlecht, das im 17. Jahrhundert nach Livland gelangte und sich vollkommen deutsch-baltischer kultureller Tradition anschloß. Im 18. Jahrhundert wurden sie Mitglieder der est- und livländischen Ritterschaft, hatten dort entsprechenden Landbesitz.

1739 wurde die Familie in den polnischen Freiherrenstand erhoben, und 1792 wurden sie Reichsgrafen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Die Familie Igelström hatte engste Beziehungen nach Polen, wo sie zumeist auch als Offiziere Dienst taten. Es mag daran gelegen haben, daß sie im Grenzbereich zu Polen ihre Besitze hatten. Otto Heinrich von Igelström trat als 19jähriger allerdings in russische militärische Dienste und wurde nach einer schnellen Karriere bereits im Jahre 1766 dem russischen Gesandten in Warschau, dem Fürsten Repnin, als militärischer Berater zugeteilt. Insofern wurde der polnischen Tradition der Familie Igelström hier Rechnung getragen. Doch bald, im Jahre 1769, wurde Igelström im Türkenkrieg tätig und war ein Protegee des Fürsten Potemkin und wurde von diesem sehr gefördert.

1776 bis 1784 wurde Igelström zum Kommandeur der Petersburger Division ernannt, die die wichtigste Division im gesamten Ostseeraum darstellte, sogleich auch zum Mitglied des Kriegskollegiums in Petersburg. 1784 wurde er schließlich Befehlshaber auf der wo er den seinerzeit bekannten Kahn Sagin-Girej gefangennahm.

Sehr typisch für die Zeit Katharinas II. war im übrigen, daß die hohen Verwaltungsbeamten zumeist Militärs waren. Auch die Diplomaten, vornehmlich in Polen, waren zur Zeit Katharinas zumeist Militärs. Igelström wurde 1784 auch noch Statthalter von Simbirsk und Ufa. Er blieb dies bis zum Jahre 1786, und während des erneuten Türkenkrieges brachte er es fertig, mit militärischen Mitteln dort Ruhe zu bewahren. Bei den unruhigen Zeiten war das für die Kaiserin äußerst wichtig. Igelström wurde schließlich Korpskommandeur in Finnland und 1792 Statthalter von Pleskau und Smolensk, 1893 auch von Kiew und Cernigov. In Jahre 1794 löste er schließlich den Deutsch-Balten Graf Jakob Johann von Sievers als Gesandter in Warschau ab. Katharina II. hoffte, daß Igelström härter in Polen durchgreifen würde als Sievers. Doch Igelström wurde von den Aufständischen überrascht und konnte nur geringe Truppen retten. Er fiel bei der Kaiserin in Úngnade und wurde aus Warschau abberufen, aber unter dem Zaren Paul noch einmal zum Kriegsgouverneur von Orenburg ernannt. 1798 ging er in Pension und hat noch 25 Jahre gelebt, bis er I823 auf seinem seinerzeit geschenkten Besitz Garsden in Litauen starb. Verheiratet war Igelström mit der Polin Honorata Stempkowska. Diese war zuvor mit dem Grafen Zaluska und dem Fürsten Lubomirskij verheiratet gewesen. Auch hier wird noch einmal der Grenzbereich dieses schwedischen Deutsch-Balten, in russischen Diensten stehenden, zum Polnischen neigenden Mannes deutlich. Unter rein nationalen Kriterien kann man diese Charakter des 18. Jahrhunderts nicht messen, das in vielem europäischer zu nennen ist als das 20. Der Livländer Otto Heinrich (Ossip Andreevič) Graf von Igelström gehörte zu jenen hohen Militärs, diezur Zeit Katharinas II. als Verwaltungsbeamte und Diplomaten die Zentralisierungspolitik der Zaren durchgesetzt haben. Sie dokumentieren darüber hinaus ein Stück internationaler östlicher Gegebenheit, deren kultureller Ausgangspunkt immer noch das Deutsche war.

Lit.: Ernst Hermann, Geschichte des Russischen Staates, Gotha 1866. Alfons Baron Heyking, aus Polens und Kurlands letzten Tage. Memoiren des Baron Heinrich Heyking, Berlin 1897. Hubertus Neuschäffer, Katharina II. und die baltischen Provinzen, Hannover 1975.

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