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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Johann Friedrich

Herzog von Pommern

* 1542, 27.08.
Wolgast/Pommern

† 1600, 09.02.
Wolgast

Pommern war geteilt, als Herzog Johann Friedrich nach dem Tod seines Vaters 1560 die Herrschaft Pommern-Wolgast antrat. Er war im Wolgaster Schloß zur Welt gekommen, ältester Sohn des Herzogs Philipp I. und dessen Gemahlin Maria aus sächsischem Herrscherhaus. Herzog Philipp hat viel Sorgfalt auf die Erziehung seiner acht noch lebenden Kinder verwandt, dabei bedeutende Männer wie Bugenhagen und Melanchthon zu Rate gezogen und die drei ältesten Söhne auf der 1456 gegründeten pommerschen Universität Greifswald studieren lassen. Schon 1556 war Johann Friedrich das Amt des ersten weltlichen Bischofs von Cammin zugefallen, das er bis 1574 führte und das nach ihm stets Mitglieder des Herzoghauses inne hatten.

Während sich aber seine Brüder mit dem eingesetzten Regierungsrat um die Verwaltung von Pommern-Wolgast bemühten, trat der junge Herzog in kaiserliche Dienste und wurde Fähnrich der Reichshoffahne gegen die Türken. Seine ständige Geldnot, (zumindest) mitbedingt durch die Notwendigkeit, am kaiserlichen Hof standesgemäß auftreten zu können, zwang ihn einmal sogar zu einer Anleihe beim Stettiner Bankhaus Loitz, den pommerschen Fuggern. In Wien erreicht er die kaiserliche Belehnung mit seinem Land und kehrte Ende 1566 in die Heimat zurück. Er übernahm wieder sein Camminer Stift und begann in Köslin den Bau eines stattlichen Schlosses. Als 1569 sein Großonkel Barnim IX. ohne männliche Erben auf die Herrschaft Pommern-Stettin verzichtete, übernahm Herzog Johann Friedrich, nun 27 Jahre alt, zunächst zusammen mit seinem Bruder Barnim, diesen Landesteil.

Auch die Stettiner bekamen bald das Anspruchsvolle des neuen Herrn zu spüren, zumal sein Bruder bald auf das Mitregieren verzichtete und sein Großonkel Barnim, 1573 verstorben, nicht mehr hemmend eingreifen konnte. Schon 1569 war Johann Friedrichs Vermählung mit der damals achtjährigen Erdmute, Tochter des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg, vereinbart und die umfangreichen Hochzeitsfeierlichkeiten geplant worden, für die dann Stettins Bürger aufkommen mußten. Der Herzog hatte sich in Wien an Maßstäbe gewöhnt, die er auf seine Hofhaltung übertragen wollte. So wurde der alte Herzogsitz durch teilweisen Abriß und Neubau zu einer Großbaustelle; selbst die Hochzeit mußte bis zum Februar 1577 verschoben werden, um das Ende aller Bauarbeiten abzuwarten. Noch heute tragen Teile des Schlosses den Renaissance-Stempel seines herzoglichen Bauwillens.

Vielfach waren auch die Bemühungen des Herzogs um die Verbesserung der äußeren Sicherheit des Landes, denn er hatte 1563 den abenteuerlichen Durchzug des Herzogs von Braunschweig mit seinen Söldnern nach Osten erlebt, dem Pommern nichts entgegenzusetzen hatte, da keine entsprechenden Vorkehrungen bestanden, die hätten wirksam werden können. Fast unbegreiflich war damals alles noch einigermaßen glimpflich verlaufen, doch die Angst der Menschen war geblieben. Solche Sicherheitsmaßnahmen kosten immer Geld, alle wehrten sich, die dafür zahlen sollten. Der Herzog kämpfte aber auch um eine ihm gemäße Hofhaltung, die Stettiner Bürger um ihre Freiheiten als Handels- und Hafenstadt an der schiffbaren Oder mit einem riesigen Hinterland, das sich über Warthe und Netze auch weit nach Osten erstreckte.

Ein langwieriger Handelskrieg mit Frankfurt/Oder um Rechte und Privilegien wurde Gegenstand eines Verfahrens vor dem Reichskammergericht, belastete alle daran Beteiligten und wurde erst lange nach des Herzogs Tod entschieden. Ein ganz schwerer Schlag aber traf das Land und den Herzog mit dem Zusammenbruch des großen Handels- und Bankhauses Loitz, durch den viele Bürgen – meist Grundbesitzer und alte Familien – schweren Schaden nahmen. Mit all diesen Schwierigkeiten – auch der friedliche Erbausgleich mit seinen Geschwistern sei erwähnt – mußte der stolze, ehrgeizige und kunstsinnige Herzog fertig werden, der im Volk wenig beliebt war, aber zu den bedeutenden Vertretern des Greifen-Geschlechts gehört, das schon 1637 erlöschen sollte.

Mitten in vielerlei, zum Teil noch schwebenden Auseinandersetzungen starb Herzog Johann Friedrich ohne eigene Nachkommen bei einem Besuch im Schloß Wolgast, seiner Geburtsstätte, im 58. Lebensjahr. Seine Witwe Erdmute überlebte ihn in Stolp um 23 Jahre. Beide ruhen in der Fürstengruft der Stettiner Schloßkirche, die Johann Friedrich hatte ausbauen lassen.

Lit.: Martin Wehrmann: Geschichte der Stadt Stettin, Stettin: Leon Sauniers Buchhandlung 1911. – Chronik der Stadt Stettin 1849, bearb. nach Urkunden und den bewährtesten historischen Nachrichten von Fr. Thiede Stettin: Vlg. von Ferdinand Müller 1849. – Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern, 2. Band, Gotha: Perthes 1921.

 Friedrich Birkholz 

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