Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Jordanus, Thomas

Arzt

* 1540
Klausenburg/Siebenbürgen

† 1585, 12.02.
Brünn

Thomas Jordanus wurde als Sohn des Johann Jordan in Klausenburg (heute Cluj-Napoca, Rumänien) geboren. Als Geburtsjahr wurde von seinen Biographen seit 1740 einstimmig das Jahr 1539 angegeben. Erst 1976 fand sich in einer Bibel seines Vaters eine Eintragung, die als Geburtsjahr 1540 angibt. Thomas Jordanus besuchte das Gymnasium in Klausenburg. Von 1555 bis 1565 studierte er, der damaligen Sitte entsprechend, an zahlreichen Universitäten (Peregrinatio academica). So inskribierte er am 23. November 1555 in Wittenberg, wo er Philosophie und Medizin studierte, danach in Paris, wo er zusätzlich auch Geschichte und Mathematik studierte und Vorlesungen bei den berühmten Professoren Ludovicus Duretus und Jacobus Goupylus besuchte (3,10). Am 1. Oktober 1561 schrieb er sich in Montpellier in die medizinische Fakultät ein, wurde hier ein Lieblingsschüler des Universitätskanzlers Guilelmus Rondelet und lernte die Begriffe der Pestabwehr bei dessen Nachfolger Laurentius Joubert. Jordanus wurde 1562 in der Hauptstadt der Provinz Dauphine, in Valence, zum Doktor der Medizin promoviert. Trotzdem besuchte er weitere Universitäten, so 1562 in Basel, wo er in die Behandlung der Syphilis eingeführt wurde. Im gleichen Jahr soll er auch in Zürich bei Konrad Gesner geweilt haben, der sein Interesse für Heilpflanzen und die Balneologie weckte. Am 23. Oktober 1562 inskribierte er an der Universität von Padua. Danach finden wir ihn in Pisa und endlich, im Februar 1564, in Bologna, wo er u.a. mathematische und philosophische Vorlesungen bei Girolamo Cardano hörte. An der Universität von Rom ist er 1565 nachweisbar, wo er bei Bartholomäus Eustachius anatomischen Unterricht genoss. Danach finden wir ihn an der Wiener Universität, wo sein Doktorat am 23. Januar 1566 bestätigt wurde. Kaiser Maximilian begann zu dieser Zeit mit den Vorbereitungen zu einem Feldzug gegen Sultan Soliman II. Thomas Jordanus wurde zum Feldarzt des kaiserlichen Heeres ernannt. Der Vormarsch der Türken begann im Frühjahr 1566, wurde aber durch die Überschwemmungen der Flüsse Donau, Sau und Dräu aufgehalten. Das etwa 60 000 Mann starke kaiserliche Heer sammelte sich im Lager von Komorn. Hier brach eine neue Seuche aus, die als Lues pannonica oder Morbus hungaricus bezeichnet wurde und die sich bald nach Böhmen, Österreich, Deutschland, Burgund, Belgien und Italien ausbreitete. Anfang August 1566 ging Jordanus ins Feld ab und beobachtete die Krankheit im Lager von Komorn und Raab. Wie er feststellte, handelte es sich bei der Krankheit um Flecktyphus.

Nach kurzem Aufenthalt in Prag und Karlsbad ließ sich Thomas Jordanus 1569 in Brunn nieder. Hier wurde er von den mährischen Ständen zum Protomedicus der Markgrafschaft Mähren ernannt. 1570 wurde er in den mährischen Adelsstand mit dem Prädikat „z Klauznburgku“ aufgenommen. Nach dem 13. Dezember 1577 brach in Brunn eine neue Seuche aus, befiel etwa 180 Personen aus der Stadt und den Vororten, sowie viele Ortsfremde; sie ging von einer Bad-Stube aus, wo die Besucher über skarifizierten Hautstellen geschröpft worden waren, wonach an diesen Stellen große Geschwüre entstanden. Jordanus stellte fest, daß es sich um eine extragenital übertragene Syphilis handelte, und die Epidemie erlosch, als die Badstube zu Ostern 1578 auf seinen Vorschlag geschlossen wurde.

Thomas Jordanus starb am 12. Februar 1585 und wurde in der Brünner Minoritenkirche beigesetzt.

Werke: als Neuausgabe: Job. Dubravii Olomucensis Episcopi Historia Boiemica a Cl. Viro Thoma Jordano Medico. Basel 1575. 2. Auflage Frankfurt 1687. De aquis medicatis Moraviae Commentariolus. Frankfurt 1575. 2. Auflage 1586. – Thomas Jordani medici Pestis phaenomena seu de iis, quae circa febrem pestilentem apparent Exercitatio. Accedit Bezoar lapidie Descriptio. Frankfurt 1576. – Brunno Gallicus seu Luis novae in Mora-via exortae Descriptio. Frankfurt 1577. Weitere Ausgaben 1580 und 1583. – Jordana z Klausenburgkie Knij o wodách hogitedlnych nep teplicech Morawskych.Brunn 1581. Es ist dies das erste Werk der tschechischen bal-neologischen Literatur. – Consilia medica. Frankfurt 1598. – Commentariolus de aquis medicatis in genere. Handschrift in der Universitätsbibliothek Olmütz.

Lit.: Paul Binder: Ein Buchdeckel erzählt. Karpaten Rundschau Nr. 44 vom 29. 10. 1976, S. 6. – V. Bologa: Contributii la istoria medicinii in R. P. R. Bucuresti 1955, S. 134. – Costin Fenesan: Ein Sachse als mährischer Äskulap. Karpaten Rundschau Nr. 32 vom 6. 8. 1976, S. 6. – Vilmos Fraknoi: Siebenbürger in Padua. Korrespondenzblatt des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde (1879), S. 74. . – G. Gellner: Thomas Jordans epidemiographische Werke über Lues pannonia und Morbus brunnogallicus. Medizinische Zeitschrift (Hermannstadt) 12 (1938), S. 37. – A. Hirsch: Jordan, Thomas, Allgemeine Deutsche Biographie, 14. Band, Leipzig 1881, S. 520. – Arnold Huttmann: Die Studierenden aus Siebenbürgen und Ungarn an der Universität Basel in den Jahren 1460-1600. Communicationes ex Bibliotheca Historiae Medicae Hungarica 13. (1959), S. 5. – Arnold Huttmann: Grundzüge einer Medizingeschichte Siebenbürgens. Naturgeschichtliche Forschungen über Siebenbürgen I. Siebenbürgisches Archiv, Band 14, Köln-Wien 1979, S. 130-132. – Christian Wilhelm Kestner: Medicinisches Gelehrten-Lexicon.Jena 1740. Reprint Hildesheim-New York 1971, S. 433. – Aurel D. Petrescu: In secolul al XVI-lea un clujean-medic de faima europeana.Magazin istoric (Bucuresti), Dezember 1976, S. 27. – E. W Rieppel: Leonhard Rauwolf, Deutsche medizin. Wochenschrift 80. (1955), S. 653. – losif Spielmann und Arnold Huttmann: Blätter aus der Medizingeschichte der Siebenbürger Sachsen. Die Waage 7 (1968), S. 6l. . – Josef Trausen: Schriftsteller Lexikon oder biographisch-literarische Denk-Blätter der Siebenbürger Deutschen. 2. Band, Kronstadt 1870, S. 237.

Abb.: Holzschnitt 1582 (Ausschnitt)

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.