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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Karl IV.

Römischer Kaiser, Römisch-deutscher König, König von Böhmem, Italien und Burgund

* 1316, 14.05.
Prag

† 1378, 29.11.
Prag

Karl IV. entstammte dem Geschlecht der Luxemburger. Sein Vater, Johann von Luxemburg, war 1311 bis 1346 König von Böhmen. Seine Mutter Elisabeth war die zweitälteste Tochter des böhmischen Königs Wenzel II. Premysl. Von 1313 bis 1320 erhielt Karl eine umfassende Erziehung, die dazu führte, dass er mehrere Sprachen fließend beherrschte: Deutsch, Französisch, Tschechisch, Latein und Italienisch. Von 1331 bis 1333 war er im Auftrage seines Vaters Johann von Luxemburg in Oberitalien. Dort wollte Johann einen Herrschaftskomplex der Luxemburger errichten. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand der norditalienischen Städte und des Königreiches Neapel. Daher kehrte Karl im Jahre 1333 nach Böhmen zurück und wurde 1334 mit der Markgrafschaft Mähren belehnt. König Johann erblindete im Jahre 1341. Am 8. Juni 1341 übertrug er seinem Sohn die Verwaltung des Königreiches Böhmen. Am 2. September 1347 – Johann war in der Schlacht von Crécy gefallen – wurde Karl IV. zum König von Böhmen gekrönt. Im gleichen Jahre unternahm er eine Huldigungsreise nach Bautzen, um sich von den Städten der Oberlausitz, die damals zu Böhmen gehörte, huldigen zu lassen.

Er hatte jedoch nicht die Absicht, seine politischen und militärischen Aktivitäten auf Böhmen zu beschränken, er strebte die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation an. Auch ein Wittelsbacher, Ludwig der Bayer, machte sich Hoffnungen auf die Kaiserkrone. Ludwig der Bayer musste allerdings mit einer starken Opposition unter den deutschen Kurfürsten rechnen, denn Papst Klemens VI. unterstützte die Kandidatur Karls IV. Damit hatte Karl die geistlichen Kurfürsten, die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, auf seiner Seite. Insbesondere mit Unterstützung des Erzbischofs Balduin von Trier wurde Karl IV. am 11. Juni 1346 in Rhens zum König gewählt und am 26. November im Bonner Münster zum Gegenkönig gekrönt. Karl IV. wünschte jedoch, das vollständige Ritual einer Königswahl einzuhalten. Niemand sollte seine Legitimation anzweifeln können. Am 17. Juni 1349 ließ er sich in Frankfurt am Main erneut zum römisch-deutschen König wählen. Am 25. Juli wurde er in der Pfalzkapelle in Aachen gekrönt. Er hatte einige Tage vor der alten Kaiserstadt warten müssen, die Stadt war von Geißlern besetzt. Diese religiöse Sekte glaubte, der in Europa ausgebrochenen Pest durch Selbstgeißelung als Buße für begangene Sünden begegnen zu können. Karl wartete mit der Krönung, bis die religiösen Sektierer und Fanatiker aus Aachen abgezogen waren.

Der Gegenkönig Karls IV., Ludwig der Bayer, war 1347 gestorben. Es gab danach einen weiteren Gegenkönig, Günther von Schwarzburg, der jedoch bereits im Mai 1349 auf seinen Titel verzichtete und kurze Zeit später verstarb.

In den ersten Jahren nach der Königskrönung festigte Karl IV. seine Herrschaft. 1354 unternahm er einen Feldzug nach Italien. 1355 ließ er sich in Mailand zum König der Lombardei krönen, im gleichen Jahre in Rom von einem von Papst Innozenz VI. ernannten Kardinal zum Kaiser. Danach beendete er seinen Italienfeldzug, einige italienische Städte und Provinzen waren ihm tributpflichtig geworden.

Auf dem Reichstag in Nürnberg im Jahre 1356 ließ Karl IV. die Goldene Bulle verkünden, das wohl vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit bedeutendste Dokument der deutschen und europäischen Verfassungsgeschichte. Sie regelte durch klare Aussagen mit Gesetzeskraft die Wahl des römisch-deutschen Königs. Die sieben Kurfürsten sollten die Wahl in Frankfurt am Main durchführen, die Krönung sollte am Grabe Karls des Großen in Aachen stattfinden. Der erste Reichstag danach sollte in Nürnberg durchgeführt werden. Der Einfluss der hohen Geistlichkeit wurde dadurch gesichert, dass drei der sieben Kurfürsten die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier waren. Nürnberg wurde zum Aufbewahrungsort der Reichsinsignien erklärt. Krone, Zepter, Reichsapfel, Schwert und Heilige Lanze wurden den Nürnberger Ratsherren zu treuen Händen übergeben.

Die Goldene Bulle behielt ihre Gültigkeit bis zum Erlöschen des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 durch die Napoleonischen Kriege. Sie überstand Reformation und Gegenreformation und den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648.

Manche Historiker sind der Ansicht, dass die Goldene Bulle die territoriale Zersplitterung Deutschlands zementiert habe, dass sie das Kaisertum käuflich gemacht und den Deutschen insgesamt dauerhaften Schaden zugefügt habe. Andere sehen hingegen in ihr eine Vorstufe zur heutigen föderalistischen Verfassung und eine gesamteuropäische, christlich-abendländi­sche Komponente. Da es für die beiden gegensätzlichen Ansichten jeweils plausible Argumente gibt, muss es dem Leser dieser Zeilen überlassen bleiben, wofür er sich entscheidet.

Eine Würdigung Kaiser Karls IV. wäre höchst unvollständig, würde man nicht auch auf seine Rolle als König von Böhmen eingehen. Seine Herrschaft hat den Status von Prag, heute Hauptstadt der Tschechischen Republik, maßgeblich beeinflusst. Bereits 1344 hatte er das Prager Bistum zum Erzbistum aufgewertet. 1348 gründete er die erste deutsche Universität, es war zugleich die erste mitteleuropäische Universität nördlich der Alpen. Prag wurde zu einem der geistigen und kulturellen Zentren Europas. Die Inschrift „Praga Caput Regni“ am Altstädter Rathaus deutet noch heute daraufhin, dass Prag zu jener Zeit Hauptstadt des Reiches war. Die kaiserliche Kanzlei unter Johann von Neumarkt pflegte die deutsche Sprache. Die böhmische Kanzleisprache wurde zur Grundlage des Neuhochdeutschen, der Sprache, in der sich erstmals alle Deutschen untereinander verständigen konnten.

Die Zeit Karls IV. war auch gekennzeichnet durch eine rege Bautätigkeit. Peter Parler erbaute den Prager Veitsdom, sein Bruder Heinrich Parler war an vielen sakralen und weltlichen Bauten in Nürnberg beteiligt. Die Errichtung der Burg Karlstein in der Nähe von Prag und die Gründung des Thermal- und Heilbades Karlsbad (Karlovy Vary) in Nordwestböhmen ist ebenfalls auf Karl IV. zurückzuführen.

1376 setzte Karl IV. seinen Sohn Wenzel als König von Böhmen ein. Im November 1378 starb der Kaiser, den die Tschechen heute als Vater des Vaterlandes bezeichnen. Er wurde elf Tage lang in der Prager Burg aufgebahrt, es gab einen feierlichen Trauerzug über die Karlsbrücke, an dem über 7.000 Menschen beteiligt waren.

Die Tschechen verehren ihn als einen guten und gerechten König von Böhmen. Die Sudetendeutschen verleihen einen nach ihm benannten Karlspreis, der die Verständigung zwischen den Deutschen und den Völkern Mittelosteuropas, insbesondere aber zwischen Deutschen und Tschechen, fördern und würdigen soll. Die Bayern schätzen seine Verdienste um die Oberpfalz, die zeitweise zum Königreich Böhmen gehörte und um die Freie Reichsstadt Nürnberg.

So kam es 2016 zu einer gemeinsamen Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg mit der Tschechischen Nationalgalerie und der Karls-Universität in Prag, die Leben und Leistung des Kaisers würdigt. Der Katalog dieser Ausstellung spiegelt die neuesten Forschungsergebnisse wider, enthält umfangreiche bibliographische Angaben und ist schon heute eine bibliophile Kostbarkeit.

Lit. (Auswahl): Karl Bosl/Viktor Aschenbrenner, Nürnberg – Böhmen – Prag. Vortrag vor dem Witikobund, geh. am 12. Mai 1964 in Nürnberg im Rahmen des Sudetendeutschen Tages, München 1964. – Ferdinand Seibt, Karl IV. Ein Kaiser in Europa, Frankfurt a.M. 2003 (Nachdruck der Ausgabe von 1978). – Heinz Thomas, Deutsche Geschichte des Spätmittelalters, Kohlhammer, Stuttgart 1983, besonders S. 212ff. – L. Peter Johnson/Gisela Vollmann-Profe/Joachim Heinzle (Hrsg.), Literatur im Umkreis des Prager Hofs der Luxemburger, Schweinfurter Kolloquium 1992, Berlin 1994. – Jörg K. Hoensch, Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437, Kohlhammer, Stuttgart 2000. – Martin Kintzinger, Karl IV., in: Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter (Hrsg.), Die deutschen Herrscher des Mittelalters, Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, S. 408–32 und S. 593f. – Marco Bogade, Kaiser Karl der IV. Ikonographie und Ikonologie, Stuttgart 2005. – Markéta Jarošová/Jiří Kuthan/Stefan Scholz (Hrsg.), Prag und die großen Kulturzentren Europas in der Zeit der Luxemburger (1310-1437). Internationale Konferenz aus Anlaß des 660. Jubiläums der Gründung der Karlsuniversität in Prag, 31. März – 5. April 2008, Praha 2008. – Ulrike Hohensee (Hrsg.), Die Goldene Bulle. Politik, Wahrnehmung, Rezeption. Monumenta Germaniae Historica (Deutsches Institut für Erforschung des Mittelalters), Berlin 2009. – Bernd Schneidmüller, Grenzerfahrung und monarchische Ordnung – Europa 1200-1500, München 2011. – Jiří Fajt/Markus Hörsch (Hrsg.), Kaiser Karl IV. 1316-2016, Ausstellungskatalog Erste Bayerisch-Tschechische Landesausstellung (Nationalgalerie Prag/Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), Prag 2016.

Bild: Plakat zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung 2016.

Johann Frömel, 2017

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