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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Heinz, Stefan (Hans Kehrer)

Lehrer, Schauspieler, Schriftsteller

* 1913, 23.02.
Kleinsanktpeter/Banat

† 2009, 18.12.
Berlin

Stefan Heinz (Hans Kehrer) entstammte einem bäuerlichen Elternhaus. Nach dem Besuch der Volksschule an seinem Heimatort, des Staatlichen Deutschen Realgymnasiums und der Lehrerbildungsanstalt in Temeschburg, unterrichtete er von 1932 bis 1941 an der Volksschule in Lenauheim und in Trautenau. Es folgten zwei Jahre Frontdienst im rumänischen Heer. Ende 1943 wurde Hans Kehrer als Fachreferent und Inspektor in das Schulamt der Deutschen Volksgruppe berufen. Bei der auf den Frontwechsel Rumäniens am 23. August 1944 alsbald einsetzenden Flucht der Deutschen aus dem Banat wurde Kehrer von der deutschen Volksgruppenführung mit organisatorischen Aufgaben betraut. Vergeblich versuchte er, sich mit den letzten Trecks selbst noch nach dem Westen durchzuschlagen.  Er wurde von den Ereignissen überrollt und gelangte auf geheimen Wegen in das Banat zurück. Erst drei Jahre später durfte er wieder in den Schuldienst zurückkehren. Von 1947-1953 war er Lehrer in Baratzhausen und Temeschburg. Wohl wegen der häufigen Verwechslung seines Vornamens Stefan mit dem Familiennamen Heinz, nannte er sich nach seiner ersten Veröffentlichung nach dem Kriege – in Anlehnung an den Großvaternamen mütterlicherseits – Hans Kehrer. Bei der am 1. Januar 1953 erfolgten Eröffnung der Temeswarer Deutschen Stadtbühne wechselte Kehrer zum Theater über und wurde Schauspieler. In ungezählten großen und kleineren, ernsten und heiteren Rollen half Hans Kehrer 20 Jahre hindurch, bis 1973, seinen Landsleuten deutsche Klassik, bedeutende Dramen der Weltliteratur und neben Übersetzungen aus dem Rumänischen auch Stücke einheimischer Bühnenautoren und damit gepflegte deutsche Sprache, deutsches Kulturbewußtsein und indirekt auch Volkstumsbewußtsein zu vermitteln. Auch die schon von ihm als Junglehrer bekundeten schriftstellerischen Fähigkeiten und Neigungen trugen jetzt ihre Früchte. Kehrer veröffentlichte Gedichte und Kinderbücher, schrieb zahlreiche Einakter für die Laienbühne sowie abendfüllende Stücke für das Berufstheater und wirkte auch damit im Dienste der Sprachpflege und Volkstumserhaltung. Seine Hauptwerke sind: „Versunkene Äcker“, Drama 1961 (51 Aufführungen); „Es geht um die Heirat“, Lustspiel in schwäbischer Mundart 1966 (152 Aufführungen); „Narrenbrot“, Drama 1974 (9 Aufführungen); „Meister Jakob und seine Kinder“, Dramatisierung des gleichnamigen Romans von Adam Müller-Guttenbrunn 1977 (84 Aufführungen). Mit „Zwei Schwestern – eine schwäbische Passion“ brachte Kehrer die Leidensgeschichte der Banater Schwaben auf die Bühne. Im Zwiegespräch zweier Schwestern, ehemaliger Bäuerinnen, deren eine ihren 60. Geburtstag feiert, rollt vor den Augen und Ohren der Zuschauer das Schicksal der Banater Schwaben vorüber: Angefangen vom Zweiten Weltkrieg, über die Rußland- und Baraganverschleppungen, die Enteignungen, die Diskriminierungen als Deutsche, die Einsamkeit alter Menschen, den Abzug immer mehr junger Leute in die Industriezentren bis hin zur Haltlosigkeit einzelner als Folge der ins Wanken geratenen überlieferten Weltordnung, wird, stellenweise geradezu verzweifelt, die unüberhörbare Anklage in den Zuschauerraum geschrien. Und das alles mußte durch die Zensur, bevor es auf die Bühne kam. Das Stück – in Banater Mundart – erlebte 43 Aufführungen und wurde erst abgesetzt, als der Verfasser im Westen geblieben war.

Als „Vetter Matz vun Hopsenitz“ wurde Hans Kehrer allen Deutschen im Banat ein Begriff durch seine über viele Jahre hinweg im deutschsprachigen Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlten Mundarterzählungen. Diese Anekdoten erschienen auch gesammelt in Buchform und werden gerne gelesen. Nebenher verwandelte sich die Temeswarer Deutsche Staatsbühne immer wieder zum Wandertheater und zog in die Provinz (auch nach Siebenbürgen), wo die Schauspieler die deutsche Sprache auch bei der Landbevölkerung pflegten. Wenn heute die Deutschen des Banates – trotz aller Widerwärtigkeiten der Zeitläufte – fast durchwegs noch ihre Muttersprache beherrschen und gebrauchen, so ist dies mit ein Verdienst Hans Kehrers.

Im Herbst 1980, anläßlich seines vierten Besuches bei seinem Sohn in Bielefeld, blieb Hans Kehrer in der Bundesrepublik Deutschland.

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