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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Kloeber, August von

Maler

* 1793, 21.08.
Breslau

† 1864, 31.12.
Berlin

Bekanntheit hat August Carl Friedrich v. Kloeber noch heute durch seine ausdrucksstarke, weit verbreitete Zeichnung von Ludwig van Beethoven (Beethovenhaus Bonn). Seine Haupt­werke, die er auf dem Gebiet der dekorativen Wandmalerei schuf, haben die Zeiten nicht überdauert.

Er kam bereits 1805/06 als Zögling der Berliner Kadettenanstalt nach Berlin. Seit 1808 studierte er das Baufach unter Christian Valentin Schulz an der Bres­lauer Kunst- und Bauschule, wo er Zeichenunter­richt bei Johann Heinrich Kö­nig erhielt. 1810 ging er zum Studium der Malerei an die Berliner Akademie. 1813/14 nahm er als freiwilliger Gardejäger an den Befreiungs­kriegen teil. Beim Friedensschluss kam er nach Paris, wo er noch ein Vierteljahr zu Studien­zwecken verblieb, sich be­son­ders mit Rubens und dem französischen Klassizis­mus beschäftigend. Er stu­dierte dann vier Jahre an er Wiener Akademie, ko­pierte Rubens und Correggio und machte sich als Porträtmaler einen Namen. Dazwischen reiste er nach Frankreich und England. Die genannte, oftmals reproduzierte Porträtzeichnung von Ludwig van Beethoven ist im Zusammenhang mit einem Beethoven-Porträt in Öl entstanden, das bedauer­licherweise verschollen ist, wie auch seine Porträts von Franz Grillparzer und Caroline Pichler. So manche Porträtkarikatur und Skizze zur Heiterkeit wird im Kreis der „Unsinn­gesellschaft“ in Wien entstanden sein, welcher Landsmann August Kopisch, Leopold Kupelwieser, Johann Nepomuk Hoechle und Franz Schubert angehörten, die 1817/18 die Zeitschrift Archiv des menschlichen Unsinns herausgab.

1818 holte ihn Karl Friedrich Schinkel nach Berlin, wo Kloeber im neu er­bau­ten Schauspielhaus Fries­bilder aus dem Apollomythos und allegorische Bilder malte. Seine Zeichnungen des Festzugs zum Hoffest Lalla Rookh erschienen als Buch (Wittich Bln.). Mit einer Unterstützung des Kultusmini­steriums ging er von 1821 bis 1828 nach Italien. Er hielt sich vorwiegend in Rom auf, wo er besonders mit Kopisch, Bona­ven­tura Genelli, Wilhelm Ahlborn, Josef Führich, Wilhelm Hensel und 1824 mit Schinkel verkehrte. Auch unter den Nazarenern fand er durch sein gewinnendes We­sen und sein Ansehen als Künstler Freunde, trotz völlig anderem künstlerischen Bestreben. 1823 betei­ligte sich Kloeber am Hochzeitsgeschenk der deutschen Künstler in Rom für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. Sein Gemälde Die Toilette der Venus erwarb der in Rom lebende Prinz Heinrich von Preußen. Die italienischen Jahre waren für seine stilistische Entwicklung be­deutungsvoll. Besonders die großen Meister der Spätrenaissance verliehen ihm wichtige Impulse.

1829 bewarb er sich um die Zeichenlehrerstelle an der Breslauer Kunstschule, jedoch wurde der wesentlich ältere „Goethe-Maler“ Josef Raabe vorgezogen, Kloeber wurde 1829 Mitglied der Berliner Akademie und 1830 Auswärtiges Mitglied des Breslauer Künstlervereins. 1834 erfolgte die Ernennung zum Pro­fessor. Seit 1833 ist er mit Entwurfszeichnungen für die Berliner Königliche Porzellan-Manufaktur nachzuweisen, auch für die Große Kratervase, ein Ge­schenk des preußischen Königs Frie­drich Wilhelm III. an König William IV. von England 1836. Sein künstlerisches Schaffen war von großer Vielseitigkeit: Entwürfe für Medaillen, Dekorationen, Schmuckarbeiten und für Webereien, wie z.B. Theatervorhänge. Meisterhaft, von höchster Plastizität sind seine Grisaillen von Büsten und Skulpturen. 1852 wurde er in den Senat der Akademie gewählt und 1854 Leiter der Kompo­nierklasse. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Wilhelm Gentz, Ernst Hildebrand, der Bres­lauer Albert Korneck, der Danziger Eugen Troschel und Anton von Werner.

Die Domäne seines Schaffens lag in der Wand- und Dekorationsmalerei – schwungvoll und ausdrucksstark, vorwiegend mythologische Themen ver­wendend. Leider ist dieser bedeutungsvolle Teil seines Schaffens durch die Zeitläufte der Vernichtung anheimgefallen, aber zahlreiche Skizzen aus dem Nachlass lassen seine großen Fähigkeiten auf diesem Gebiet erkennen. Auffallend ist die freundliche Ausstrahlung seiner Kunst, die ihn ge­radezu für Raumaufträge prädestinierte. Genannt seien Dekorationsmalereien aus der Zusam­menarbeit mit Schinkel und Carl F. Langhans d.J., wie die Fries- und Kassettenbilder im Schauspielhaus oder im Opernhaus (Kgl. Loge Decken­gemälde) und im Viktoriatheater (Zug des Apollo, Bacchus). Später Entstan­denes wird dem Neurokoko zugeordnet, eine Stilrichtung, welche nicht nur in der Architektur und bei Möbeln, sondern auch bei Gemälden noch bis ins 20. Jahrhundert hinein viru­lent war. Wandgemälde schuf er für die Kapelle im Ber­liner Schloss, das Kron­prinzenpalais (Allegorien der Künste), die Villa Von-der-Heydt (Die zwölf Monate, Die vier Jahreszeiten). Erhalten haben sich die Male­reien in der Villa Odilon Hamburg und im Marmor-Palais in Potsdam. Auch technisch interessant ist seine Lavamalerei, die er in Pompeij studiert hatte, und im Portal der Thesentür der Schlosskirche zu Wittenberg, durch die Ikonen der Alexander-Newski-Gedächt­niskirche in Potsdam und mit einem Christuskopf im Portal der Friedenskirche in Potsdam wiederbelebte. In späteren Jahren wandte er sich auch der Freiluftmalerei kleineren Formats zu, die ihn als eine frühen Impressio­ni­sten erkennen lassen (Segler auf dem Wannsee u. ä.).

Beziehungsreich wirkte er in der Berliner Künstlerschaft. Einige Zeit lebte der junge Menzel im selben Haus. Kloebers geselliges Wesen belegen zahlreichen Bildnisse von Malerfreunden, u.a. von Wilhelm Hensel und Franz Krüger, mit dem er zeitweise im selben Haus wohnte. Führich schrieb über ihn an seine El­tern: „Er ist ein komisches Haus, und wir haben immer viel über ihn lachen müssen. Er ißt und trinkt gern gut und ist dabei ein tüchtiger Künstler, beson­ders schön behandelt er mythologische Gegenstände, er braucht viel Geld und wenn er was macht, auch viel Zeit dazu.“ Seine Zeichnung zeigt ihn an einer feinen Tafel Artischocken essend. Bei Carl Blechen ist er der Grandseig­neur in schmunzelnder Nachdenklichkeit und bei Au­gust Hopfgarten fällt der wache Blick auf. Sein umgängliches Wesen spricht auch aus der von ihm geschaffe­nen Geselligkeitsgraphik für den „Berlinischen Künstlerverein“. Die joviale Art befähigte ihn zu fruchtbarer Zusam­menarbeit mit ande­ren Künstlern, trotz seiner universellen Gestaltungsfähigkeit und motivischen Individuali­tät, die mythologische Thematik, welche in das Schaffen der Berliner Kollegen sonst weniger Eingang fand.

Regelmäßig stellte er auf den Ausstellungen der Berliner Akademie aus. Zwi­schen 1835 und 1857 beteiligte er sich an den Ausstellungen des „Aus­stel­lungs­verbands östlich der Elbe“ in Breslau, Königsberg, Stettin und Danzig, bereits Ende der 1810er Jahre in Dresden und Breslau. Seine Gemälde waren beliebt und kamen in preußische Schlösser und bedeutende Sammlungen: Nationalgalerie Berlin, Mu­seen in Danzig und Breslau (Selbstbildnis), Sammlung Wagener, Sammlung Raczyinski u.a.

Sein Schaffen, das auch durch Reproduktionen Bekanntheit er­langte, ereilte das Schicksal der meisten Dekorationsmaler „in Vergessenheit zu geraten, weil die von ihnen ausgestalteten Räume und Gebäude verschwanden.“ (Wirth). So ist seine Kunst außer an einigen Staffeleibildern nur noch mit Zeichnungen, Entwürfen und Skizzen zu belegen. Trotz des Entstehens im Vorbereitenden und Gelegentlichen zeigen sich die Zeichnungen und Studien große Meisterschaft. Eine Sichtung des noch Vorhandenen wäre ein wünschenswertes Vorhaben, das vielleicht die Perlen eines Schuss Kloeberschen Champagners in der preußischen Kunst seiner Zeit erkennbar machen würde.

Lit.: Boetticher. – Thieme-Becker. – Großer Brockhaus 1908. – Allgemeines Künstlerlexikon usw., Bd. 80. – Rudolf Meyer-Bremen, Die Ausstellungskataloge des Königsberger Kunstvereins im 19. Jahr­hundert, Köln usw. 2005 (1835-57). – Kat. Hundert Jahre Berliner Kunst im Schaffen des Vereins Berliner Künstler 1929, Berlin 1929, S. 107. – Hans Geller, Die Bildnisse der deutschen Künstler in Rom 1800-1830, Berlin 1952, Nr. 216-218. – Ernst Scheyer, Schlesische Malerei der Biedermeierzeit, Frankfurt/M. 1965, S. 41, 126, 133. – E. Scheyer, Fürstenstein und Salzbrunn – Menschen Bauten. Zu August von Kloebers Skizzen aus dem Jahr 1837, in: Schlesien Jg. 1966 H. 2 S. 82-94 (6 Abb.) . – Katalog „…und abends in Verein“ Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler-Verein 1814-1840, Berlin-Museum 1983, Nr. 180-183, 246. – Schlesien in der Biedermeierzeit. Hrsg. E. Trux, Würzburg 1987, Kat. Museum Wertheim, Stiftung Kulturwerk Schlesien Würzburg, S. 120f. (1 Abb.) . – Helmut Börsch-Supan, Die Deutsche Malerei von Anton Graff bis Hans von Marées 1760-1870, München 1988, S. 78, 316. – Irmgard Wirth, Berliner Malerei im 19. Jahrhundert, Berlin 1990, 2 Abb., S. 258f. – Helmut Börsch-Supan, Künstlerwanderungen nach Berlin, München/Berlin 2001, S. 251. – Kat. Piotr Łukaszewicz, Malarstwo Niemieckie od Klasycyzmu do Symbolizmu (Deutsche Malerei vom Klassizismus zum Symbolismus), Muzeum Narodowe Wrocław 2012, S. 124ff. (2 Abb.).

Bild: Porträt von August Hopfgarten 1828, aus Hans Geller s.a.O.

Helmut Scheunchen

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