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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Klumbies, Heinrich

Maler, Graphiker

* 1905, 05.07.
Neutomischel/Posen

† 1994, 09.06.
Karlsruhe

Mit seinen Gemälden der unbegrenzten Flächen und aperspektivischen Räume nimmt Heinrich Klumbies einen besonderen Platz in der modernen deutschen Kunstgeschichte ein. Begonnen hat er mit figurativen Bildern und Landschaften, inspiriert von den Landstrichen Ostpreußens, der Heimat seiner Eltern, sowie seiner Studienorte und der Stätten seiner beruflichen Tätigkeiten, die quer durch Deutschland führten.

In Neutomischl, Provinz Posen, geboren, zog es ihn zunächst nach Südwestdeutschland, wo er in der Stuttgarter Akademie sein Kunststudium begann, es in Königsberg fortsetzte und es in Berlin mit dem Staatsexamen abschloß.

Sein Kriegseinsatz bei der Luftwaffe führte ihn über die Wolken in den weiten Himmel, und das Erlebnis der unbegrenzten Räume übertrug sich auf sein künstlerisches Schaffen. Seine erste Anstellung als Kunsterzieher und Leiter einer Theatergruppe erhielt er an der Karl-Marx-Schule in Berlin. Hier führte er mit seinen Schülern Grabbes „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ auf. Ferner Bert Brechts „Mann ist Mann“, zu dessen Proben der Autor wiederholt zugegen war, sowie die Brecht-Weil-Oper „Der Jasager“. Diese avantgardistische nach dem Schöpfer des wissenschaftlichen Sozialismus benannte Schule war den nationalsozialistischen Machthabern natürlich ein Dorn im Auge und wurde geschlossen. In den folgenden Jahren wurde Klumbies von Schule zu Schule versetzt, schikaniert und schied aus dem Schuldienst aus. Seinen spärlichen Lebensunterhalt verdiente er sich fortan als freier Maler und mit Berichten für die Presse. Neben den „abstrakten“ Kompositionen, in die der Maler geometrische Formen integrierte, entstanden realistische Gemälde, einen alten Stuhl oder einen unbenutzten Tisch in einem menschenleeren Raum darstellend, Symbolik der Einsamkeit und Verlassenheit.

Auch in Klumbies Alterswerk begegnet man keinen Menschendarstellungen mehr. Allerdings spielte der Mensch im Alltag als Pädagoge und Kollege eine wichtige Rolle, führte er doch als Lehrer an Schulen und als Professor an der Kunstakademie in Karlsruhe seine Studenten bis zu seiner Pensionierung (1971) an die Kunst heran. Er war Mitglied zahlreicher Künstlerverbände: Seccession München, Künstlerbund Baden-Württemberg, Deutscher Künstlerbund, Société Européenne de Culture sowie Künstlergilde Eßlingen, deren Erster Vorsitzender er war (1959-1964).

Lit. (Auswahl): Gustav Barthel, Deutsche Aquarelle der Gegenwart, Gütersloh 1957. – Wilhelm Gall, Malerei des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1979. – Heribert Losert, Profile der Zeit, München 1972. – Günther Ott, Künstlerprofile – Im Osten geboren – Im Westen Wurzeln geschlagen, hrsg. von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, Düsseldorf 1980. – Günther Wirth, Verbotene Kunst 1933-1945, Stuttgart 1987. – Günther Ott, Mit dem Blick in unbegrenzte Räume – Ein letzter Besuch bei Heinrich Klumbies, in: Jahrbuch Weichsel-Warthe, Wiesbaden 1995.

Bild: Privatarchiv des Autors.

Günther Ott

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