Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Kralik, Richard von

Schriftsteller

* 1852, 01.10.
Eleonorenheim/Böhmen

† 1934, 05.02.
Wien

Als der Kaiserliche Rat und Ritter des Franz-Josefs-Ordens, Dr. Hanns Maria Truxa, im Jahre 1906 die vierte und vermehrte Auflage seiner Würdigung Richard von Kraliks herausgab (die Schrift war vom „Verband der katholischen Schriftsteller und Schriftstellerinnen Österreichs“ im Jahre 1902 erstmals veröffentlicht worden), schrieb er: „Einer unserer hervorragendsten und vornehmsten vaterländischen Dichter und Schriftsteller … einer der besten und edelsten auf dem Gebiete des Geisteslebens (ist) Dr. Richard Kralik, Ritter von Mayerswaiden …“

Diese Anerkennung, die dem Dichter zu seinem 50. Geburtstag zuteil wurde, kennzeichnet eine der damaligen Richtungen auf dem Gebiete der Dichtung und Schriftstellerei.

Richard von Kralik wurde am 1.  Oktober 1852 in Eleonorenheim in Böhmen geboren. Eleonorenheim liegt an der oberen Moldau etwa zwischen Winterberg und Wallern. Kraliks Vater war Glashüttenunternehmer, die Mutter, eine geborene Lobmeyr, stammte aus Wien. Nachdem die Familie im Jahre 1856 nach Linz übergesiedelt war, besuchte Richard von Kralik dort die allgemeinbildenden Schulen. Nach der Matura am Gymnasium Linz ging er 1870 an die Universität Wien und studierte Jura. Während seiner Studienzeit wurden seine Lehrer auf ihn aufmerksam. Nachdem er zum Doktor promoviert war, beabsichtigten sie, ihn für die Annahme einer Professur zu gewinnen. Richard von Kralik, der wirtschaftlich völlig unabhängig war, zog es jedoch vor, keine Stellung anzunehmen, sondern als Privatmann seinen Neigungen – und das war die Dichtung und philosophische Schriftstellerei – nachzugehen. Seinen ständigen Aufenthalt nahm er in Wien, war aber häufig auf Reisen in Deutschland, Italien und Griechenland.

Richard von Kralik war Lyriker, Dramatiker, Philosoph, Kulturhistoriker und feinfühliger Ästhetiker und Erzähler. Schon während seiner Studienzeit setzte er sich mit weltanschaulichen Fragen auseinander. Seinen Aufsatz „Aus meinem Leben“ schloß er mit folgender Aussage ab:

„Eine längere Reise nach Rom war es, die mich dazu brachte, die religiöse Frage zur Hauptfrage meines Lebens zu machen und nicht eher abzulassen, als bis ich Schritt vor Schritt mit logischer Folgerichtigkeit mir die positive Wahrheit gegen alle Einwürfe und Hemmungen meiner Umgebung erkämpft habe. Ich kann daher wohl meinen Lebensgang als eine Apologie dieser Wahrheit betrachten, denn sie hat sich nicht durch gemütliche Gefühlseinflüsse, sondern im Gegenteil im harten Geisteskampfe gegen die übermächtig scheinenden Einflüsse der ganzen modernen Welt siegreich erwiesen … Und nur das, was ich an mir selber innerlichst erlebt habe, suchte ich dann in verschiedenen Schriften niederzulegen, die den Zweck haben, auf das Große, das Sieghafte des Katholizismus unmittelbar oder mittelbar hinzuweisen.“ Damit kennzeichnet sich Richard von Kralik als katholisch-religiöser Dichter und Schriftsteller. Das wird auch in seinem Werk deutlich. Viele seiner Gedichte haben religiösen Inhalt; so seine „Lieder im heiligen Geist“ aus dem Jahre 1895. Er schrieb Weihelieder und Festgedichte, Sprüche und Gesänge; eindrucksvoll ist das „Büchlein der Unweisheit“ (1879); die Gedichte „An meine Mutter“ und „Göttliches Schweigen“ sind Zeichen seines tiefschürfenden Denkens. Seine erste lyrische Veröffentlichung war die Gedichtsammlung „Roman“ (1878).

Als Dramatiker schuf Kralik Schauspiele wie „Maximilian“, Festspiele z. B. „Die Türken vor Wien“, das Osterfestspiel „Das Mysterium vom Leben und Leiden des Heilands“ nach volkstümlichen Überlieferungen. Großen Erfolg hatten das Heldenspiel „Rolands Tod“, das Märchenspiel „Rolands Knappen“, das Lustspiel „Kraka“ und die Götterkomödie „Der Dichtertrank“. In den Jahren 1882 bis 1903 schuf Kralik „Das deutsche Götter- und Heldenbuch“, ein sechsbändiges Werk. Einfluß gewann der Schriftsteller Kralik durch Schriften wie „Kunstbüchlein gerechten und gründlichen Gebrauchs aller Freunde der Dichtkunst“ (1884). Mit dem Werk „Weltweisheit“ unternahm er einen philosophischen Versuch in drei Bänden, deren Titel „Weltwissenschaft-Metaphysik“, „Weltgerechtigkeit-Ethik“ und „Weltschönheit-Ästhetik“ lauten. Richard von Kralik befaßte sich auch mit Fragen wie „Das Wesen und die weltgeschichtliche Bedeutung des Germanentums“ (1898), er betrieb „Kulturstudien“ (1900), forschte der altgriechischen Musik nach, schrieb über „Angelus Silesius und die christliche Mystik“ (1902) und setzte sich in der Schrift „Unsere deutschen Klassiker und der Katholizismus“ mit einem damals hochaktuellen Problemkreis auseinander. „Die Weltgeschichte nach Menschenaltern“ erschien 1903 als allgemeinhistorische Übersicht. „Kulturarbeiten“ kam 1904 an die Öffentlichkeit. In einem Zyklus heimatlicher Novellen, etwa hundert, behandelte Richard von Kralik Erscheinungen der österreichischen Geschichte von den ältesten Zeiten bis zur damaligen Gegenwart. Das Lebenswerk Richard von Kraliks ist ungemein umfassend. Es greift legendäre Themen, Mysterien, eindeutig religiöse Inhalte, geschichtliche Erscheinungen, wie z. B. „Prinz Eugen“, und auch gegenwartsnahe Fragen auf und leugnet selbst verhaltenen Humor nicht. l  Richard von Kralik starb am 4. Februar 1934 in Wien.

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.