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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Kudnig, Fritz

Schriftsteller, Heimatdichter

* 1888, 17.06.
Königsberg i.Pr.

† 1979, 07.03.
Heide/Schleswig-Holstein

Unter den ermutigenden und ermunternden Urteilen, die dem Lyriker Fritz Kudnig zuteil wurden, seien zwei hervorgehoben. Richard Dehmel bescheinigte ihm„nicht nur die sittliche, sondern auch die künstlerische Kraft“. Walter Jens schrieb ihm Jahrzehnte später: „Ihre Gedichtbände habe ich mit großem Interesse und wirklicher Anteilnahme gelesen, ich bin durchaus der Meinung, daß Verse, wie die Ihren, in unserer Zeit sehr wohl Daseinsberechtigung haben, gerade weil sie ein direktes Anliegen vortragen. Sie wollen heilen und helfen …“

Heilen und helfen wollte er vor allem, aus eigener Leiderfahrung und an der Zeit leidend, nach dem Verlust der ostpreußischen Heimat, die ihm Entscheidendes bedeutete und derer er bis ins hohe Alter hinein gedachte. Von seinen oft gefühlsbetonten Gedichten steht hier ein besonders intensives Beispiel:

Nidden

Mein schönstes Dorf im weiten Erdenrund!
Wie wenn ein Gott aus leuchtender Palette,
Berauscht von Farben bis zum Herzensgrund,
Dich wie im Traume hingezaubert hätte,
So liegst Du da; nun selbst ein Farbentraum;
Daß sich des Wandrers trunkne Augen feuchten,
Wenn er dich an des Waldes dunklem Saum
Aufglühen sieht im Morgensonnen-Leuchten.
Auch deine Hohe Düne, die in Licht
Und hellem Himmelsblau sich selig badet,
Ist wie ein wundersames Traumgesicht,
Das jeden Schauenden zutiefst begnadet.
Du schönstes Dorf im weiten Erdenrund,
Umkränzt von Dünenlicht und dunklen Bäumen,
Oft singt von dir, berauscht, mein Herz und Mund –
Und nachts noch muß ich manchmal von dir träumen.

Kudnig war bis 1925 Justizbeamter am Oberlandesgericht seiner Heimatstadt Königsberg, dann freier Schriftsteller. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg war er Mitarbeiter an einer Reihe führender, dabei sehr unterschiedlich strukturierter Zeitschriften geworden, von den „Ostdeutschen Monatsheften“ über „Reclams Universum“, „Westermanns Monatshefte“, „Velhagen und Klasings Monatshefte“ bis zur Münchner „Jugend“.

Bereits in den Titeln seiner Gedichtbände sind Lebensbekenntnisse ausgedrückt. „Das Lied der Kurischen Nehrung“ wurde von dem Maler und Königsberger Akademieprofessor Eduard Bischoff illustriert, Paul Graener hat es vertont. „Flucht und Einkehr /Die ostdeutsche Passion“ und „Gottes Lautenspiel“ heißen die späten Gedichtbände, Aussagen zu Zeit- und Heimatschicksal und Aussagen seiner Gottgläubigkeit, die mit Recht als die eines Mystikers gekennzeichnet wurde. Das hat seinen Niederschlag gefunden in seiner Studie über „Meister Eckehart – gestern – heute – morgen. Eine Deutung aus mystischer Sicht“.

Daneben gibt es eine Reihe von Prosageschichten, vor allem den Band„Herz in der Heimat“, und – der verschmitzte Humor war ein Charakteristikum seines sonst sehr ernsten Gemüts – die von ihm herausgegebene Sammlung ost- und westpreußischer Schmunzelgeschichten „Heitere Stremel von Weichsel und Memel“. Kudnigs Frau, eine Dithmarscher Bauerntochter, begleitete seit 1920, gesinnungsverwandt, selbst schreibend, oft auf gemeinsamen Lesereisen, sein Leben. Sie wurde auch eine getreue Mentorin seines Werks, das u.a. 1959 durch die Verleihung der ersten Agnes-Miegel-Plakette, die die Dichterin selbst überreichte, 1964 mit dem Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet wurde.

Als unerbittlicher Moralist hat sich Kudnig durch die Systeme erwiesen, von der späten Kaiserzeit über die Abstimmungskämpfe, die Reglementierung der in Deutschland gebliebenen Schriftsteller unter dem Nationalsozialismus bis zu seiner Stellungnahme gegen die Ost-Denkschrift der EKD.

Lit.: Durch Leid und Licht, G. 22; Das Lied der Kurischen Nehrung, G. 24; Das Wunder am Meer, G. 24, 59; Land der tausend Seen, G. 35, 56; Gottes Lautenspiel, G. 52; Seliges Gotteslied. Ein Ruf in die Zeit, 56; Herz in der Heimat, Erzn. 56; Flucht u. Einkehr. Die ostdt. Passion, 58; Wenn die Heide blüht, G. 63; Land meiner Liebe, G. 63; Fahrt in die Sonne, Erz. 65; Meister Eckehart – gestern – heute und morgen. Eine Deutung aus mystischer Sicht, 68; Mensch zwischen Himmel und Erde, G. 76.

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