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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Laakmann, Heinrich

Historiker

* 1892, 11.01.
Rause/Rauza

† 1955, 16.12.
Marburg/Lahn

Heinrich Laakmann ist in einem kleinen Ort in Livland geboren, einer der „Ostseeprovinzen“ des Zarenreiches, deren Gebiet später teils an Estland, teils an Lettland (so auch Rause) fiel. Seine Heimatstadt wurde aber das estländische Pernau/Pärnu, wo sein Vater eine Druckerei besaß. Nach dem dortigen Schulbesuch nahm der künftige Forscher 1910 das Studium der Geschichte in Dorpat/Tartu auf, das er infolge der besonderen Bedingungen des Ersten Weltkrieges erst 1918 beendete. Danach trat er in das Baltenregiment ein, das als Truppe der Deutschen aus Estland am Freiheitskampf gegen die Bolschewisten mitwirkte.

Anschließend war Laakmann als Gymnasiallehrer in Pernau und Dorpat tätig, in letzterem zugleich auch als Zeitungsredakteur. In diese Zeit gehört das Erscheinen seiner „Geschichte Liv-, Est- und Kurlands, der jetzigen Republiken Eesti und Latwija“ (Reval 1924), bei der es sich primär um ein Lehrbuch für deutsche Schulen in Estland handelte, die aber als zuverlässige Darstellung im Sinne des traditionellen deutschbaltischen Geschichtsbildes auch darüber hinaus Leser fand.

Nachdem Laakmann in den 1930er Jahren als Privatgelehrter in Pernau gelebt hatte und dann Mitarbeiter des deutschen „Instituts für wissenschaftliche Heimatforschung“ in Dorpat geworden war, nahm er nach dem Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes, der die Baltischen Länder den Sowjets überließ, im Herbst 1939 an der Umsiedlung der Deutschbalten teil, die ihn wie viele andere zunächst nach Posen führte. In der Folgezeit war Laakmann in Berlin und Bautzen tätig, und zwar als Referent und Bibliothekar an der „Publikationsstelle“, die 1932 beim Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem zwecks Erarbeitung und Verbreitung von Kenntnissen über Ostmitteleuropa geschaffen worden war. Nach dem Kriege lebte er in Soltau und Bad Hersfeld, ohne noch eine feste Anstellung finden zu können.

Die Forschungstätigkeit Laakmanns bezog sich vor allem auf die Stadt Pernau und auf Probleme des alten Livland, zugleich war er ein guter Kenner der Geschichte des Baltikums in ihrem Gesamtverlauf. Was seine Heimatstadt betrifft, veröffentlichte er zahlreiche Beiträge in den Sitzungsberichten der Altertumsforschenden Gesellschaft zu Pernau, deren Präses Laakmann von 1930 bis 1939 war. Zu diesen Publikationen gehören eine Ratslinie der einstigen Hansestadt und ein Bürgerbuch. Ihren bedeutenden Abschluß erhielt Laakmanns Arbeit auf diesem Gebiet mit der „Geschichte der Stadt Pernau in der Deutsch-Ordenszeit“, einer Monographie, die posthum im Jahre 1956 erschien.

Als Mediävist hatte sich Laakmann schon zuvor durch quellenkritische Untersuchungen u. a. zur estnischen und lettischen Siedlung, zu den vordeutschen Fürstentümern an der Düna und zu den Anfängen der deutschen Herrschaft in Livland einen Namen gemacht. Seine umfangreichen Aufsätze „Zur Geschichte Heinrichs von Lettland und seiner Zeit“ (1933) und „Estland und Lettland in frühgeschichtlicher Zeit“ (1939) werden in einschlägigen wissenschaftlichen Arbeiten bis heute sehr oft zitiert. Als besonders originell seien außerdem zwei weitere Arbeiten hervorgehoben: ein fein differenzierender adels- und gütergeschichtlicher Beitrag über den älteren Großgrundbesitz im Erzstift Riga (1936) und ein kulturgeschichtlich interessanter Aufsatz über „Altlivländische Rufnamen“ und den Wandel in ihrer Verbreitung (1954/55). Unbedingt erwähnt werden muß ferner eine in ihrem Anspruch einmalige Folge von historischen Karten mit Erläuterungen, die 1954 unter dem Titel „Die Baltischen Lande“ erschien und seitdem vielfach benutzt wird.

Was die neuere Zeit betrifft, hat Laakmann nicht nur seine historische Gesamtdarstellung und sein Kartenwerk bis ins 20. Jahrhundert geführt, sondern u. a. auch Treffendes über die Bedeutung der Universität Dorpat gesagt und eine illusionslose Analyse der Lage des bedrohten Deutschtums in den Republiken Estland und Lettland geboten.

Vor allem war er aber Mediävist. Zwar tritt sein Werk hinter demjenigen seiner Zeitgenossen Leonid Arbusow und Paul Johansen zurück (vgl. zu diesen OGT 2001/2002, S. 40-42 und 1990, S. 75-77), doch trug auch Laakmann wesentlich zur Fortsetzung der großen deutschbaltischen Tradition auf dem Gebiet der Mittelalterforschung bei, und seine quellenorientierten, sorgfältigen Arbeiten wurden und werden in der Fachwelt hoch geschätzt.

Lit.: Wilhelm Lenz (Hrsg.), Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710-1960, Köln/Wien 1970, S. 497. – Albert Bauer, Heinrich Laakmann, in: Zeitschrift für Ostforschung 39 (1990), S. 423-425. – Bibliographie Heinrich Laakmann, bearb. von Peter Wörster, ebenda, S. 426-431. – Klaus Neitmann: Der Nachlaß Heinrich Laakmann, ebenda, S. 418-422. – Georg von Rauch (Hrsg.), Geschichte der deutschbaltischen Geschichtsschreibung, Köln/Wien 1986.

Norbert Angermann 

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