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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Lambing, Hans-Alois

Schriftsteller, Dichter

* 1922, 26.02.
Warjasch/Banat

† 2000, 14.07.
Guntersblum

Hans-Alois Lambing verlebte in seinem banatschwäbischen Geburtsort eine glückliche Kinder- und Jugendzeit. Nach der Volksschule absolvierte er noch drei Klassen des Gymnasiums, bevor er den mittelgroßen Bauernhof seines erkrankten Vaters übernehmen musste. Sein Mentor wurde der Warjascher Dorfpfarrer, der ihm seine gut assortierte Bibliothek zur Verfügung stellte. In dieser Zeit legte Lambing die Grundlagen seiner Bildung. Er beschäftigte sich intensiv mit dem Geistesgut der klassischen Kulturepochen, las Kant und Schopenhauer, Goethe, Schiller und Hölderlin. Während des Krieges diente er in der deutschen Armee. Aus russischer Gefangenschaft kehrte er 1948 zurück und erlernte den Beruf des Zimmermalers. Im Frühjahr 1951 wurde Lambing mit seinen Eltern und seiner Schwester in die Baragan-Steppe verbannt, wo sie unter extremen Bedingungen in selbst gegrabenen Erdlöchern leben mussten. Erst fünf Jahre später, als Rumänien der UNO beitrat, endete diese Kollektivhaft. Lambing malte in den Folgejahren viel und nahm an zwei Kunstausstellungen teil, erhielt auch einen Preis dafür. 1978 wurde ihm nach nur sechs Wochen Wartezeit sein Pass zur Ausreise in die Bundesrepublik ausgestellt. Er arbeitete als Tüncher und Anstreicher.

Gemalt und gedichtet hatte Lambing schon in seiner Schülerzeit. Das Wort wurde ihm aber zum zentralen Ausdrucksmittel. Im Jahre 1945 ließ er beim Herausgeber des Sonntagsblattes ein Heftchen Gedichte drucken mit dem Titel Der Ruf in die Wüste. Gedichte eines Frontkämpfers. In Deutschland gab er 1980 den Gedichtband Höher hinauf heraus. Vertreten ist er in der Anthologie 81, Basel. Es sind meist äußere Anlässe, die ein Innehalten und In-sich-Gehen des Dichters bewirken. Daraus sind stille Gedichte erwachsen, die eine breite Themenpalette umfassen: sie handeln von der Dualität zwischen Leben und Traum, von der tötenden Kraft des Nihilismus und der verlebendigenden des Gottesglaubens, von den Schrecken des Krieges, den beseligenden Mächten der Liebe und der Natur. Ein Widerkehrendes Leitmotiv ist jedoch die Sehnsucht der Seele nach dem Reich der Vollkommenheit angesichts der Unzulänglichkeit unseres irdischen Daseins. Im Kampf gegen das Wesenlose ist es die Selbstüberwindung, die nicht nur freie Naturen, sondern auch die Kunst erschafft.

Es folgte 1986 der erste Teil des historischen Romans Germanikus, in dem der Autor den Leser in die Zeit des makedonischen Königs Philipp und seines Sohnes und Nachfolgers Alexander versetzt. Geschildert wird die Jugend des Germanikus, Enkel eines suevischen Gaugrafen, den es nach Athen verschlagen hat, wo er zusammen mit seinem Freund Kareios als hervorragender Streiter dient. Mit seinem Sieg über die Griechen übernimmt der makedonische König Philipp die Herrschaft über Griechenland. Der zweite Band des Romans, der unveröffentlicht blieb, wird damit eingeleitet, dass der mittlerweile gealterte Germanikus König Philipp die Dienste seines Sohnes Germanikus und des Kareios Sohn Athos anbietet. Nach der Ermordung Philipps wird Germanikus der treueste Feldherr Alexanders, der als Alexander der Große in die Geschichte einging. Der lebenslängliche Herzenswunsch des Titelhelden bleibt es, die verlorene Freiheit und Unabhängigkeit für Griechenland wieder herzustellen.

In dem Schauspiel Luzifer geht es um den Antagonismus zwischen Moral, Dogma und Glauben auf der einen Seite, verkörpert vom Schuldirektor, um kritisches Hinterfragen und wissenschaftliche Skepsis auf der anderen Seite, verkörpert von dem Schüler Karl, der auch Luzifer heißt. Die mythologische Figur des Lichtbringers Luzifer, der sich gegen den ausdrücklichen Befehl des ranghöchsten Wesens für die Freiheit des Menschen einsetzt, wird in ihrer Ambivalenz dargestellt.

Auch die Tragödie in fünf Aufzügen Don Juan und Faust entdeckt neue Beziehungsebenen, indem sie die Hauptfiguren – zwei konträre Charaktere – miteinander konfrontiert, auf der einen Seite den lebenslustigen und erdverhafteten Don Juan,dem Frauenliebe das Nonplusultra ist, auf der anderen den um höhere Werte, um Erkenntnis ringenden Faust. Der Versuchbarkeit des Menschen hat sich Mephisto hingebungsvoll angenommen. Er heizt nicht nur Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, Geldgier und Karrieresucht an, sondern bläst seinen Kitzel auch in das Labyrinth von neuen Thesen und Lehren. Doch kann der alte Intrigant nur alberne Menschen ködern, die sich im Weltgenuss treiben lassen, nicht aber reine Naturkinder und wirklich Gebildete. Bei ihnen siegen letztlich Tugend und wahre Liebe.

Friedrich Nietzsche, eine philosophische Tragödie in einem Aufzug – wie die beiden vorgenannten Schauspiele 1988 erschienen – rollt das Leben des großen deutschen Philosophen und Dichters von seinen Jugendjahren an auf, als er mit fünfzehn Jahren den Vater durch die Auswirkungen einer Gehirnkrankheit verliert, bis zu seinen letzten Lebensjahren, in denen auch ihn das Schicksal des Vaters ereilt und er geistiger Umnachtung anheimfällt. In den feingeschliffenen Dialogen dieser Tragödie geht es also nicht explizit um das Werk Nietzsches, sondern um den Menschen und die ihn auf seinem Lebensweg über längere oder kürzere Zeit begleitenden Angehörigen und Freunde, die ihn in seiner antireligiösen Philosophie teils bestätigen, teils aus der Sicht ihres Glaubens Widerspruch erheben und ihm in seiner Krankheit zu helfen suchen.

Neben dem zweiten Teil des Romans Germanikos sind einige weitere Werke Lambings unveröffentlicht geblieben und auch dem Verfasser dieses Artikels nicht zugänglich geworden. Es existiert ein Roman mit dem Titel Caesar, Augustus und Nero; das Schauspiel Der Grenzstein im Herzen dreht sich um Aussiedlerprobleme; Napoleon ist ein Schauspiel um den gestürzten Imperator auf den Inseln Elba und Sankt Helena, ein in der Literatur wohl erstmalig eingehend behandelter Aspekt; ein drittes Schauspiel heißt Der Pfarrer von Oratow und handelt von einem tragischen Priesterschicksal in der UdSSR; schließlich hat Lambing noch zwei philosophische Abhandlungen verfasst, die eine über Götter, Helden und Priester; die andere trägt den Titel Der Geist der Theologie und die Logik des Materialismus.

Alle Werke des – wie er sich selbst verstand – „Vollblutdichters“, der stets bestrebt war, zum klassischen Dichter zu werden, zeichnet ein hoher ethischer Anspruch und eine zutiefst christliche Grundhaltung aus, angereichert freilich mit profunder humanistischer Bildung und der Auseinandersetzung mit zeitlosen metaphysischen Fragestellungen, die bis in konkrete Probleme der Gegenwart hinein ausgefochten werden.

Die einzige Auszeichnung erhielt Lambing für seine Lyrik in dem Band Höher hinauf von der Arbeitsgemeinschaft für Werbung, Markt- und Meinungsforschung in der Schweiz, den „Lyrikpreis 83“, der in Brügge verliehen wurde. Hans-Alois Lambing starb in seinem langjährigen Wohnort Guntersblum, Landkreis Mainz-Bingen.

Werke: Der Ruf in die Wüste. Gedichte eines Frontkämpfers, 1945. – Die Sklavenhalter des 20. Jahrhunderts [politische Skizze], Hutters Verlag. – Höher hinauf. Gedichte, Selbstverlag, Aschaffenburg 1980, 64 S. – Germanikus. Ein historischer Roman, Verlag Schwarz GmbH, Baden-Baden 1986, 471 S. – Luzifer. Schauspiel, Verlag Schwarz GmbH, Baden-Baden 1988, 80 S. – Friedrich Nietzsche. Eine philosophische Tragödie, Verlag Schwarz GmbH, Baden-Baden 1988, 96 S. – Don Juan und Faust. Schauspiel, Verlag Schwarz GmbH, Baden-Baden 1988, 86 S.

Lit.: Hans Lambing (Kurzvita), in: Banatica. Beiträge zur deutschen Kultur 1984/4, S. 79 f. – Liane Strauß, Begegnung mit dem Banater Dichter Hans-Alois Lambing, in: Banater Post v. 5.8.1988, S. 8.

Stefan Teppert

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