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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Laube, Heinrich

Schriftsteller, Theaterleiter

* 1806, 18.09.
Sprottau/Schlesien

† 1884, 01.08.
Wien

Politische, religiöse und soziale Freiheit waren das Ziel jener Schriftsteller, Publizisten und Journalisten, die um 1830 mit ihren politischen Ideen als „Junges Deutschland“ besonders in Zeitschriften auftraten. Neben Heinrich Heine und Ludwig Borne (eigentlich Lob Baruch), neben Karl Gutzkow und Theodor Mundt gehörte der Schlesier Heinrich Laube zu den führenden Köpfen dieser Bewegung. Seine kritische Natur hatte ihn in diesen Kreis geführt, aus dem er auch den Antrieb zu seiner bedeutenden zeitkritischen Romantriologie „Das junge Europa“ bekam, dessen erster Teil unter dem Titel „Die Poeten“ (1833) von der Literaturgeschichte als „Schlüsselroman“ in die Nähe von Gustav Freytags „Soll und Haben“ gerückt wird. Die weiteren Teile tragen die Titel „Die Krieger“ (1834/37) und „Die Bürger“ (1837). Heinrich Laube wurde am 18. September 1806, dem Jahr der preußischen Niederlage in der Doppelschlacht von Jena und Auerstädt, als Sohn eines Maurermeisters in der kleinen niederschlesischen Stadt Sprottau am Bober geboren, aus der auch der um sechs Jahre ältere Robert Heinrich Göppert, der Begründer der Paläontologie und Professor der Medizin und Botanik an der Universität Breslau, stammte (1800-1884). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Oberglogau beginnt Laube ein Theologiestudium in Halle, muß die Universität dort aber bald wieder verlassen, da er „burschenschaftlicher Umtriebe verdächtig“ ist. Er setzt sein Studium in Breslau fort, schreibt dort nebenbei seine ersten Theaterkritiken (1829), wird Redakteur der literarischen Zeitschrift „Aurora“ und beendet seine Studien schließlich mit der theologischen Examensarbeit „Über die Erbsünde“. Aus theologischer Sicht entsteht hier 1830 auch sein erstes Schauspiel „Gustaf Adolf“.

Die Pariser Märzrevolution und der Aufstand in Polen im Jahre 1830 sind dann der Anlaß für ein unruhiges Wanderleben, das ihn nach Mittel- und Norddeutschland, nach Tirol und Oberitalien, schließlich nach Wien und Prag führt. Seine liberale Publizistik, der er sich nun verschreibt, bringt ihm zunächst eine Untersuchungshaft im Staatsgefängnis der Berliner Hausvogtei und dann 1838 eine Festungshaft ein, die er aber auf dem Gnadenwege in der Residenz seines Freundes, des Grafen Pückler, in Muskau verbringen darf. Hier schreibt er seine „Geschichte der deutschen Literatur“, die als bedeutende Literaturkritik jener Zeit gelten darf. Dann ist er wieder unterwegs im Rheinland, in den Niederlanden und Belgien, in Frankreich und Spanien, schließlich in Nordafrika, um sich endlich in Leipzig mit seiner Frau, der Witwe eines Leipziger Professors, niederzulassen.

Nun entfaltet Laube eine reiche literarische Tätigkeit, die ihr wohl wichtigstes Zeugnis 1846 in dem literarischen Schauspiel „Die Karlsschüler“ findet, das er zwei Jahre später, im Revolutionsjahr 1848, in Wien, wo er nach seiner Abwendung von Preußen eine neue Heimat zu finden hofft, inszeniert. Er wird 1849 Direktor des von ihm inzwischen reformierten Burgtheaters, wo er 1856 die Tragödie „Graf Essex“ herausbringt, die als sein bestes Bühnenwerk gilt. Im folgenden Jahrzehnt entsteht hier seine neunbändige Romantrilogie „Der Deutsche Krieg“ (1866), eine Handlungshistorie aus dem Dreißigjährigen Krieg, die ihren literaturgeschichtlichen Platz unmittelbar neben Gustav Freytags kulturhistorischem Roman „Die Ahnen“ (1872/81) hat.

Im Jahre 1867 muß Laube als Opfer von Intrigen aus dem Burgtheater ausscheiden, geht wieder nach Leipzig, um dort 1869 die Direktion des Stadttheaters zu übernehmen, kehrt aber 1872 wieder nach Wien zurück und wird dort Direktor des Wiener Stadttheaters, das er mit seinem „Demetrius“, der Vollendung des Schillerschen Trauerspiels, eröffnet. Aber schon acht Jahre später entsagt er ganz dem Theater und stirbt am 1. August 1884 in Wien.

Laubes letzte Dichtung, die in Paris spielende Theaternovelle „Louison“ (erschienen 1881), geht auf die Schauspielerin Katharina Schratt zurück, die schon als Naive am Wiener Burgtheater ein Liebling des Publikums und später die Altersfreundin des Kaisers Franz Joseph I. war. Von Bedeutung sind auch seine Beiträge zur deutschsprachigen Theatergeschichte, wie „Das Burgtheater“ (1868), „Das norddeutsche Theater“ (1872) und „Das Wiener Stadttheater“ (1875). Angaben zum Theaterwesen in Schlesien finden sich auch und vor allem in seinen „Erinnerungen“ (1875-1880).

Lit.: Heinrich Laube: Gesammelte Werke, hrsg. v. H. H. Houben, 50 Bände (1908ff.) – Neue Deutsche Biographie, Band 13 (1982).

Abb.: Gemälde von Friedrich Pecht, Laube-Museum, Sprottau

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