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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Loudon (Laudon), Gideon Ernst Freiherr von

Feldmarschall

* 1717, 02.02.
Tootzen/Livland

† 1790, 14.07.
Neutietschein/Mähren

Ernst Gideon Freiherr v. Loudon wurde am 2. Februar 1717 in Livland auf dem väterlichen Gut Tootzen geboren. Er entstammte einer Familie, die nach einer Familienlegende aus Schottland gekommen sein soll. Auffallend ist, daß die Familie sich früher Laudohn schrieb, Ernst Gideon aber seit 1759, als er bereits in österreichischen Diensten stand, sich nach schottischer Weise Loudon schrieb. Gegen die Familienlegende spricht aber, daß bereits im 15. Jahrhundert die Laudohn Vasallen des Erzbischofs von Riga waren. Ernst Gideon Frhr. v. Loudon ist ein typischer Vertreter des einstigen deutsch geprägten baltischen Raumes, der freilich auch polnische und schwedische Einflüsse, schließlich seit dem 18. Jahrhundert auch russische in sich trug. So ist es nicht erstaunlich, daß sein international orientierter Vater, der früher schwedischer Offizier gewesen war, ihn bereits mit 16 Jahren in russischen Diensten, als Kadett, in Petersburg eintreten ließ. Schon im Jahre 1734 nahm Loudon an verschiedenen Feldzügen in Westeuropa teil, die auf Verpflichtungen Rußlands gegenüber befreundeten Mächten wie Frankreich beruhten. Loudon nahm aber schließlich seinen Abschied aus russischen Diensten und versuchte in Preußen Fuß zu fassen. Friedrich II. lehnte es aber ab, ihn zu nehmen, da er ähnliche Vorbehalte hatte wie bei Prinz Eugen. Er hat es später sehr bereut. Bei einem Treffen mit Josef II., an dem auch der österreichische nunmehrige Feldherr Loudon zugegen sein sollte, aber erst etwas später eintraf, bat Friedrich der Große, daß man den Feldherrn an seine Seite plazieren möge, mit der Bemerkung, er habe diesen lieber neben sich als gegenüber. Loudon fand seinerzeit in den 1740er Jahren am Wiener Hofe Aufnahme, und konnte schließlich in das österreichische Heer eintreten. Hier avancierte er zu einem der größten Feldherrn Österreichs im 18. Jahrhundert. Aber der Anfang seiner Karriere sah keineswegs so hoffnungsfreudig aus, denn Loudon wurde zuerst in das Trencksche Freicorps gesteckt. Die Trenckschen Husaren hatten durch ihre grausamen Taten, insbesondere in Bayern und in der Oberpfalz keinen guten Ruf erworben. Im Elsaß wurde Loudon schließlich auch bei dieser Truppe verwundet.

Doch genesen, nahm er seinen Dienst wieder auf. Am Ende des 2. schlesischen Krieges wurde er gegen Preußen eingesetzt. Das erste Mal fiel er nun auf bei dem Überfall auf Kosel im Mai 1745. Doch schließlich trat Loudon aus dem Trenckschen Corps aus. Er lebte nun in kümmerlichen Verhältnissen in Wien, bis er eine Hauptmannstelle in einem österreichischem Grenzregiment erhielt. In dem kleinen Ort Bunich verbrachte Loudon 10 Jahre in weitgehender Untätigkeit, halb mit militärischer, halb mit administrativer Tätigkeit. Seine große Zeit kam aber schließlich im Siebenjährigen Krieg. Er tat sich bald so hervor, daß er bereits im Jahre 1757 zum Generalfeldwachtmeister ernannt wurde. Im Jahre 1758 war er im wesentlichen beteiligt an einem Überfall bei Domstadt auf den preußischen Troß, der Nachschub zur Armee bei der damaligen preußischen Belagerung von Olmitz bringen sollte. Es war ein Kriegsereignis von wesentlicher Bedeutung, das Loudon weithin bekanntmachte. Er wurde 1758 zum Feldmarschalleutnant ernannt, belohnt für seine Taten gegen die Preußen. Nach weiterer Auszeichnung, erhielt Loudon schließlich von Maria Theresia zur Belohnung Landbesitz, so das Gut Kleinbetschwa bei Kuttenberg in Böhmen. In den österreichischen Freiherrnstand, auch in den Freiherrnstand des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde er gesetzt. Damals war das ein wesentlicher Unterschied. Im Jahre 1759 führte er ein österreichisches Armeecorps dem russischen Heere zu, das sich auf dem Wege gegen Frankfurt an der Oder befand. Loudon versuchte nun zusammen mit den Russen den Preußen zu Leibe zu rücken. Loudon zeichnete sich weiter während des Siebenjährigen Krieges aus, gegen den Widerstand der im Lande geborenen Militärs und Politiker, wie etwa Daun.

1761 bot die Zarin Elisabeth durch den „Befehlshaber des in Schlesien liegenden russischen Hilfscorps”, den Grafen Zachar G. Černyšev, Loudon den russischen Feldmarschallstab an, wenn er in russische Dienste käme. Loudon lehnte ab. Auch Katharina II. versuchte, Loudon noch einmal im russische Dienste zu ziehen. Im Juli 1763 schrieb sie an Michael L. Voroncov nach Wien. Dieser würde als russischer Diplomat am Hof der Kaiserin in Wien Gelegenheit haben, lieh mit Loudon zu sprechen; er solle bei ihm anfragen, „ob er eine Verbesserung seines Zustandes wünsche.” „Ich meinerseits würde es mir jetzt wünschen, einen solchen kunstfertigen Mann im Dienst zu haben.” Loudon ließ sich auf eine Verhandlung mit Katharina II. ein, stellte aber derart hohe Forderungen, daß Katharina II. seine Dienste ablehnte, wie schon seinerzeit Friedrich der Große Loudon als jungen Offizier abgelehnt hatte. Loudon wollte nur unter folgenden Bedingungen in den russischen Dienst eintreten:

1. Er wollte seinen Dienstrang bestimmen.
2. Er forderte eine Entschädigung für seinen Besitz in Österreich, den er aufgeben müsse.
3. Darüber hinaus wollte er von Katharina II. einen schriftlichen Befehl haben, daß er in friedlichen Zeiten ausschließlich in Livland kommandiert und in Kriegszeiten der Kaiserin unmittelbar unterstellt sein wollte.

Katharina II. nannte dies einen „beispiellosen Vertrag”. So ließ sie Loudon mitteilen, „daß seine Konditionen ohne Verurteilungen und Kränkung anderer Dienender in ihrer Armee nicht angenommen werden könnten.”

Nach dem Siebenjährigen Kriege avancierte Loudon weiter, gleichwohl ihm innerhalb Österreichs weiterhin von den Einheimischen große Schwierigkeiten bereitet wurden. Doch im Jahre 1766 wurde er erster Hofkriegsrat und Inspekteur der Infantrie in den Erblanden. Doch schließlich wurde er zeitweilig verabschiedet, um im Jahre 1769 kommandierender General in Mähren zu werden. Dort verblieb er bis zum Jahre 1773, zumeist auf seinem Besitz Kleinbetschwar lebend. Doch schließlich veräußerte er diesen Besitz, und zog in die Nähe von Wien, kaufte sich dort Hadersdorf, und lebte dort seit dem Jahre 1776. Im Jahre 1778 wurde er Feldmarschall und Kommandeur einer Armee. Noch einmal unter Joseph II. wurde Loudon herangezogen als Kommandeur der Kroatischen Armee. Er war noch einmal beteiligt  an Feldzügen an der Eroberung der Festung Dubicza und an Novi-Hradiska. Und dann schließlich erhielt er im Jahre 1789 den Oberbefehl. Unter seiner Führung erfolgte die Eroberung von Belgrad und so wurde er im Jahre 1790, in seinem Todesjahr, Generalissimus und führte den Vorsitz im Hofkriegsrat. Am 14. Juli im Jahre 1790 starb er im Alter von 73 Jahren in Neutitschein in Mähren.

Lit.: Waltraud Rosenberg. Balten im Heere Friedrichs des Großen. S. 28-37. In: Baltische Hefte. April 1956. 2. Jg. Heft 3; Julius von Eckhard. Russische und Baltische Charakterbilder aus Geschichte und Literatur. Leipzig 1876; W. von Janko. Loudons Leben. Wien 1860. Johannes Kunisch. Feldmarschall Loudon, Jugend und erste Kriegsdienste. Wien 1972; Hubertus Neuschäffer. Katharina II. und die Baltischen Provinzen. Hannover 1975; Archiv Knjazja Voroncova. Izd. Petrom Bartenevym. Moskau 1870-1895. Bände 40. Hier Band 28. S. 29; Deutsch Baltisches Biographisches Lexikon. Herausgegeben von Siegfried Lenz. Köln 1970; Allgemeine Deutsche Biographie. 18. S. 25-35.

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