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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Luckner, Heinrich Graf

Maler, Graphiker

* 1891, 12.03.
Kolberg/Pommern

† 1970, 15.08.
München

lm sibirischen Omsk kam es zu der Begegnung des gebürtigen Kolbergers Heinrich Graf von Luckner mit dem arrivierten Kunstkritiker Julius Meier-Graefe, die die Weichen im Leben des Pommern stellte. Als kriegsgefangener Offizier wurde Luckner hier 1915 auf die Kunst verwiesen, der er sich nach dem Abschied vom Militärdienst im Jahre 1919 verschrieb.

Luckner hatte die Schulen in Stargard und Lauenburg besucht und war 1909 Leutnant geworden. Sein Vater war bereits 1893 verstorben, sein Onkel war der als „Seeteufel“ in ganz Deutschland bekannte Felix Graf von Luckner.

1919 ging Luckner nach Danzig, um bei Fritz August Pfuhle zu studieren, in dem er später seinen eigentlichen Lehrer sah. Anschließend setzte er seine Studien an der Dresdener Akademie fort. Dort förderte Meier-Graefe das junge Talent nach Kräften. Als Meisterschüler Ludwig von Hoffmanns beendete Luckner 1922 sein Studium und ging nach Berlin, wo Carl Nicolai die erste – und sehr erfolgreiche – Ausstellung Luckners veranstaltete. Luckner war jetzt vornehmlich als freischaffender Buchillustrator und Pressezeichner tätig. Zwischen 1924 und 1929 reiste er nach Italien, Frankreich und England. Er stellte in London, Köln, Danzig, Essen, Duisburg und Berlin aus, auch 1926 in der Aquarell-Ausstellung der Berliner Sezession. Die Nationalsozialisten sahen einige von Luckners Werken als „entartet“ an; daher arbeitete er nach 1933 meistens außerhalb Berlins, so auch in seiner pommerschen Heimat, wo er die Kirchenfenster von Stojentin (Kreis Stolp) entwarf. Am eindrucksvollsten ist zweifellos das Fenster „Kreuztragung“. Wahrend des Zweiten Weltkrieges leistete Luckner erneut Kriegsdienst, zuletzt als Major. 1942 wurde er für ein Vierteljahr zu einem Arbeitsbesuch der Villa Massimo in Rom beurlaubt.

Nach Kriegsende gründete Luckner die lithographische Anstalt Sasso-Presse, die bis 1949 bestand. In dieser Zeit bevorzugte er Themen aus dem antiken Griechenland. 1949 wurde er auf die Professur für Pädagogik an der Hochschule der bildenden Künste in Berlin berufen.Reisen nach Italien und Westeuropa vor und nach seiner Emeritierung im Jahre 1957 gehörten wieder zu Luckners Kunstlerdasein. 1956 erfuhr er mit der Wahl zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, Abteilung Bildende Kunst, eine hohe Ehrung; er war auch Ehrenmitglied des Berufsverbandes „Bildende Künstler Berlins“. 1961 verlegte er seinen Wohnsitz nach München. In den fünfziger und sechziger Jahren entwickelte sich Luckner zu einem der großen Porträtisten unseres Jahrhunderts, Er malte u.a. Ernst Reuterund Theodor Heuß. Ausstellungen in Kassel, Fulda, München, Darmstadt, Rheine, Nordhorn und Berlin präsentierten sein Werk. Er starb am 15. August 1970 in München.

Dem Krieg und seinen Folgen sind viele Werke Luckners zum Opfer gefallen. Nach freundlicher Mitteilung Frau Wetzels, Kiel, besitzt die Stiftung Pommern in Kiel fünf Ölgemälde, mehrere Zeichnungen und Druckgraphik von Luckner.

Werke: Achtundvierzig Bilder. Mit einem Text von Werner Fiedler. Potsdam 1947. – Zwischen Trauer und Trost. Zehn Zeichnungen. Berlin 1950. – Aus den Bildern und Zeichungen zwischen 1945 und 1970. München 1971.

Ausstellungskataloge (Auswahl): Heinrich Graf Luckner. Gemälde, Aquarelle, Gouachen, Künstlerverein Darmstadt, 3. Juni bis 27. Juni 1965. Darmstadt 1965. – Berliner Festwochen Berlin 1969. Heinrich Graf Luckner, Handzeichnungen und Aquarelle. 5. bis 31. Oktober 1969. Berlin 1969. – Heinrich Graf Luckner. XXXVI. Kunstausstellung der Stadt Nordhorn. 14. Februar bis 10. März 1969. – Kunstausstellung der Stadt Rheine, 27. April bis 11. Mai 1969. Nordhorn 1969.

Lit.: Hans-Peter Rasp: Heinrich Graf Luckner. Überlegungen zum Menschenbild unserer Zeit. In: Baltische Studien NF 51 (1965) S. 115-120 u. Tafeln 23-32. – Heinrich Eugen: Zwischen Trauer und Trost. Graf Heinrich Alexander von Luckner 1891-1970. In: Pommern, Kunst – Geschichte – Volkstum 8 (1970) H.3, S. 15-17. – Klaus Rohrandt: Luck­ner-Ausstellung in Regensburg. Ebd. 10 (1972) H. 2, S. 42-44. – Wolfgang Kessler und Gabriele Gudrian: Heinrich Graf von Luckner. Hrsg. v. Bund der Vertriebenen Bonn (Arbeitshilfe Nr. 32/1980), Bonn 1980.

Bild: W. Kessler u. G. Gudrian (wie oben).

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