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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Lütcke, Willy

Maler, Graphiker, Bildhauer

* 1905, 12.09.
Danzig

† 1982, 18.7.
Velbert

In Willy Lütckes Biographie spiegelt sich Danzig. In dieser seiner Geburtsstadt trat er 1919 in die Lehre der Bildhauerei ein. Esfolgten Studienjahre an der Kunstgewerbeschule sowie der Technischen Hochschule Danzig. Seine erste Einzelausstellung hatte er bereits als Sechsundzwanzigjähriger in der „Kunst­kammer der Freien Stadt Danzig“. Für die Ausmalung der Danziger Marienkirche erhielt er 1937 den Ersten Preis. Seine künstlerische Karriere schien vorgezeichnet. Doch dann erreichte die nationalsozialistische Gesinnung mit dem diffamierenden Begriff „entartet“ auch Danzig; Lütckes freie Malerei wurde als „ostisch“ gebranntmarkt und seine „abstrakte“ Kunst nicht mehr akzeptiert. In einem Architektur-Team erhielt er Arbeit und war auch auf den Gebieten der Angewandten Kunst tätig, ebenso als Restaurator. Schulgebäude in Danzig, Bromberg, Posen, Graudenz, Dirschau tragen seine Handschrift. Von 1941 bis 1945 leistete er Kriegsdienst; die Abrüstung erfolgte in Südtirol.

Von dort aus begab sich Lütcke nach Langenberg, heute zu Velbert gehörend. Hier hatten seine Ehefrau, die gleichfalls aus Danzig stammte, und seine Tochter nach der Flucht eine Bleibe gefunden: für den freien Bildhauer, Maler und Grafiker ein schwieriger Anfang. So verdiente er sich den Lebensunterhalt als Lehrer an der Berufsschule in Hattingen und als Dozent an der Volkshochschule in Langenberg. Lütcke trat der Künstlergilde Eßlingen bei; eine Großplastik steht an der Eingangsfront des Museums Ostdeutsche Galerie Regensburg. 1979 erwarb auch Velbert-Langenberg eine seiner Stelen, die inmitten der Stadt Aufstellung fand. Auf seine neue Heimat angesprochen, entgegnete Lütcke: „Wurzeln habe ich in Langenberg eigentlich nicht geschlagen. Ich bin Danziger geblieben.“ Mit Blick auf seine Vergangenheit und Würdigung seiner Kunst wurde er mit dem „Kunstpreis der Vertretung der Freien Stadt Danzig“ ausgezeichnet.

Gefragt nach seinem künstlerischen Schaffen und seinem Stil erinnerte sich Lütcke: „1924 sah ich im Städtischen Museum Danzig eine Ausstellung deutscher Bildhauer der Gegenwart. Sie erregte mich sehr und ließ mich in meiner persönlichen Arbeit nach neuen Formen suchen. Doch ich lebe in all meinem Tun aus der Tradition und möchte auch meine Werke aus der Tradition verstanden wissen.“

Lit. (Auswahl): Ernst Schremmer/Willy Lütcke, Willy Lütcke – Skulpturen – Zeichnungen. Ausstellungskatalog des Museums Ostdeutsche Galerie Regensburg 1975. – Günther Ott, Künstlerprofile – Im Osten geboren – Im Westen Wurzeln geschlagen, hrsg. von der Stiftung Ostdeutscher Kulturrat, Düsseldorf 1980. – Silke Osman, „Ich lebe aus der Tradition“ (Zum Tode Willy Lütckes), in: Das Ostpreußenblatt, Hamburg 1982.

Günther Ott 

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