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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Mohr, Franz Karl

Schriftsteller, Germanist

* 1887, 14.01.
Sandhübel, Bez. Freiwaldau/Sudetenschlesien

† 1965, 28.11.
Charlottesville/USA

Er zählte ganz gewiß nicht zu den lautstarken literarischen Repräsentanten seiner sudetenschlesischen Heimat, der Lyriker, Erzähler und Literaturprofessor Dr. Franz Karl Mohr, bestimmt aber zu den getreuesten Sängern der Landschaft rings um den Altvater. Mit Tausenden und aber Tausenden von Landsleuten teilte er das Schicksal der USA-Auswanderer, die im Spannungsfeld der Sehnsucht nach der Heimat ihr Leben meisterten. Mit den Angehörigen daheim hielt er engen Kontakt, und sooft er es einrichten konnte, besuchte er die Stätten seiner Kindheit und Jugend. So erklärt sich der geistige Inhalt der meisten Dichtungen als Ergebnis seiner Besuche in der Heimat, durch die Problematik aus seelischer Bindung und räumlicher Trennung.

Franz Karl Mohr war der sechste Sohn des Ehepaares Ferdinand Mohr und der Anna Maria, geb. Florian. Über die Volksschule in seiner Heimatgemeinde und die Bürgerschule in Freiwaldau (1 Jahr) gelangte er an das Staatsgymnasium in Weidenau und das Realobergymnasium in Baden bei Wien, wo er 1907 maturierte. An der Universität in Wien studierte er Rechtswissenschaften und promovierte 1912 zum Dr. jur. Seine berufliche Tätigkeit an einem Notariat in Jägerndorf wurde durch eine dreijährige Militärzeit während des Ersten Weltkriegs unterbrochen (Militärgericht Krakau). Inzwischen hatte er sich endgültig entschieden, einen pädagogischen Beruf zu ergreifen und als Lehrer tätig zu sein, was seinen Neigungen mehr entsprach als die Jurisprudenz. Zielstrebig verfolgte er in der Neuen Welt, wo er bei seinem ältesten Bruder Aufnahme gefunden hatte (1921), sein Vorhaben, und das mit Erfolg! Bereits 1922 unterrichtete er als Dozent für Deutsch am Elmhurst College in der Nähe von Chicago, 1925 lehrte er – nach einem Zusatzstudium an der University of Chicago – als Magister of Germanics in Urbana an der Staatsuniversität von Illinois und von 1926 bis 1953 an der Staatsuniversität von Virginia in Charlottesville, zuletzt als Professor. Insgesamt 7 Reisen führten ihn in diesem Zeitraum nach Europa und die deutsche Heimat. Seit 1948 war er Mitglied der „Virginia Poetry Society“.

Werke: Das Lied vom schlesischen Landsturmmann (1915); Aus der Jugendzeit und anderes in schlesischer Mundart (1921); Lenaus Faust (1925); Fernes Leuchten (Gedichte, 1931); Seneca (Trauerspiel, 1935); Heimat und Fremde (Gedichte, 1937); Hente traamt mer (Mundartdichtungen, 1938); Weihnachtslegende (1946); Strandgut des Lebens (Gedichte, 1948); Schlesische Heimatklänge (Poesie und Prosa, 1956).

Lit.: Franz Karl Mohr, „Hälfte des Lebens“, in: Der Wächter, 38. Jg., Heft 1/2, S. l ff.; Wien, 1957. – Josef Walter König, Das Schrifttum des Ostsudentenlandes; Wolfratshausen, 1964.

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