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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Mozart, Wolfgang Amadeus

Komponist

* 1756, 27.01.
Salzburg

† 1791, 05.12.
Wien

Die Biographie Wolfgang Amadeus Mozarts weist zwei geographische Fixpunkte auf. Salzburg, die Geburtsstadt, beherbergte den Komponisten bis zum letzten Drittel des Jahres 1780, und von 1781 bis zum Todesjahr 1791 war Wien sein Lebensraum. Allerdings war Mozart in der Salzburger Zeit alles andere als seßhaft: Von 1762 bis 1780 unternahm er nicht weniger als elf Reisen, die ihn mehr als neun Jahre von Salzburg fern hielten. Wien hat Mozart dagegen nur sechsmal und jeweils nur für einige Wochen, allenfalls Monate verlassen. Bei der ausgedehnten Reisetätigkeit des Komponisten läßt sich eine deutliche Orientierung nach dem Westen und Süden Europas feststellen; den Norden berührte Mozart nie, den Osten, hier freilich mit einer bedeutsamen Ausnahme, nur selten. Gerade aber die Aufenthalte in Preußen und Sachsen, dann vor allem in den österreichischen Erblanden, wollen wir mit einigen Hinweisen in Erinnerung rufen. Achtjährig gelangte Mozart im Dezember 1762 auf seiner ersten Wiener Reise in die damalige ungarische Landeshauptstadt Preßburg; der Aufenthalt war kurz und ohne künstlerischen Ertrag. 1767, auf der zweiten Wiener Reise, floh die ganze Familie vor einer Blatternepidemie aus der Kaiserstadt ins mährische Olmütz, freilich vergeblich. Vom Spätherbst bis in den Dezember hinein lag Mozart lebensgefährlich erkrankt in der fremden Stadt. Gerade genesen, erlebte der Komponist das Weihnachtsfest und die Jahreswende in Brunn, der Hauptstadt Mährens.

Nach diesen flüchtigen und wenig glücklichen Erlebnissen dauerte es zwei Jahrzehnte, bis Mozarts Wege einmal nach Böhmen führten und er in Prag größte künstlerische Triumphe feiern durfte. Bereits 1777 hatte er in Salzburg die Sängerin Josepha Duschek, Gattin des Komponisten Franz Xaver Duschek, kennengelernt. Als die Duscheks 1786 in Wien konzertierten, intensivierte sich der Kontakt mit Mozart, und aus dieser Begegnung reiften die Pläne und der Entschluß, im Januar 1787 selbst zu einer Aufführung von Le nozze di Figaro (KV 492) nach Prag zu reisen. Die enthusiastische Aufnahme von Komponist und Werk in der böhmischen Hauptstadt – Mozart schrieb an einen Freund: „hier wird nichts gesprochen als von – figaro; nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als – figaro, keine Oper besucht als figaro und Ewig figaro; gewiß große Ehre fuer mich“ – ließen Mozart in den Kontrakt einwilligen, für die Herbstsaison 1787 den Don Giovanni (KV 527) zu komponieren. Die zweite Reise nach Prag fand dann im Oktober und November 1787 statt (sie regte Eduard Mörike zu seiner meisterlichen Novelle Mozart auf der Reise nach Prag [1855] an). Auf der Beitramka, dem Gut der Duscheks unweit von Prag, vollendete Mozart unter großer Zeitbedrängnis seine Oper und erzielte damit wiederum bei den Pragern schönste Erfolge. In einem Zeitungsbericht hieß es: „Montags den 29ten [Oktober 1787] wurde von der italienischen Operngesellschaft die mit Sehnsucht erwartete Oper des Meisters Mozard Don Giovani oder das steinerne Gastmahl gegeben. Kenner und Tonkünstler sagen, daß zu Prag ihres Gleichen noch nicht aufgeführt worden.“ Im Frühjahr 1789 unternahm Mozart zusammen mit dem auch aus der Beethoven-Biographie bekannten Fürsten Carl Lichnowsky, dem Sproß eines alten polnischen Adelsgeschlechtes, eine Kunstreise nach Berlin, die von Wien aus über Mährisch-Budwitz, Caslav, Prag, Dresden und Leipzig führte. In Leipzig führten die Thomaner zu Ehren Mozarts Johann Sebastian Bachs Motette Singet dem Herrn ein neues Lied auf, ein Werk, das den Gast stark beeindruckte.

Am Ende seines Lebens eröffnete sich für Mozart erneut die Möglichkeit, in Prag an frühere Triumphe anzuknüpfen. Im Auftrag der böhmischen Stände komponierte er anläßlich der Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen die Oper La clemenza di Tito (KV 621). Mozarts Hoffnungen erfüllten sich nicht. Dem Werk wurde beim hocharistokratischen Publikum nur eine laue Aufnahme zuteil; die Gattin des Kaisers soll nach der Aufführung gar von einer „porcheria tedesca“, einer deutschen Schweinerei gesprochen haben. Drei Monate später, nachdem noch in WienDie Zauberflöte (KV 620) erfolgreich uraufgeführt worden war, starb Mozart. Sein umfangreiches, alle Gattungen der Musik mit wertvollsten Beiträgen bereicherndes Oeuvre ist bis heute lebendig geblieben. Goethes Wort, daß von Mozart eine „zeugende Kraft“ ausgehe, „die von Geschlecht zu Geschlecht fortwirket und sobald nicht erschöpft und verzehrt sein“ werde, hat sich bewahrheitet; diese Kraft wirkt noch heute – unvermindert und in alle vier Himmelsrichtungen.

Lit.: Paul Nettl: Mozart in Böhmen. Prag 1938. – Hermann Abert: W.A. Mozart. Neu bearbeitete und erweiterte Ausgabe von Otto Jahns „Mozart“. Leipzig 1919, 3. Auflage ebd. l955. – Wolfgang Hildesheimer: Mozart. Frankfurt a.M. 1977 (Taschenbuchausgabeebd. 1980).

Bild: Silberstift-Zeichnung von Doris Stock, April 1789. Musikbibliothek der Stadt Leipzig.

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