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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Mücke, Heinrich Karl Anton

Maler, Graphiker

* 1806, 09.04.
Breslau

† 1891, 16.01.
Düsseldorf

Heinrich Mücke wurde am 9. April 1806 in Breslau geboren. Ersten Mal- und Zeichenunterricht erhielt er bei Johann Heinrich Christoph König d. Ä. und bezog achtzehnjährig die Berliner Kunstakademie. Dort schloß er sich dem schlesischen Studentenkreis um Wilhelm von Schadow an.

Als Schadow 1826 Direktor der Düsseldorfer Akademie wurde, folgte Heinrich Mücke zusammen mit den Schlesiern Julius Benno Hübner und Carl Friedrich Lessing Schadow nach Düsseldorf.

Die 1819 gegründete Königlich Preußische Kunstakademie zu Düsseldorf galt bald als progressivste Preußens. Peter Cornelius, der erste Direktor, den Nazarenern eng verbunden und an der Ausmalung der Casa Bartholdy beteiligt, machte die Freskomalerei in Deutschland populär und fand in Schadow, der ebenfalls an dem Entstehen der Fresken in der Casa Bartholdy mitgewirkt hatte, einen Förderer dieser fast vergessenen Technik.

Heinrich Mücke arbeitete sich schnell in die Freskotechnik ein. 1828 zeigte er in der Berliner Akademie-Ausstellung den Karton „Die Aufhebung der über Heinrich den Löwen verhängten Acht auf dem Reichstag zu Erfurt“ und vollendete 1829 das Fresko im Saal des Gräflich-Speeschen Schlosses Heltorf bei Düsseldorf. Er setzte die Arbeit an der Geschichte Friedrich Barbarossas in Heltorf 1833 mit der „Demütigung der Mailänder“ fort.

1833 erhielt Mücke vom preußischen Staat ein Arbeitsstipendium und bildete sich für ein Jahr in Italien, hauptsächlich in Rom, im Kreis der Nazarener, weiter. Dies bestärkte seine Hinwendung zum religiösen Historienbild.

Nach der Rückkehr von Italien widmete er sich zunächst wieder den Arbeiten in Schloß Heltorf. Es entstanden 1837 „Friedrichs I. Kaiserkrönung“ und eine in Grisaille gemalte Supraporte sowie 1838 die Einzelbilder „Der hl. Bernhard, den Kreuzzug predigend“ und „Bischof Otto von Freising“. Damit hatte Heinrich Mücke den Hauptanteil an der Ausmalung des Saales in Heltdorf geleistet. Sein Kollege Karl Stürmer malte 1826 die „Versöhnung Friedrichs und des Papstes zu Venedig“ und eine Supraporte, Carl Friedrich Lessing 1831 die „Schlacht bei Iconium“ und Herrmann Freihold Plüggemann 1840 den „Sturm auf Iconium durch Friedrich von Schwaben“ sowie 1841 „Friedrichs Tod“.

Nachrichten über 43 Ölgemälde, 3 Freskenzyken, zahlreiche graphische Arbeiten und Original-Radierungen sind uns aus dem Werkverzeichnis von Boetticher bekannt.

1826 stellte Mücke das Gemälde „Leukothea wirft dem Odysseus den rettenden Schleier um“ in der Berliner Akademie aus. Es wurde sofort von der Vaterländischen Gesellschaft in Breslau angekauft. Auch sein 1827 gemaltes Bild „Narciss, am Ufer eines Baches ruhend, erblickt sein Spiegelbild“, bezeichnet H. Mücke, Düsseldorf 1827, kaufte der schlesische Kunstverein und übergab es später dem Schlesischen Provinzial-Museum. Beide Bilder sind heute verschollen.

1830 stellte Mücke erstmals ein religiöses Gemälde in Berlin aus: „Die hl. Genoveva im Kerker“. Dieses Gemälde des vierundzwanzigjährigen Künstlers wurde sofort durch Lithographien bekannt.

Sein sechs Jahre später gemaltes Bild „Die hl. Catharina wird nach ihrem Märtyrertod zu Alexandien von Engeln nach dem Sinai getragen“ gehört zu den besten Arbeiten dieses Genres im 19. Jahrhundert. Landschaftsmalerei und Personendarstellung sind in raffinierter Komposition und Farbigkeit vereint und in qualitätvoller, lasierender Malerei präsentiert. Daß Mücke auch ein hervorragender Zeichner war, zeigt die Vorzeichnung zu diesem Gemälde. Wiederholungen führte Mücke u. a. für die Kaiserin von Rußland, die Prinzessin Biron v. Curland und für den Kunsthändler Goupil in Paris aus. Es wurde 1845 erstmals in Kupfer gestochen. 1841 griff Mücke das Thema nochmals in dem Ölgemälde „Hinrichtung der hl. Catharina“ auf.

Heinrich Mücke war mit 30 Jahren ein gefragter Maler. Die Gräfin Dohna bestellte das Bild „Der hl. Ambrosius wehrt dem Kaiser Theodosius den Eintritt in den Dom zu Mailand“. 1838 gemalt, wurde es 1840 im Kunstverein Hannover ausgestellt. 1841 vollendete Mücke das Bild „Abschied der hl. Elisabeth von ihrem Gemahl“ für die Prinzessin Karl, Darmstadt.

Im Jahr 1844 stellte Mücke im Kunstverein für Rheinland und Westfalen und bei den Ausstellungen der Akademie in Berlin und Dresden aus und erhielt einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Kunstakademie, vier Jahre später wurde er zum Professor ernannt.

Heinrich Mücke aus Breslau war ein weit über die Grenzen Deutschlands bekannter und geschätzter Maler und Lehrer geworden. Sein Gemälde „Der gute Hirte“ kaufte Henry C. Cory in Providence, Rhode-Island. Der Bischof von Ermland in Frauenburg erwarb ein Gemälde, das den hl. Adalbert darstellt. Altargemälde für die Kirche in Freiwaldau/Schlesien, für das Hl. Grab in Marienbad/Böhmen, für den Dom zu Breslau und für die evangelische Kirche in Lautenburg/Westpreußen wurden geordert, ein Fresko befindet sich in der Andreaskirche zu Düsseldorf.

1850 reiste Mücke nach England, interessierte sich dort für die Arbeiten der Präraffaeliten. Er reiste in die Schweiz und führte um 1860 einen Zyklus von Ölgemälden zur Geschichte des hl. Meinrad im Auftrag des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen für den Saalbau in Sigmaringen aus.

Er feierte nicht nur Erfolge, sondern erlebte, daß seine Fresken im Rathaus von Elberfeld durch „einen unerhörten Act von Vandalismus“, so eine zeitgenössische Stimme, zerstört wurden.

Bis 1867 führte Mücke sein Lehramt an der Düsseldorfer Kunstakademie aus. Er war ein geschätzter Lehrer, Berater in allen technischen Fragen und Helfer, anerkannter Künstler, der viele Auszeichnungen erhalten hatte, so die Medaille der Ausstellung zu Besançon und die große portugiesische Medaille für Kunst- und Wissenschaft.

Auch nach seiner Pensionierung arbeitete er weiter und widmete sich mehr und mehr graphischen Techniken. Zwischen 1875 bis 1890 stellte er den Zyklus von 45 Federzeichnungen zur „Verherrlichung des Rheinstroms von seinen Quellen bis zum Meer in Bildern der bedeutendesten Mythen, Sagen, Legenden und wichtigsten historischen und culturhistorischen Ereignissen aller Zeiten“ aus. Er zählte zu den Mitarbeitern der „Düsseldorfer Bildermappe“. Sein letztes gesichertes Ölgemälde, eine Loreley, entstand 1888 und wurde in Magdeburg öffentlich präsentiert.

Heinrich Mücke starb am 16. Januar 1891 in Düsseldorf.

Das Werk Heinrich Mückes ist heute besonders durch die Ereignisse in der Folge des Zweiten Weltkriegs großenteils verschollen und in Vergessenheit geraten. Die letzte „Mücke-Ausstellung“ fand 1930 in Breslau statt.

Lit.: Literaturangaben bis ca. 1950 bei Thieme-Becker. Dort auch Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, 1898 mit Werkverzeichnis. – Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule 1819-1869, Leipzig 1964. – Schlesien in der Biedermeierzeit, bearbeitet von E. Trux, Würzburg 1987. – Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule, Leipzig 1995 mit Literaturangaben.

Bild:Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.

Idis B. Hartmann 

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