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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Müller, Arnold

Zoologe

* 1884, 22.06.
Sächsisch Regen/Siebenbürgen

† 1934, 11.04.
Hermannstadt/Siebenbürgen

Arnold Müller ist ein bedeutender siebenbürgischer Zoologe, dessen Name in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen in Fachkreisen weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt war. Sein wissenschaftliches Interesse galt innerhalb der artenreichen Klasse der Insekten den heuschreckenartigen und schabenartigen Geradflüglern (Orthopteren). Ungewöhnliche Verdienste erwarb sich Müller durch seine außergewöhnlich rege und vielfältige Tätigkeit innerhalb des „Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt“, dessen Leistungen in jener Zeit ohne seine Einsatzbereitschaft undenkbar gewesen wären. Seine wertvolle Sammlung einheimischer und fremder Geradflügler gehört auch heute zu den Kostbarkeiten des Naturwissenschaftlichen Museums in Hermannstadt.

Arnold Müller wurde am 22.6.1884 in Sächsisch Regen geboren. Hier besuchte er Volksschule und Untergymnasium und absolvierte 1902 in Bistritz mit Ablegung der Reifeprüfung das Gymnasium. Noch im Herbst dieses Jahres begann er an der Klausenburger Universität das Studium der Naturwissenschaften, das er in den folgenden Jahren in Berlin, Kiel und Wien fortsetzte und 1907 in Jena abschloß. Nach einem Probejahr in Sächsisch Regen und Ablegung der Diplomprüfung ging Müller 1908 als Biologielehrer an die Realschule in Hermannstadt, wo er bis zu seinem Tode (11.4.1934) erfolgreich gewirkt hat. Seine wissenschaftliche Arbeit war seit seiner Übersiedlung nach Hermannstadt eng mit der Tätigkeit des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften verbunden. Noch 1908 trat Müller diesem Verein bei, bekleidete im Laufe der Jahre innerhalb desselben mehrere Funktionen und prägte somit das Erscheinungsbild dieses Vereins wesentlich mit. Zunächst betreute er als einer der zoologischen Kustoden die umfangreichen Insektensammlungen, die er nicht nur instand hielt, sondern auch durch von ihm gesammelte Exemplare vermehrte. Als praktisch neue Sammlung stellte Müller auch die schon eingangs erwähnte Orthopterensammlung auf.

1915 promovierte Müller mit einem zoologischen Thema an der Klausenburger Universität zum Dr. phil. Ein Beweis dafür, daß Müller schon zu jener Zeit in Fachkreisen Beachtung fand; ist seine 1917 erfolgte Wahl zum ordentlichen Mitglied der Königlich-ungarischen Gesellschaft für Naturwissenschaften in Budapest.

Als Bibliothekar nahm er sich der Neuordnung der vorhandenen Bücher- und Zeitschriftenbestände der Vereinsbibliothek an, und ab 1926 ging die Herausgabe der Vereinszeitschrift „Verhandlungen und Mitteilungen“ ganz an ihn über. Auf seinen Vorschlag wurden ab Oktober 1927 außer den Vortragsabenden auch „Demonstrationsabende“ eingeführt, an denen die Kustoden über ihre Sammlungen oder die Mitglieder über eigene Forschungsergebnisse berichten konnten. Auch durch zahlreiche wissenschaftliche Vorträge und Zusammenstellen von naturwissenschaftlichen Lehrmittelsammlungen für Schulen, die an diese unentgeltlich abgegeben wurden, hat sich Müller bleibende Verdienste erworben.

Seine wissenschaftlichen Untersuchungen galten zunächst den Geradflüglern Siebenbürgens. Nach 1919 unternahm er fast jährlich Forschungs- und Sammelreisen auch in entferntere Gebiete (Dobrudscha, Bessarabien, Bulgarien und Konstantinopel, Syrien, Ägypten und Palästina). Auf seinen letzten Expeditionen durch Afrika und den Vorderen Orient zog er sich schwere gesundheitliche Schäden zu, die schließlich zu seinem frühen Tode führten.

Die Ergebnisse seiner Forschungsreisen hat er in einer Reihe von Arbeiten mitgeteilt. Bemerkenswert ist hierbei, daß Müller in seinen Untersuchungen auch ökologische und biographische Betrachtungen einbezog und schon damals die enge Verbindung zwischen Insekt und Futterpflanze beachtete. Ungewöhnlich für einen siebenbürgischen Zoologen sind nicht nur die oben erwähnten Forschungsreisen außerhalb Siebenbürgens, sondern auch seine wiederholte Teilnahme an internationalen Zoologenkongressen (1927 Budapest, 1928 Klausenburg und 1932 Paris). Besondere Beachtung fand sein Pariser Vortrag „Die nacheiszeitliche Tierbesiedlung Siebenbürgens mit besonderer Berücksichtigung der Orthopteren“, mit der Müller Neuland betrat. – Von seinen 25 wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist der Großteil in den Verhandlungen und Mitteilungen in Hermannstadt erschienen. Einige seiner Arbeiten hat er in ungarischen, österreichischen und deutschen Zeitschriften veröffentlicht. Eine von ihm im Roten-Turm-Paß (Südkarpaten) 1924 entdeckte Heuschreckenart (Chortippus acroleucus Müller) gehört, als ein Endemismus (hier: einheimische Tierart) Siebenbürgens, auch heute zu den ganz großen Seltenheiten dieser Insektengruppe.

Lit.: Gustav Haltrich, 1934: Prof. Dr. Arnold Müller. Verh. u. Mitt. 83/84, II, S. 19, Hermannstadt; Maria A. Vasiliu u. Agapi, 1958: Katalog der Orthopterensammlung „A. Müller“ des Brukenthalmuseums in Hermannstadt (in rumän. Sprache). Studii şi comunicări, 10, S. 6-8, Hermannstadt; Heinz Heltmann, 1971: Dr. Arnold Müller zum Gedenken (1884-1934). Neuer Weg, 5. Jan. 1971, Bukarest; Hans Plattner, 1972: Dr. Arnold Müller, Naturwissenschaftler mit Leib und Seele. Siebenbürgische Zeitung 22. Jahrg. Nr. 17, 31.10.1972, S. 3, München

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