Kulturportal
Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Nehring, Walther K.

Generalstabsoffizier, Historiker

* 1892, 15.08.
Stretzin, Kr. Schlochau/Westpr.

† 1983, 20.04.
Düsseldorf

Der Sohn einer alteingesessenen westpreußischen Gutsbesitzersfamilie bestand 1911 das Abitur in Danzig und trat als Fahnenjunker in das Deutsch-Ordens-Infanterie-Rgt. 152 in Marienburg/Westpreußen ein. 1914 zog er als Leutnant in den Krieg und nahm an den Kämpfen zunächst im Osten, dann im Westen, zuletzt als Hauptmann und Bataillonsführer, teil. Mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet, dreimal verwundet, kehrte er heim. Der Gefährdung seiner Heimat versuchte er 1918/19 durch Teilnahme an den Grenzschutzkämpfen mit den Polen zu begegnen. Nach Übernahme durch die Reichswehr war Rastenburg/Ostpreußen sein erster Standort. Dort heiratete er die westpreußische Gutsbesitzerstochter Annemarie Rohrbeck aus dem Kreis Stuhm, mit der er eine Tochter und zwei Söhne hat. 1923 bis 1926 folgte die Generalstabsausbildung, zunächst als Hörer des Studiums generale an der Universität in Königsberg und dann beim Lehrgang in Berlin. Daran schlossen sich eine Verwendung in der Operationsabteilung des Truppenamtes im Reichswehrministerium und danach ein Truppenkommando in Münster i. W. an. 1932 bis 1936 war Nehring als Major und Oberstleutnant im Reichswehrministerium erster Mitarbeiter Guderians beim Aufbau der Panzertruppe, einer neuen Waffengattung, für die er mit Vier Buchveröffentlichungen und mehreren Fachaufsätzen warb. Nach dem Besuch der Wehrmachtsakademie in Berlin (1936) wurde Nehring als Oberst Kommandeur des PzRgt 5 in Wünstorf bei Berlin. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges berief ihn Guderian als Chef des Generalstabes seines Panzerkorps (XIX. AK), mit dem er in den Polenfeldzug zog (1939), und dann seiner PzGruppe (2. PzArmee), mit der er im Frankreichfeldzug kämpfte (1940).

Bevorzugt zum Generalmajor befördert (1. August 1940), wurde Nehring Kommandeur der 18. PzDiv., mit der er von 1941 bis 1942 am Feldzug gegen die Sowjetunion teilnahm, wobei er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde (1941). Nach (seiner wiederum bevorzugten Beförderung zum Generalleutnant (1. Februar 1942) avancierte Nehring zum Kommandierenden General des Deutschen Afrikakorps. Der Eroberung von Tobruk folgte die bevorzugte Beförderuung zum General der Panzertruppen (1. Juli 1942). Bei El Alamein verwundet, wurde Nehring dann 11. Befehlshaber in Tunesien. Das Jahr 1943 brachte für ihn einen erneuten Einsatz an der Ostfront und die Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz (1944). Im Januar 1945 gelang ihm die Rückführung des „Wandernden Kessels“, des von den Sowjets eingeschlossenen XXIV. Panzerkorps und mehrerer Nachbarverbände. Hierfür erhielt er als 124. Soldat der Wehrmacht die Schwerter zum Ritterkreuz. Danach stand er bis zum Kriegsende als Befehlshaber der 1. Panzerarmee in schweren Abwehrkämpfen in Schlesien und Mähren, wobei in den ersten Märztagen kurzfristig Lauban (schlesische Oberlausitz) zurückerobert werden konnte. Es gelang ihm, das Eindringen der Roten Armee nach Bayern zu verhindern und Hunderttausende von Flüchtlingen zu retten. Nach Kriegsende befand er sich bis zum Mai 1948 in US-Gefangenschaft. Die Amerikaner verweigerten die beantragte Auslieferung an die Sowjets. Im letzten Jahr der Gefangenschaft war er mit fast allen führenden Generalen der Wehrmacht in einem offenen Lager auf kriegsgeschichtlichem Gebiet für die Historical Division der UA-Army tätig.

Die Familie traf in Schleswig-Holstein wieder zusammen. Nach einkommenslosen Monaten fand Nehring eine kaufmännische Tätigkeit bei einer Firma in Düsseldorf. In den Nachkriegsjahren betätigte er sich in vielen Ehrenämtern und als militärgeschichtlicher Schriftsteller. Seit 1960 war er ständiger Mitarbeiter am Deutschen Soldatenkalender. Es erschienen als Buchveröffentlichung in mehreren Auflagen Die Geschichte der deutschen Panzerwaffe 1916 bis 1945 (1969) und eine Anzahl Aufsätze in den Westpreußen-Jahrbüchern. Außerdem verfaßte er die Geschichte seiner Familie (deutsches Genealogisches Handbuch Bd. 140). Seine ehrenamtlichen Aktivitäten bezogen sich hauptsächlich auf den Verband der ehemaligen Soldaten des Deutschen Afrikakorps, den Deutschen Jagdverband, den Rhein-Ruhr-Club, die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger und die Ehemaligen der 18. Panzerdivision und des Deutsch-Ordens-Regiments 152.

Aus Sorge um seine vertriebenen westpreußischen Landsleute zählte Nehring zu den Mitbegründern der Kreisgruppe Düsseldorf der Landsmannschaft Westpreußen, war Mitglied des Landesvorstandes und Landeskulturreferent in Nordrhein-Westfalen. 1955 wurde er in den Bundesvorstand und 1956 zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Dieses Amt übte er bis 1965 aus und war anschließend Mitglied des Beirats der Landsmannschaft, die ihm seine Verdienste durch die Verleihung der Westpreußen-Medaille (1972), der Ehrenspange in Gold (1982) und der Ehrenmitgliedschaft dankte.

Weitere Ehrungen erfuhr er durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Kl. (1973) und die Einweihung der „General-Nehring-Straße“ in Stadtallendorf/Hessen, dem Standort einer Panzerbrigade der Bundeswehr. Nehring zählt neben Guderian zu den Schöpfern der deutschen Panzerwaffe und -taktik. Beispielhaft waren seine militärischen Leistungen und Verdienste im Kriege. Hohe Anerkennung erwarb er sich in seinen vielen Ehrenämtern. Von wissenschaftlicher Bedeutung sind seine militärfachlichen Publikationen. In allen Lebenslagen war er eine honorige und geistvolle Persönlichkeit mit überzeugender Ausstrahlung.

Lit.: Hubertus W. Nehring (Hrsg.): 90 Jahre Walther K. Nehring. Festschrift zum 90. Geburtstag. Siek 1982 [daraus unser Bild]. – Wolfgang Paul: Panzergeneral Walther K. Nehring. Eine Biographie. Stuttgart 1986.

Bild: Nehring als Kommandierender General des XXIV. Panzerkorps im Jahre 1943

Wünschen Sie Änderungen oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns dies bitte mit Angabe der betreffenden Person.