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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Neumann, Johannes Nepomuk

Bischof von Philadelphia, Heiliger

* 1811, 28.03.
Prachaititz/Böhmen

† 1860, 05.01.
Philadelphia/USA

Der große Schulbischof der Vereinigten Staaten wurde in Prachatitz (Prachatice) im Böhmerwald geboren. Der Vater des Heiligen war erst 1802 aus dem unterfränkischen Obernburg am Main ausgewandert und hatte sich in Prachatitz niedergelassen, der Handelsstadt am Ende des Goldenen Steiges, der von Bayern nach Böhmen führt. Johann Nepomuk war das älteste von sechs Kindern. Er besuchte von 1818 bis 1823 die Elementarschule seiner Vaterstadt, ehe er auf das von Piaristen geleitete Gymnasium nach Budweis (České Budějovice) kam. In seinem Lebenslauf, den er am Tag vor seiner Bischofsweihe in den USA niederschrieb, berichtete er, wie josefinisch geprägt seine Studienzeit war, auf dem Gymnasium ebenso wie in der Philosophie, wo auf dem Budweiser Lyzeum Zisterzienser des südböhmischen Stiftes Hohenfurt (Vyšsí Brod) seine Lehrer waren. Während seines Theologiestudiums in Prag wurde er mit Schriften der Leopoldinen-Stiftung in Wien bekannt. Diese Stiftung war der älteste Missionsverein im deutschsprachigen Raum, benannt nach der Prinzessin Leopoldine, der Tochter von Kaiser Franz I. und Schwester der zweiten Frau Napoleons. Sie starb als Frau des brasilianischen Kaisers Pedro I. Durch die Leopodinenstiftung reifte in dem jungen Neumann der Entschluss, nach Nordamerika zu gehen.

Weil die Diözese Budweis damals keine Neupriester brauchte, wurde Neumann nach Abschluss seiner Studien nicht zur Priesterweihe zugelassen. So nimmt er am 11. Februar 1836 Abschied von der Heimat, um am 20. April von Le Havre aus nach New York zu segeln. Die Leopoldinenstiftung bezahlte ihm die Reise, denn in Nordamerika suchte man Priester für die deutschen Auswanderer. Am Fronleichnamstag 1836, am 2. Juni, geht Neumann in New York an Land, schon am 24. Juni wird er zum Diakon und am 25. Juni zum Priester ge­weiht.

In der Wildnis bei Buffalo beginnt er unter Einwanderern und Indianern seine priesterliche Tätigkeit, über die wir durch Briefe in die Heimat gut unterrichtet sind. Armut, Mühe und Enttäuschung bestimmen sein Leben im Gebiet der Niagarafälle. 1839 kommt sein Bruder Wenzel nach, 1840 tritt Johann Neumann bei den Redemptoristen ein, sein Bruder Wenzel folgt ihm als Ordensbruder. In seinem Lebenslauf schreibt Johann Neumann: „Ich selbst war nie ein rechter Novize, denn als ich in unsere liebe Kongregation eintrat, gab es noch keinen Novizenmeister und kein Noviziat in Amerika. Aber ich habe desungeachtet viele Erfahrungen gemacht und viele Versuchungen kennengelernt, mit denen der alte Feind die Rekruten des hl. Alfonsus heimsucht.“ Die Chronik des Noviziates vermerkt: „Dieser erste Novize unserer amerikanischen Provinz genoß nicht den regelmäßigen Unterricht und die sorgfältige Leitung eines geordneten Noviziates, dennoch ward er sogleich mit den Arbeiten reifer Ordensmänner betraut, und zeichnete sich aus durch treue Beobachtung der Ordensregeln, durch Liebe zur Kongregation und durch große Tugenden.“

Seine erste Pfarrstelle nach der Gelübdeablegung war für Pater Neumann die Seelsorge an der Alfonsus-Kirche in Baltimore, wo es damals 4.000 deutsche Katholiken gab. Bald wurde er Stellvertreter des Provinzials; er betreute dann die Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau, die von München nach Nordamerika gekommen waren und die ihn heute „mit Recht als unseren Gründer in Amerika verehren“. P. Neumann baut Kirchen und gründet Schulen, er predigt und hört Beichte in sieben Sprachen. Er schreibt einen deutschen Kleinen Katechismus, der 30 Auflagen erlebt, ein größerer englischer wird 18mal nachgedruckt.

An seinem 41. Geburtstag, am Passionssonntag 1852, wird er zum Bischof von Philadelphia geweiht. Als Wahlspruch für sein Bischofswappen wählt er sich: „Leiden Christi, stärke mich!“

Als Schulbischof, der in seiner Diözese über 100 Pfarrschulen gründete, geht Neumann in die Geschichte des amerikanischen Katholizismus ein. Er baute 50 Kirchen, gründete eine franziskanische Schwesterngemeinschaft und hielt Diözesansynoden. Kaum 49jährig brach er gesundheitlich zusammen und starb am 5. Januar 1860. Sein Begräbnis war die größte Feier, die Philadelphia bis dahin erlebt hatte, so zahlreich waren die Menschen gekommen.

Schon 1886 wurde in Budweis und Philadelphia, 1895 in Rom der Seligsprechungsprozess eingeleitet. 1963 erfolgte die Selig- und 1977 die Heiligsprechung. An ihr nahmen meist Sudetendeutsche und Amerikaner, aber nur wenige Exiltschechen teil, da in Böhmen damals Kirchenverfolgung herrschte. Erst seit der Wende 1990 ist auch in Prachatitz Bischof Neumann kein Unbekannter mehr: Die deutschen Bewohner waren dort nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden, die Neuansiedler wussten kaum etwas von dem großen Sohn der Stadt. Heute erinnert am Geburtshaus in der Neumann-Straße eine Gedenktafel in tschechischer, deutscher und englischer Sprache an ihn. Das Haus hatte die ältere Schwester des Bischofs geerbt, die bei den Borromäerinnen eintrat. So wurde das Geburtshaus ein kleines Kloster, das heute die Borromäerinnen wieder betreuen.

Wie sehr Bischof Neumann vor allem von seinen sudetendeutschen Landsleuten verehrt wird, zeigt die Tatsache, dass es im sudetendeutschen Beiheft zum Gotteslob auch Lieder zu seinen Ehren gibt, die seit der Selig- und Heiligsprechung gesungen werden.

Schon bei der Seligsprechung wurden erstmals in Rom auf die Melodie des Liedes Ihr Freunde Gottes allzugleich fünf neue Strophen des folgenden Liedes zu Ehren des neuen Seligen gesungen:

Johannes, unser Schutzpatron
des schönen Böhmerwaldes Sohn,
Du liebtest Deine Heimat tief,
als Gott Dich in die Ferne rief.
Hilf allen, die vom Heimatland
vertrieben sind durch Menschenhand,
halt sie in Gottes Gnadenstand
.

1978, also nur ein Jahr nach der Heiligsprechung sang man bei der traditionellen Vertriebenenwallfahrt auf dem Schönenberg bei Ellwangen bereits weitere Strophen. Oft wird seitdem das alte Lied von Friedrich von Spee Ihr Freunde Gottes mit den klassischen ersten Strophen gesungen und werden folgende angefügt:

Dem Dienste Christe ganz geweiht,
Johannes Neumann war bereit,
zu ziehn aus Böhmens Landen fort.
Bedrängten bringt er Gottes Wort.
Hilf uns in diesem Erdental …

Du Mann, der nicht zur Ruhe kam,
bis alles preise Gottes Nam,
erfleh auch uns in dieser Zeit
des Glaubens Licht und Einigkeit.
Hilf uns in diesem Erdental …

Ein eigenes Lied mit fünf Strophen zur Seligsprechung stammt aus der Feder des 1982 verstorbenen sudetendeutschen Dichters und Publizisten Franz Lorenz.

Gott rief Dich aus dem Böhmerwald,
Apostel Du der „Neuen Welt“!
Du gabst dein Herz ohn Vorbehalt,
dem armen Volk zum Heil bestellt.

Bild: Wikipedia

Rudolf Grulich

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