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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Partikel, Alfred

Maler

* 1888, 07.10.
Goldap/Ostpr.

† 1945, 20.10.
Ahrenshoop/Mecklenburg

In der Ostdeutschen Galerie hängt eines der schönsten Bilder des Malers Alfred Partikel, der „Leuchtturm von Brüsterort“, ein Landschaftsmotiv an der Samlandküste nordwestlich von Königsberg. Für dieses Werk wie für viele andere des Malers, so die romantische Landschaft „Die Große Wanderdüne bei Nidden“, die in der Mannheimer Kunsthalle zu sehen ist, gilt, was Hanns Theodor Flemming in seiner Laudatio anläßlich der Verleihung der Ehrengabe des Lovis-Corinth-Preises an einen der letzten und zugleich bedeutendsten Schüler Partikels, Horst Skodlarrak, sagte: „Bei ihm finden sich die großen, mit feinem Pinsel hingestrichenen Flächen, die weiten Landschaften …“

Partikel hat vor allem immer wieder die See und die Küste, die Dünen der Nehrung und die einsame, vielgestaltige Landschaft an der mecklenburgisch-pommerschen Grenze, bei einem seiner Lieblingsaufenthalte, dem Künstlernest Ahrenshoop an Ostsee, Darß und Bodden gestaltet. Der späte künstlerische Nachfahre eines Caspar David Friedrich, im Grunde ein Romantiker, ist in der Nähe von diesem Ahrenshoop, wohin er sich nach dem Verlust der ostpreußischen Heimat zurückgezogen hatte, im Oktober 1945 von einem Gang in die Natur zum Pilzesuchen nicht mehr zurückgekehrt. Das Schicksal des Verschollenen ist bis heute ungeklärt. Arthur Degner, der in seinem Gruppenporträt „Fünf ostpreußische Maler“ auch den Königsberger Studienfreund Partikel dargestellt hat, schrieb über den in Goldap Geborenen: „Ein Jüngling mit glattem, hellblondem und seidenweichem Haar, zu dessen zartem, fast scheuem Wesen die dunkel getönte, sonore und tiefe Stimme nicht recht passen wollte.“

Partikel verbrachte seine Kindheit im Dorf Szittkehmen am Rande der Rominter Heide. Das Gymnasium besuchte er in Insterburg. Er studierte in Königsberg, wo er vor allem von 1905 bis 1907 Schüler Ludwig Dettmans war, danach war er freischaffend in München, Weimar und Berlin. Hier von 1911 bis 1914. Erste Ausstellungserfolge und die Mitgliedschaft in der Freien Sezession machten auf ihn in der Reichshauptstadt aufmerksam. Nach Kriegsdienst in Frankreich kehrte er nach Berlin zurück. Obzwar er sich in Steglitz ein Atelier gebaut hatte, zeigte sich bald, daß die Großstadt nicht seinem Wesen entsprach. Seit 1921 lebte er vornehmlich in der Künstlerkolonie Ahrenshoop. Da hatte er sich ein Haus gebaut. Dahin kehrte er während seiner Akademielehrer-Zeit von 1929 bis 1944 immer wieder zurück. Daneben war der Künstlerort Nidden auf der Kurischen Nehrung sein rechter Musensitz. Als Zeichner und Radierer hat er auch das Innere des ostpreußischen Landes in zarten, zugleich großzügig komponierten Blättern als Themenfeld ausersehen. Partikel hat seine Landschaftsbilder auf die schlichteste und doch demonstrativste Weise mit ihrer Herkunft, der Landschaft des Herzens, in Verbindung gebracht, indem er bekannte: „Der Landschafter soll aus der Natur die Wesenszüge des Raumes zu gestalten suchen, in den er vom Schicksal gestellt ist. In der Landschaft ruht das Werden und Vergehen der sichtbaren Natur in Verbindung mit dem Menschen. Das ist die tiefere Bedeutung der Landschaft überhaupt.“

Trotz seiner Heimat- und Landschaftsverbundenheit, die er seinen Schülern auch auf Studienfahrten durch Ostpreußen vermittelte, sah er sich in der Welt um, in Italien, Frankreich, vor allem Paris, Holland und Finnland. Ein Gastaufenthalt 1930/31 in der Villa Massimo in Rom und die Beteiligung an der Biennale di Venezia im Jahre 1936 markieren seine äußeren Erfolge. 1942 hat er, eingeladen von Passarge, für die Städte Mannheim und Wimpfen gemalt. Mit seinem noblen, stillen inneren Rang, der manche Kunstmode überdauert hat, mit der melancholischen, lyrischen Art seines Schaffens hat Partikel, der Sohn des Amtsvorstehers, von 1900 bis 1919 Bürgermeister von Pillkallen, einen gesicherten Platz in der neueren Kunstgeschichte und, was nicht so häufig vorkommt, im Herzen seiner Landsleute, für die einige seiner Werke zu Andachtsbildern geworden sind, weil in ihnen – ohne jeden vordergründigen Blut- und Boden-Ruch – Heimat in Erde, Wasser und Himmel auf souveränste Weise Kunst geworden ist.

Lit.: C. Meißner: Alfred Partikel, der ostpreußische Maler. In: Westermanns Monatshefte 76/H. 901, Braunschweig 1951.

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