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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Penkert, Waldemar Karl Ludwig

Fabrikdirektor

* 1900, 15.10.
Rossberg bei Beuthen

† 1963, 30.12.
Essen

Der älteste Sohn eines in Oberschlesien und Österreich-Ungarn tätigen Landvermessers und seiner auch in Oberschlesien verwurzelten Frau Hedwig, geb. Steinke, hatte infolge der Wirtschaftskrise der 20er Jahre nicht sein Philosophiestudium in Erlangen fortsetzen können. Er schloss Wirtschaftswissenschaften mit dem Dr. phil.-Titel ab und machte sich seit 1935 als vielreisender Prokurist in Kattowitzer später Gleiwitzer großindustriellen Kreisen einen Namen mit einer umfangreichen und sehr originellen Denkschrift (Bundesarchiv Berlin) Die Eisenindustrie Oberschlesiens in Vergangenheit und Gegenwart. Aber auch die ausgeprägt „schöngeistige“ schriftstellerische Begabung von Waldemar Penkert lag nicht ganz brach. Er gehörte dem Kreis um August Scholtis in Oberschlesien an.

Neben einem im Nachlass erhalten gebliebenen Dramenmanuskript Der Prinz von Österreich, das Max Reinhardt in Wien, der Überlieferung des Freundes und Schauspielers Hans Schlesinger zufolge, aufführen wollte, publizierte Waldemar Penkert 1926 ein kleineres Büchlein Von unbekannten Dichtern, Denkern und Träumern. Er heiratete 1930 Brigitte Bosse, die älteste Tochter eines Bergbaudirektoren des Fürsten Pless in Gleiwitz (siehe Kultuwissenschaftliches Jahrbuch 1911) und hatte mit ihr 1935 eine Tochter, Sibylle Penkert. Brigitte Penkert verpflichtete sich freiwillig für die Dauer des Krieges als DRK-Schwester. Ihre Briefe von der Ostfront publizierte ihre Tochter 2006. Als Reichswirtschaftskommissar für Oberschlesien in den 30er Jahren (nach Überlieferung, bisher ohne Aktennachweis) stellt sich Waldemar Penkert als in der Frühzeit regimekonform dar, aber stärker Mussolini-orientiert. Auf den Karrieresprung als Kaufmännischer Direktor bei den Mannesmann Röhrenwerken nach Düsseldorf 1939ff. folgte ab 1944/45 die Überstellung nach Komotau/Sudetengau zur ersten Mannesmann-Gründung. Von dort trat Waldemar Penkert die Flucht an. Das übliche Entnazifizierungsverfahren zog sich in die Länge … Als Bankprüfungsleiter führte Waldemar Penkert (inzwischen geschieden, in zweiter Ehe mit Helga Wilms aus Dahlerau/Wupper verheiratet, ein Sohn Götz 1949) zunächst ein anstrengendes Leben „auf der Walz“, ehe er 1953 leitender Angestellter der Brunsviga Maschinenwerke in Brauschweig wurde. Nach deren Übernahme durch Olympia Schreibmaschinenwerke konnte er sich nur noch kurz bis 1963 als Direktor eines metallverarbeitenden Industriewerks in Essen konsolidieren.

Seine anfänglich vielversprechenden Begabungen sind durch die Zeitumstände nicht zu der ihnen angemessenen Ausprägung gelangt.

Bild: Autorin.

Sibylle Penkert

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