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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Petri, Anton Peter

Historiker, Volkskundler, Pädagoge

* 1923, 24.05.
Lowrin/Banat

† 1995, 02.08.
Mühldorf am Inn

Anton Peter Petri ist einer der produktivsten Lokalhistoriker und Volkskundler aus dem Banat. Während sich gerade das erste biographische Lexikon Banater Persönlichkeiten im Druck befindet (es wird ca. 4500 Personen erfassen), ist die Publikationsliste von Anton Peter Petri schon beeindruckend und kaum noch zu überblicken. Von der Siedlungsgeschichte zu den ortstypischen Zeiterscheinungen, von der landwirtschaftlichen zur städtischen und industriellen Lokalgeschichte ist kaum ein Thema dem Forscherfleiß Petris entgangen. Oberstes Gebot war ihm dabei die Aufbewahrung von Tatsachenmaterial, und die einige Dutzende umfassenden Ortsmonographien über Banater Dörfer sind wahre Fundgruben für den sozialgeschichtlich und volkskundlich interessierten Leser.

Die Sprache als ein Spiegel historischer Veränderungen hat Petri von Anfang an beschäftigt. Der Sohn des Gastwirtes und Metzgers Peter Petri aus Lowrin und seiner Frau Marianna, geborener Krämer, hatte zunächst die „Banatia" besucht (1935 -1943), das größte deutsche Schulzentrum in Südosteuropa. Dann wurde Petri Soldat und geriet in Gefangenschaft; 1946 gelang ihm die Flucht nach Österreich und Bayern. Hauptamtlich wirkte Petri, der in München Germanistik, Geschichte und Erdkunde studiert hatte und 1957 zum Dr. phil. promoviert worden war, als Lehrer im bayerischen Schuldienst, von 1963 bis 1964 noch als Abteilungsleiter am Institut für mitteleuropäische Volksforschung an der Universität Marburg/Lahn, von 1964 bis 1981 dann als Studien- und Oberstudienrat in Mühldorf/Inn. Das Schicksal der deutschen Sprache in Südosteuropa hat ihn dabei ununterbrochen beschäftigt. Seine Dissertation war der rheinfränkischen Mundart seiner Heimatgemeinde gewidmet (1956). 1965 erschien Petris Untersuchung über kulturgeschichtliches Wortgut in den Mundarten der Donauschwaben. Auch mit Pflanzen- und Tiernamen in donauschwäbischen Mundarten hat sich Petri auseinandergesetzt (1971), und selbst die deutschen Straßennamen im vortrianonischen Banat waren ein Forschungsschwerpunkt (1975).

An die editorischen Traditionen seines Herkunftsgebietes, des Banats, hat sich Petri erinnert, als er damit begann, eine Buchreihe herauszugeben, die er ausschließlich in Eigenregie gestaltet: in dieser Neuen Banater Bücherei, die es bisher auf 70 Nummern gebracht hat, werden frühere Versuche von Franz Wettel und Felix Milleker fortgesetzt. So ist eine Dokumentation zu zahlreichen Einzelfragen der Banater Geschichte entstanden. Die Rolle der Kirche während der Ansiedlungszeit (Die Jesuiten in der Belgrader Mission, 1985; Bestrebungen des Bischofs Lonovics, in Temeschburg eine Universität zu errichten, 1986), die Herkunftsorte der Siedler (von Neudorf, 1989; Lichtenwald, 1989; Bruckenau, 1990), die Situation von Lehrern, Offizieren usw. werden in der Buchreihe untersucht.

Zu den geschichtlichen und sprachgeschichtlichen Untersuchungen treten solche, die zur traditionellen Volkskunde gehören. Auch indiesen Arbeiten überwiegt das Bewußtsein, daß Bewahren und Sichten die Hauptaufgabe der Wissenschaftler aus den Reihen der ehemaligen Siedler ist. Die Herausgabe der volkskundlichen Arbeiten von Hans Hagel stellt hier einen Beginn dar (1967), donauschwäbische Ortsneckereien werden seit 1969 gesammelt und kommentiert.

Die Tätigkeit Anton Peter Petris als Lehrer, seine Vortragstätigkeit, sein Engagement für die Vertriebenen und seine Initiativen für wissenschaftliche und kulturelle Vereine, die sich mit dem Deutschtum in Südosteuropa beschäftigen, haben sich eingepägt. Für diese vielfältigen Tätigkeiten wurde Petri oft ausgezeichnet: unter anderem mit dem Donauschwäbischen Kulturpreis und mit dem Bundesverdienstkreuz.

Als überzeugter Vertreter eines Siedlerstolzes im Banat, als Chronist der deutschen Kulturleistung im Banat und in Südosteuropa ist der unermüdliche Forscher bis heute am Werk; seine geplante Kulturgeschichte des Banats wird wohl die große Zahl der Einzelpublikationen zu einer Synthese zusammenfassen.

Weitere Werke:Neubeschenowa. Geschichte einer moselfränkischen Gemeinde im rumänischen Banat, Freilassing 1963. – Josef Novak und die Bittschriften an den Kaiser, München 1963. – Die Festung Temeschwar im 18. Jahrhundert, München 1966. – Heimatbuch der Heidegemeinde Lovrin im Banat, Altötting 1979. – Die katholische Normalschule in Temeschwar/Banat (1775 -1844), München 1980. – Heimatbuch der Heidegemeinde Grabatz im Banat, Marquartstein 1982. – Deutsche Mundartautoren aus dem Banat, München 1984. – Heimatbuch der Marktgemeinde Neuarad im Banat, Marquartstein 1985. – Wegweiser zur Geschichte und zur Volkskunde des Banater Deutschtums. Eine Bibliographie, Mühldorf/Inn 1988.

Lit:Hans Diplich (Nachwort): Bibliographie der Veröffentlichungen von Anton Peter Petri. 1953-1968, Mühldorf/Inn 1968. – Matthias Weber: Bibliographie der Veröffentlichungen von Anton Peter Petri, Altötting 1980. – A.P.P., in: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 37 (1988), H. 2, S. 127-131.

Bild:privat (1991)

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