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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Petry, Ludwig

Historiker

* 1908, 03.06.
Alzey/Rheinhessen

† 1991, 25.11.
Mainz

Derin eine Juristenfamilie geborene und in Darmstadt aufgewachsene Ludwig Petry verdient in den „Ostdeutschen Gedenktagen“ deshalb gewürdigt zu werden, weil er denjenigen Persönlichkeiten zuzurechnen ist, die, von auswärts kommend, in Schlesien und seit 1945 außerhalb Schlesiens für die Erforschung der schlesischen Geschichte Hervorragendes geleistet haben. Daß er für die Geschichte des schlesischen Raumes eine derart große Bedeutung gewinnen würde, war am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn nicht vorhersehbar.

Nach Ablegung der Reifeprüfung in Darmstadt bezog Ludwig Petry die Universität Freiburg/Breisgau, wo er das Studium der Geschichte, Germanistik und Kunstgeschichte begann. Er setzte es fort an den Universitäten Gießen, München und Breslau. Den Entschluß, nach Breslau zu gehen, womit für ihn die Beschäftigung mit der schlesischen Geschichte begann, faßte er in Gießen, nachdem er dort seinen für ihn wegweisenden akademischen Lehrer Hermann Aubin kennengelernt hatte. Aubin wirkte, von Bonn kommend, von 1926 bis 1929 in Gießen, als ihn dort ein Ruf der Universität Breslau erreichte. In Breslau, seiner wichtigsten Ausbildungsstätte, promovierte Ludwig Petry 1932 bei Hermann Aubin mit der summa cum laude bewerteten Arbeit „Die Popplau. Eine Breslauer Kaufmannsfamilie des 15. und 16. Jahrhunderts“. Im Jahre 1937 erfolgte die Habilitation, ebenfalls in Breslau bei Aubin. Die Habilitationsschrift trägt den Titel „Breslau und seine Oberherren aus dem Haus Habsburg 1526-1635. Ein Beitrag zur politischen Geschichte der Stadt Breslau“.

Seit seiner Promotion hat Ludwig Petry, durch Krieg und Gefangenschaft unterbrochen, eine Vielzahl von Beiträgen zur schlesischen Geschichte, darüber hinaus zur Geschichte Ostdeutschlands und Osteuropas, verfaßt. Genannt seien seine Untersuchungen „Schlesien und der Mongolensturm (1241)“, 1938; „Breslaus Beitrag zur deutschen Geschichte“ (1941); „Mittelrhein und Schlesien als Brückenlandschaften der deutschen Geschichte“, in: Festschrift für Hermann Aubin (1950); „Der deutsche Osten und die gesamtdeutsche Verantwortung“, in: GWU (1953) und „Der deutsche Osten in unserem Geschichtsbild“, in: Jahrbuch der Rankegesellschaft 1954 (1955).

Doch hat Ludwig Petry nicht nur immer wieder selbst Veröffentlichungen zur Geschichte des ostdeutschen und des osteuropäischen Raumes verfaßt, wobei Schlesien eine zentrale Bedeutung zukam (vgl. hierzu Geschichtliche Landeskunde, Bd. V, Teil l [Festschrift für Ludwig Petry, 1968], dabei stets das die Deutschen und die slawischen Völker Verbindende betonend, sondern hat auch – nach Zwischenstationen in Gießen und Fulda – als a. o. und o. ö. Professor für Mittlere und Neuere Geschichte und Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz von 1950 bis 1973 zahlreiche seiner Schüler veranlaßt, sich in Staatsexamensarbeiten, Dissertations-, Habilitationsschriften und sonstigen Beiträgen mit der Geschichte des ostdeutschen und des osteuropäischen Raumes zu beschäftigen, dabei nicht selten von Schlesien ausgehend. Im gleichen Sinne wirkte und wirkt er zunächst als Mitglied, dann als Vorsitzender der Historischen Kommission für Schlesien sowie als Mitglied bzw. als Vorstandsmitglied des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates.

Vielfalt und Umfang seines Wirkens haben dem engagierten Wissenschaftler und akademischen Lehrer zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen eingetragen. So erschienen zu seinem 60., 65., 70. und 75. Geburtstag Würdigungen in Form von Festschriften, Festgaben und Widmungen. Darüber hinaus wurde er mit der Gerhart-Hauptmann-Plakette, dem Georg-Dehio-Preis und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Zu den wesentlichen Merkmalen der Arbeiten Ludwig Petrys gehört die Akzentuierung der Bindungen und Verbindungen zwischen West- und Ostdeutschland, darüber hinaus zwischen Deutschland und Osteuropa in Geschichte und Gegenwart auf den unterschiedlichsten Ebenen, dabei die Rolle des geschichts- und kulturträchtigen schlesischen Raumes als Brückenlandschaft immer wieder hervorhebend.

Zum Werk Ludwig Petrys vgl.:„Verzeichnis seines Schrifttums“, in: Geschichtliche Landeskunde, Bd. V: Festschrift Ludwig Petry, Teil I (Wiesbaden 1958), S. 294- 311, und „Forschungsbericht Geschichte“ (Forschungsberichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Bd. II, 1974, S. 83-85).

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