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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Pickert, Karl

Journalist, Verleger und Politiker

* 1835, 17.9.
Teltsch

† 1888, 08.10.
Prag

Dr. phil. Karl Pickert war vor allem in Leitmeritz und Lobositz an der Elbe (Böhmen) tätig.

Die Eltern des Bauernsohnes waren Franz Pickert und Franziska, geb. Dietl. Er war mit Maria, geb. Wenzel verheiratet.

Pickert studierte von 1854 bis 1858 an der Karls-Universität in Prag Philosophie. Dort wurde er 1864 zum Dr. phil. promoviert.

Pickert war Mitbegründer des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen und des deutschen Vereins zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. 1866–73 und 1885–88 war Pickert für die deutsche liberale Partei Abgeordneter im Böhmischen Landtag, 1867–71 Landesausschussmitglied, 1870–73 und 1885–88 Abgeordneter des Österreichischen Reichsrats (Fortschrittsklub). 1867 gründete er in Prag die „Deutsche Volkszeitung“, 1871–72 leitete er die neubegründete „Deutsche Zeitung“ in Wien. Ab 1873 in Leitmeritz ansässig entfaltete mit seiner „Leitmeritzer Zeitung“ eine rege journalistische Tätigkeit. 1882 war er Mitbegründer und bis zu seinem Tod Verleger der Zeitschrift „Der deutsche Landwirt“ und Obmann des Verbandes der dt. Journalisten Böhmens.

Dr. Wilhelm Golitschek Edler von Elbwart, hatte 1873 seine Druckerei und die „Leitmeritzer Zeitung“, die damals nur eine ganz kleine Auflage hatte, an Pickert verkauft.

Die 1867 von Pickert gegründete Bilder-Wochenschrift „Deutsche Volkszeitung“ gab den Anstoß zum Aufschwung der Provinzpresse in Böhmen. Pickert brachte die „Leitmeritzer Zeitung“, die er anfangs selbst leitete, bald in Aufschwung. Er betrachtete sie anfänglich nur als unentbehrliches Hilfsmittel zur Erhaltung der Druckerei (Buchdruckerei und Verlag Dr. Karl Pickert GmbH, Leitmeritz/Litoměřice). Später wurde sie für ihn zu einem ertragreichen Besitz. Pickert, der einen ausgesprochen nationalen Standpunkt in der deutschen Politik Österreichs vertrat, nahm an der Gründung des „Deutschen Klub“ im österreichischen Reichsrat und an der damaligen Bauernbewegung herausragenden Anteil; er betrachtete sich als Repräsentant des Volkes, dem er sich mehr verpflichtet fühlte, als seinen eigenen Interessen, seinen materiellen Vorteilen. Die „Leitmeritzer Zeitung“ wurde zum Sammelpunkt der deutschen Politik und der „Deutsche Landwirt“, der sich ausschließlich die Vertretung der Interessen der deutschen Landwirte Böhmens zur Aufgabe setzte, wurde von Pickert unter Mithilfe des jungen Bauernführers Franz Křzepek und des Redakteurs Julius Gierschick herausgegeben.

1879 begann der „Allgemeine Anzeiger für Brauereien, Brennereien und Zuckerfabriken“ bei Pickert zu erscheinen, später umbenannt in „Allgemeine Zeitung für Brauereien, Brennereien und Zuckerfabriken“, mit dem Nebenblatt „Der Hopfenmarkt“, dessen Schriftleiter R. J. Rohr wurde. Vom Oktober 1869 bis Juli 1900 erschien ebenfalls bei Pickert das illustrierte Witzblatt „Der Spottvogel“, mit Fritsch als Herausgeber und Lazarus als Redakteur. Nachdem die Redaktion nach Königgrätz verlegt worden war, ging das Blatt bald zugrunde.

Pickert starb nach langwieriger Krankheit am 8. Oktober 1888 in Prag und wurde am Leitmeritzer Stadtfriedhof beerdigt. Seine Witwe Maria übernahm das Geschäft und führte es weiter.

Nach Gisela Hormayr war die Blattlinie streng national und Pickert beschäftigte sich in zahlreichen Artikeln mit der Situation der deutschen Minderheit im Königreich Böhmen. Deutsche Vereine konnten seiner Unterstützung ebenso sicher sein wie der deutsch-böhmische Journalistenverband. Die von ihm gegründete Zeitung Der Deutsche Landwirt verschaffte den Sorgen der deutschen Bauernschaft Gehör, der sein besonderer Einsatz galt. (Siehe Salzburger Volksblatt, 10.10.1888, S. 1). Für Tetschen und die umliegenden Landgemeinden zog Pickert schließlich 1885 erneut in den Reichsrat ein und bestimmte als Vorstandsmitglied des „Deutschen Clubs“ maßgeblich dessen Rolle innerhalb der deutschliberalen Opposition. Die Abgeordneten des „Deutschen Clubs“ traten für eine „schärfere Tonart“ in der der Vertretung deutscher Interessen im Reichsrat ein. „ZeitgenossInnen“ erinnerten sich an ihn als einen charismatischen Redner von imposanter äußerer Erscheinung, der bei zahlreichen öffentlichen Auftritten scharfe Kritik an Maßnahmen übte, die er als gegen die deutschsprachige Bevölkerung gerichtet ablehnte, so im Januar 1886, als der böhmische Landtag die Finanzierung zusätzlicher tschechischer Volksschulen in deutschen Gemeinden diskutierte (Vgl. Prager Tagblatt, 9.1.1886, S. 1-2. Stenographische Protokolle des böhmischen Landtags, 8.1.1886.)

Nach Pickerts frühem Tod führte Ehefrau Maria, unterstützt von langjährigen Angestellten und politischen Weggefährten ihres Mannes, die Verlagsgeschäfte und die Herausgabe der Leitmeritzer Zeitung erfolgreich fort.

Der Sohn von Dr. phil. Karl Pickert und Maria, geb. Wenzel, war Dr. jur. Karl Ludwig Pickert (*19. April 1874 Leitmeritz, † 09. Dezember 1940 Leitmeritz). Dieser heiratete am 17. Mai 1900 in Leitmeritz Dolores Franziska Johanna Blumentritt, die Tochter des seinerzeit weltbekannten Philippinenforschers und Direktors der Leitmeritzer Oberrealschule Prof. Ferdinand Blumentritt.

Lit.: Gierschick, Julius: Dr. Karl Pickert. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschnationalen Bewegung in Böhmen, Leitmeritz 1913. – ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 36, 1979), S. 63. Zugriff unter: https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_P/Pickert_Karl_1835_1888.xml;internal&action=hilite.action&Parameter=Pickert. – Bohemia vom 9. und 12. 10. 1888. – Paudler, A.: Dr. Karl Pickert, in: Mitth. des Nordböhm. Excursions-Clubs 15, 1892, S. 274 ff. – Knauer. –Harrington-Müller, D.: Der Fortschrittsklub im Abg. Haus des österr. Reichsrats 1873–1910 (= Stud. zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie 11), 1972, s. Reg. (M. Lišková). – https://www.boehmischeverlagsgeschichte.at/boehmische-verlage-1919-1945/karl-pickert/. – Leitmeritz und das böhmische Mittelgebirge. Ein Heimatbuch über den Kreis Leitmeritz in Böhmen, umfassend die Gerichtsbezirke Leitmeritz, Lobositz, Auscha und Wegstädtl. Bearbeitet von Wilfried Brosche mit Beteiligung anderer Mitarbeiter. Herausgegeben 1970 vom Heimatkreis Leitmeritz zu Fulda in der Sudetendeutschen Landsmannschaft. – Hormayr, Gisela: Zwischen Böhmen und Tirol: Zur Geschichte der Familie Pickert aus Leitmeritz. Sudetendeutsche Familienforschung, Band XIV/Heft 5, Regensburg Juni 2017. – Höbelt, Lothar: Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882-1918, Wien 1993, S. 31-32.

Abb.: Dr. phil. Karl Pickert (Foto: Gierschick, 1913)

Dr. Michael Popović

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