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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Plischke, Georg

Kunsthandwerker

* 1883, 17.12.
Neisse/Oberschlesien

† 1973, 16.11.
Unterwössen/Oberbayern

Er war als Meister des Scherenschnittes ein Freudebringer für die Menschen – und zugleich ein schlesisches Original. Georg Plischke wurde am 17. Dezember 1883 in Neisse geboren. Sein Vater war hier Zeichenlehrer am Realgymnasium. Nach der Reifeprüfung studierte er an den Universitäten Breslau und Greifswald Philologie, im besonderen Geschichte und Archäologie. 1908 starb der Vater-Kurz darauf wurde der Sohn zum Dr. phil. promoviert

Er ergriff den Lehrberuf, der ihn aber nicht voll ausfüllte. Bald wandte er sich ganz der bildenden Kunst zu, und rasch muß er erkannt haben, daß nicht Pinsel und Stichel, sondern die Schere sein ureigenes Werkzeug sei. 1912/13 entstehen die ersten druckreifen Schnitte. Am Ersten Weltkriege nimmt er von Anfang bis Ende als Feldartillerist teil; auch das Soldatenleben und im besonderen die Pferde seiner Truppengattung regen seine Kunst an. Nach der Heimkehr gerät er in den Bann der Jugendbewegung, die damals mächtig aufblühte. Ihre Geistesart hatte Plischke für immer geprägt. Aber auch der schlesischen Heimat blieb er treu. Zwar ließ er sich in Zittau in der sächsischen Oberlausitz nieder, besaß aber nach seinen bald durchschlagenden Erfolgen ein Haus im westlichen Iservorgebirge; er bewohnte es mit seiner Schwester und wurde ein begeisterter Kenner des Riesen- und Isergebirges.

1920 hatte er bereits die ersten Baumschnitte erscheinen lassen. Etwa zur gleichen Zeit zeigte der sächsische Kunstverein in Dresden in einer Ausstellung Proben seines Könnens. Auch fand er jetzt in Ferdinand Avenarius den für einen Künstler wichtigen, einflußreichen Gönner, der als Herausgeber der Zeitschrift „Der Kunstwart“ einen Namen hatte. 1925/26 kamen die ersten Bilderbücher für die Jugend mit Scherenschnitten heraus, im Callwey-Verlag des „Kunstwart“: „Vom Osterhasen Schnellebein“ und „Die Reise nach Himmelheim“. Und von 1927 an erschienen jahrein, jahraus bis zum 47. Jahrgang Plischkes „Jahrweiser“. Eigene Verse begleiteten die Schnitte. Auch die Buchstaben werden geschnitten, nicht gesetzt. Groß und immer größer wurde der Freundeskreis. Bald gingen Scherenschnitte des Oberschlesiers in alle Welt. Die schalkhaft-humorvollen Schnitte von Mutter und Kind, Tier, Baum und Pflanze sind mit souveränem technischem Können und zugleich liebevoll-einfühlsam geformt, sprechen jeden an, alt und jung, arm und reich, hoch und niedrig. Sie wandten sich an das Gemüt und trafen das Herz. Es triumphierte die schlesische Besinnlichkeit. Nicht zu unterschätzen ist der Anteil der harmlos-lustigen Verse an dem Erfolg.

1945 wurde der Künstler aus seinem Hause bei Zittau vertrieben, aber schon 1946 baute er seinen Verlag in Unterwössen in Oberbayern wieder auf. Bald gingen Kunstkarten und Jahresweiser wieder ins In- und Ausland. Es war ein Ein-Mann-Verlag. Der Zeuge der unzerstörbaren Lebenskraft der Oberschlesier hat den letzten „Jahrweiser“ im 90. Lebensjahr abgefaßt.

Schwer traf ihn 1971 der Tod seiner Schwester Gertrud. Zwei Jahre darauf folgte ihr Georg Plischke am 16. November 1973; einen Monat vor seinem 90. Geburtstage erlag er einem Darmbluten. Seine eigene Todesanzeige ,für alle, die ihn kannten’ brachte ohne Datum einen Scherenschnitt von ihm, eine entlaubte Eiche mit abgebrochenem Ast. Der Meister einer Kleinkunst war der Abgesang dessen, was sich schwer in Worte fassen, als deutsches Gemüt aber erfühlen läßt.

Lit.: Der getreue Eckart, Wien, 2. Jahrg. 1. Bd. 1924 und 3. Jahrg., Bd. l, 1925; Wilhelm Meridies, Frohsinn als Lebenselixier, Volksbote, München, 24. Dezember 1968; Karl Schindler, Georg Plischke – ein Meister des Scherenschnitts, Unser Oberschlesien, Wiesbaden, 1. September 1979, Nr. 17.

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