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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Plüddemann, Hermann

Maler

* 1809, 17.07.
Kolberg/Pommern

† 1868, 24.06.
Dresden

Am 17. Juli 1809 wurde Hermann Freihold Plüddemann als Sohn eines Kaufmanns und Reeders in Kolberg/ Pommern geboren. Franz Schnorr von Carolsfeld berichtete, er sei 1819-1822 Zögling der Erziehungsanstalt in Gnadenfeld gewesen und hätte dann bis 1828 das Gymnasium in Magdeburg besucht. Dort hätte er ersten Unterricht bei dem Maler Sieg erhalten.

Von 1829-1831 lernte und arbeitete Plüddemann im Atelier von Karl Begas in Berlin. Er fand Kontakt zu dem Danziger Robert Reinick und zeichnete den Karton Die Hinrichtung Conradins von Schwaben, der 1830 in der Berliner Kunstakademie ausgestellt wurde. Ob er in Berlin die Kunstakademie besuchte oder nur bei Begas, der an der Kunstakademie lehrte, arbeitete, ist nicht überliefert. Offensichtlich eignete er sich bei Begas eine beachtliche Fertigkeit in Komposition und Ölmalerei an.

1831 bezog Plüddemann zusammen mit Robert Reinick die Düsseldorfer Kunstakademie, die durch die Reformen von Wilhelm v. Schadow zu den progressivsten nicht nur in Preußen, sondern in Deutschland zählte. Plüddemann gehörte zum Freundeskreis um Carl Friedrich Lessing, Julius Hübner und Heinrich Mücke.

1833 malte Plüddemann eine Loreleynixe, die vom Kunstverein für Rheinland und Westfalen erworben wurde. Dieser Kunstverein kaufte auch das 1834 in der Berliner und 1835 in der Düsseldorfer Kunstakademie ausgestellte Werk Karl der Große und Erzbischof Turpin trauernd an der Leiche Rolands bei Roncesvalles 778.

Mit dem von Plüddemann signierten und datierten Gemälde (H. Plüddemann, Düsseldorf, 1836) Die Entdeckung Amerikas gelang dem Maler ein allseits beachtetes Werk. Er verstand es, eine wohl komponierte Figurenszene in qualitätvollem Farbauftrag mit der Darstellung von Emotionen zu vereinen. Christoph Kolumbus lehnt am Mast im Dankgebet beim Anblick des ersehnten Landes versunken während die Mannschaft durch Gesten der Freude, Land zu sehen, Ausdruck verleiht. Durch das Netz von Seilen der Takelage und den Ausblick auf das Meer, erreichte Plüddemann raffinierte Tiefenwirkung. Der Künstler wählte ein vergleichsweise moderates Format (120 x 142 cm). Das Bild wurde mit der Wagnerschen Sammlung von der Berliner Nationalgalerie erworben, ging 1939 als Leihgabe in die Städtischen Sammlungen in Kolberg und ist heute verschollen.

An den großen Erfolg der Entdeckung Amerikas anknüpfend, zieht sich das Thema „Kolumbus“ wie ein roter Faden durch Plüddemanns Oeuvre. Es entstanden:Tod des Kolumbus (1840), ausgestellt 1840/41 in Prag und Frankfurt; Festlicher Einzug des auf einem Schimmel reitenden Kolumbus in Barcelona (1842); Kolumbus an der Pforte des Klosters La Rabida (1845). Mit der von diesem Bild 1845  veröffentlichten Radierung erreichte Plüddemann ein breites Publikum und zugleich Popularität und hohes Ansehen in der Kunstwelt, auch in Amerika. 1847 schuf er ein kleines Bild Der Kampf zwischen Spaniern und Indianern, ausgestellt 1848 in Dresden und 1848 Kolumbus und seine Brüder, in Ketten von Amerika nach Spanien gebracht, treten bei Cadix an Land. Das Bild wurde im gleichen Jahr in Dresden präsentiert. Der Künstler griff das Kolumbus-Thema auch in mehreren Aquarellen auf: Dem Kolumbus wird das Urteil verkündet und Boabdill lässt Kolumbus in Ketten legen, ausgestellt in Dresden 1854. Das wohl letzte Ölgemälde dieses Themas entstand um 1860: Kolumbus im Disput mit der gelehrten Junta von Salamanca.

1837 wurde Plüddemann Meisterschüler von Wilhelm von Schadow und gehörte der Meisterklasse bis 1846 an. Er widmete sich ausschließlich dem Historienbild.

Das Thema „Kreuzritter“ bearbeitete Plüddemann in dieser Zeit mehrfach. Ein kleines Ölgemälde (26 x 29 cm) zeigt Gottfried von Bouillon in der Schlacht bei Askalon. Selbst das kleine Format lässt die Monumentalität der Komposition erkennen, den Detailrealismus, eine überlegte Lichtführung und Farbperspektive. Es gehört zu den Entwürfen für einen Fries mit Darstellungen aus den Kreuzzügen, an denen Plüddemann um 1837 arbeitete. Ein Aquarell gleichen Themas, 1837 datiert, wurde in Dresden 1877 posthum in der Ausstellung „Aquarelle und Handzeichnungen neuerer Künstler“ gezeigt. 

1838 bestellte der Kunstverein für Rheinland und Westfalen das Bild Das Ende Conradins. Der letzte Hohenstaufer mit seinem Freund Friedrich von Schwaben auf dem Blutgerüst zu Neapel 1268. Es wurde 1839 im Kunstverein in Frankfurt mit großem Erfolg ausgestellt. Offensichtlich befand es sich lange im Besitz des Künstlers, denn 1863 wurde es in der Dresdner Kunstakademie und ein Jahr später in der Berliner Kunstakademie gezeigt. Als Geschenk der Erbin Heilfriede Plüddemann gelangte es in das Stadtmuseum von Stettin.

Während Plüddemann am Anfang seiner Karriere nur Ölgemälde schuf und sie durch sorgfältig ausgeführte Zeichnungen und Aquarelle vorbereitete, drängte  Schadow den Meisterschüler zum Fresko.

Von 1839 an beteiligte sich Plüddemann an der Fertigstellung der Fresken für den Gartensaal des Schlosses Heltorf. Carl Friedrich Lessing hatte 1828 den Vertrag für die Ausmalung des Schlosses mit Graf Spee geschlossen und das Mittelbild, Die Schlacht bei Iconium, 1830 eigenhändig vollendet. Die Fresko-Technik behagte Lessing wenig und er überließ die weitere Arbeit seinen Kollegen Carl Stürmer, Heinrich Mücke und Hermann Plüddemann. Nach Lessings Entwurf  und einem Ölgemälde Lessings führte Plüddemann das Fresko Herzog Friedrich von Schwaben bei der Erstürmung von Iconium 1190 aus und vollendete 1841 nach eigenem Entwurf das Fresko Die Auffindung der Leiche Barbarossas am Calycadnus.

1839 beteiligte er sich auch am Wettbewerb zur Ausmalung des Aachener Rathauses. Es hat sich ein kleines Ölgemälde (23 x 118 cm) erhalten Karl der Große als erster Gesetzgeber und Stifter der Kultur, das als Entwurf für ein Wandbild diente. Dabei überrascht die exakte Gesamtkomposition, die Farbigkeit und Atmosphäre, die in dem kleinen Format eingefangen sind.

Ab 1843 führte Plüddemann zusammen mit Joseph Fay, Lorenz Clasen und Heinrich Mücke Fresken im Großen Rathaussaal zu Elberfeld aus. Er schuf das Fresko Das Mittelalter: Blüte des Lebens deutscher Stände. Die Fresken wurden 1945 zerstört.

1845 vollendete Plüddemann das Ölgemälde Barbarossas Tod 1190. Es ist signiert und datiert. Mit der Größe von 164 x 194 cm ist es etwas größer als Die Entdeckung Amerikas, erreicht jedoch nicht das für Historienbilder der Düsseldorfer Schule zu dieser Zeit übliche Maß, was aber der Qualität und Wertschätzung keinen Abbruch tat. Das Bild gelangte durch Schenkung Plüddemanns Tochter in die Hamburger Kunsthalle, kam 1939 als Leihgabe in die Städtischen Sammlungen in Kolberg und ist nicht mehr auffindbar.

Plüddemann hatte sich mit seinen Historienbildern und Fresken einen Namen gemacht und war unter Kritikern und Fachkollegen hoch geschätzt. 1848 erhielt er einen Ruf an die Dresdner Kunstakademie, den er annahm, bedeutete dies doch ein sicheres Familieneinkommen. Über seine Lehrtätigkeit ist kaum etwas bekannt.

1849 malte er das durchaus kritische Historienbild Der Acker der Elenden. Dargestellt ist, wie Ludwig der Eiserne, Landgraf von Thüringen, widerspenstige Vasallen, ins Joch gespannt, einen Acker umpflügen lässt. Das Bild wurde 1850 in der Akademieausstellung in Dresden präsentiert und erhielt für die Malerei gute Kritiken.

Das Bild Kreuzfahrer von Kampf und Hitze ermüdet, kommen an eine Quelle (1850) ist quasi das Gegenstück zu der Kampfszene Gottfried von Bouillon in der Schlacht bei Askalon (1837). Der freundschaftliche Kontakt zu Carl Friedrich Lessing ist spürbar. Dieser hatte 1835 einen ermüdet heimkehrenden Kreuzritter gemalt und griff  das Thema 1863 in dem Gemälde Kreuzfahrer in der Wüste Wasser findend auf. Die Bilder dokumentieren, dass beide Maler die Kreuzzüge und das Mittelalter nicht einseitig verherrlichten, sondern  ein durchaus realistisches und aufgeklärtes Bild davon zeichneten. Sorgfältige historische Recherchen lagen den Werken zugrunde. Detailbesessenheit, gekonnte Lichtführung, sorgsam studierte Bewegungen und Gesten der Figuren, ein auf Naturbeobachtungen basierendes landschaftliches Umfeld und eine perfekte, lasierende Malerei machen die Qualität der Bilder aus.

1853 war in der Dresdner Akademieausstellung Kampf mit dem Drachen zu sehen. In den 1860er Jahren malte Plüddemann eine Reihe „Disputationen“, großformatige Ölgemälde, die sich auf die Gestik und Anordnung historischer Personen konzentrieren. 1860 wurde in Dresden das GemäldeFriedrich Barbarossa schlichtet auf dem Reichstag zu Besançon 1157 den Streit der Parteien ausgestellt, das signiert und datiert ist (H. Plüddemann, 1859) und mit einer Größe von (157 x 243) zu Plüddemanns größten Bildern zählt. Diese Werkgruppe setzt sich fort mit dem bereits erwähnten Bild Kolumbus im Disput mit der gelehrten Junta von Salamanca (um 1860) und Luther auf dem Reichstag in Worms (1867).

Neben Fresken und Ölgemälden schuf Hermann Plüddemann ein beachtliches grafisches Werk. Er lieferte Randzeichnungen zu Robert Reinickes Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde (1837),  Zeichnungen zu Deutsche Sagen – in Kupfer gestochen von Steifensand, erschienen 1840 in Frankfurt. Die Deutsche Geschichte in Bildern- Holzschnitte mit Text von F. Bühlau (1855), wurde zum Bestseller und erlebte bereits 1864 eine zweite Auflage. Ebenso erfolgreich war Deutsches Balladenbuch mit Holzschnitten nach Zeichnungen von … Hermann Plüddemann, L. Richter, Leipzig 1852. Die Illustration zu Goethes Erlkönig zeigt, dass Plüddemann sensibel die Ballade interpretieren konnte, kraftvoll und mit viel bildnerischer Phantasie. Zu erwähnen sind die Einzelblätter, Radierungen und Holzstiche, die er von seinen Ölgemälden anfertigte wie Kaiser Heinrich IV. in Canossa oder Wallenstein und Seni.

Plüddemann war nicht nur Historienmaler und Grafiker, sondern auch ein guter Porträtist. Besonders in Dresden sind mehrere qualitätvolle Porträts entstanden.

Am 24. Juni 1868 starb Hermann Plüddemann in Dresden und wurde auf dem Alten Annenfriedhof  beigesetzt. Ein imposantes Grabmal erinnert an den Künstler, dessen Werk kaum noch bekannt ist, denn viel ging im 20. Jahrhundert verloren und ist verschollen.

Lit.: F. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig 1898, Bd. 3, S. 290f. – Franz Schnorr von Carlosfeld, Plüddemann, Hermann, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 26, Leipzig 1888, S. 323f. – Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule, Leipzig 1995. – Ekkehard Mai, Hermann Freihold Plüddemann – Maler und Illustrator zwischen Spätromantik und Historismus (1809-1868). Ein Werkverzeichnis, Köln 2004, darin Literaturverzeichnis.

Idis B. Hartmann

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