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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Poppe, Richard

Pädagoge, Jugendpfleger

* 1884, 02.08.
Halle/Saale

† 1960, 27.12.
Credlingen/Tauber

„Sein Ideal war ein der Gemeinschaft verpflichteter, aber nicht der Masse verfallener Mensch.“ So schrieb über den einstigen Lehrer einer seiner Schüler, und er hat damit die ganze Breite und Tiefe einer Persönlichkeit umschrieben, die über viele Jahrzehnte hinweg im schlesischen Grenzland für Jugend und Volkstum beispielgebend tätig war: Richard Poppe, nach dem Ersten Weltkrieg erster Bezirksjugendpfleger in Breslau und Gründer des Jugendhofes Hassitz auf der Höhe vor Glatz.

Richard Poppe stammte zwar aus Halle an der Saale, wo er am 2. August 1884 geboren wurde, ging aber schon 1910 nach Schlesien, als junger Oberlehrer der deutschen Sprache und des Lateins. Sein Streben war hier über die Schule hinaus darauf gerichtet, die Jugend zu Natur und Kultur, zum Wandern, zu echtem Volksgesang und Volkstanz, zu Volkssprache und Volksbrauch zu führen. Dank seiner Tatkraft entsteht im Bezirk Breslau das Jugendherbergswerk. Seine großartigste Leistung freilich ist der „Jugendhof Hassitz“, wo ein ehemaliges Pflanzgut zu einer im wörtlichen wie übertragenen Sinne fruchtbaren Pflanzstätte ausgebaut wurde, aus der nach dem Willen Poppes ein neues Menschentum entstehen sollte. Als Symbol hierfür galt die Orgel „Ver sacrum“ („Heiliger Frühling“) in der Festhalle, die einmal eine Scheune war. Der Geist des Jugendhofes wurde in erster Linie von dem „neuen Singen“ bestimmt, das aus den Singwochen Walther Hensels hervorgegangen war. Richard Poppe hatte im Jahr 1923 die „Ursingwoche“ in Finkenstein in Nordmähren und dort eben jenen aus Mährisch-Trübau stammenden Walther Hensel (1887-1956) als eine mitreißende geistige Macht erlebt. Schon bald danach, im August 1923, wagt Poppe die erste Singwoche im Deutschen Reich, und zwar in Gnadenfrei, einem Ort der Brüdergemeinde im Kreise Reichenbach. Von hier gingen mit den 70 Teilnehmern die Begeisterung und der Mut zu einem neuen Lebensgefühl weit in die Lande hinaus, vor allem in die studentischen Gemeinschaften, und hier vornehmlich in die akademischen Sängerschaften, denen Poppe schon seit seinem Studium in Halle und Tübingen angehörte. Die Singbewegung dehnt sich unter seinem Drängen und Werben von Schlesien in das ganze deutsche Sprachgebiet aus, weiter auf die Schweiz, auf Holland und bis nach Finnland hinauf. Grenzlandsingwochen in Oberschlesien und im Sudetenland, auch in Ostpreußen, geben immer neue Anregungen und Begegnungen. Dem rastlos umherreisenden Rufer und Mahner verursacht ein schwerer Autounfall im Dienste seiner Idee zwar Schmerzen und Behinderungen, aber auch nach Krieg und Vertreibung versucht er, jetzt von Creglingen an der Tauber aus, wo er eine Zuflucht gefunden hat, und in Tübingen, wo er die jungen Studenten erneut um sich schart, seine alten Ideale weiter zu predigen. Mit der Herausgabe von Rundbriefen, die das Zeichen des „Ver sacrum“, den knorrigen Baum mit den sich verzweigenden Ästen, tragen, hält er die Verbindung zu den „Finkensteinern“ von einst, bis ihn nach schweren Operationen am 27. Dezember 1960 in Creglingen der Tod erlöst.

Ein großer Kreis der alten Freunde aus Schlesien, Hessen, Schwaben und Bayern gab dem Toten am 30. Dezember das letzte Geleit. Wilhelm Menzel (1898-1980), der schlesische Liedersänger und Mundartsprecher, der ihn einen „getreuen Eckart der schlesischen Jugend“ nannte, sagte in seinem Nachruf: „Sein Werk lebt, Tausende und Abertausende verkörpern es und danken ihm tief für seine heute so seltene Freundesliebe.“

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