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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Prill, Felician

Diplomat

* 1904, 09.01.
Konitz/Westpr.

† 1981, 14.07.
Bonn

Als Sohn des Bürovorstehers Ferdinand Prill und dessen Ehefrau Martha, geb. Semrau, wurde Felician Antonius Karl Prill am 9. Juni 1904 in Konitz geboren. Sein Abiturientenexamen bestand er nach der Versailler Grenzziehung, die seine Vaterstadt von Deutschland abgetrennt hatte, 1922 in Zoppot. Daran schloß sich ein Studium der Rechte und der Staatswissenschaften in Jena, Würzburg und Köln an. Noch vor der großen juristischen Staatsprüfung 1929 wurde er im Jahre 1928 zum Doktor beider Rechte an der Universität Jena promoviert. Nach Danzig geht Prill als Gerichtsassessor, wo er schließlich mit 27 Jahren Chef der Kreisverwaltung des Kreises Danziger Höhe wird und dieses Amt bis 1933 ausübt. Es folgt eine mehrjährige Tätigkeit als Referent und Regierungsrat bei der Finanzverwaltung Danzig, bis er 1940 in der gleichen Eigenschaft zur Finanzverwaltung Magdeburg versetzt wird. Aber schon ein Jahr später wird auch Prill Soldat (Luftwaffe). Das Leben eines Kriegsgefangenen lernt er bei den Amerikanern und Franzosen kennen, die ihn aber schon 1946 nach Magdeburg entlassen. Dort wird er Oberregierungsrat und Vorsteher der Vereinigten Finanzämter. Doch der Finanzfachmann verläßt die Sowjetzone und wird schließlich im Jahre 1948 Generalreferent für das gesamte Besoldungswesen in der Verwaltung für Finanzen des vereinigten Wirtschaftsgebiets und nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Bundesministerium der Finanzen in Bonn. Seine Beförderung zum Regierungsdirektor erfolgt 1949 und ein Jahr später zum Ministerialrat. Prill nimmt 1951 in Paris als Mitglied der deutschen Delegation des Interimsausschusses an den Verhandlungen zur Schaffung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft teil. Dort lernt er die europäische Ebene kennen, und dabei wird er von der Notwendigkeit überzeugt, ein Vereinigtes Europa zu schaffen. In der Nähe Konrad Adenauers, in seinem Beraterstab, wird er zum glaubwürdigen Europäer. Das schließlich negative Ergebnis der EVG-Verhandlungen bestärkt ihn nur in seiner Überzeugung. Daher ist es nicht verwunderlich, daß Felician Prill bald darauf unter Beförderung zum Ministerialdirigenten in das Auswärtige Amt überwechselt. Seine ganze Statur, seine sensible und vornehme Art prädestinieren ihn als Diplomaten. 1956 geht er für vier Jahre als deutscher Botschafter nach Dublin (Irland). Von 1960 bis 1967 ist er Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat in Straßburg. Der Artikel l der Satzung der Institution lautet: „Eine engere Vereinigung seiner Mitglieder zum Schutz und zur Förderung der Ideale und Prinzipien, die ihr gemeinsames Erbe sind, und zum Besten des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts.“ Das ist auch Prills Maxime. Anschließend vertritt er noch einmal bis 1969 die Bundesrepublik Deutschland als Botschafter in Irland. Kurz nach der Versetzung in den Ruhestand läßt er sich in den Bundesvorstand der Landsmannschaft Westpreußen wählen und übernimmt 1972 das Amt des Bundessprechers bis 1978. Mit dem Weltbild des aus Thorn stammenden Nicolaus Copernicus eng verbunden, gehörte er dem Kuratorium der Gesellschaft zur Vorbereitung des Nicolaus-Copernicus-Jahres 1973 e.V an.

Botschafter Dr. Prill war ein sozial denkender und aus christlicher Überzeugung sozial handelnder Mensch gewesen. Mit seiner Heimat Westpreußen fühlte er sich stets eng verbunden, für die er auch als Diplomat eintrat. Felician Prill hat sich wirklich um Deutschland verdient gemacht, was durch die Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wurde. Neben anderen Auszeichnungen war der Botschafter Inhaber des Großkreuzes mit Stern und Schulterband des Souveränen Malteser Ritterordens und der Dunoso Cortés Medaille der Spanischen Regierung.

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