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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Proskauer, Curt

Zahnheilkundler

* 1887, 24.10.
Breslau

† 1972, 20.03.
New York

Curt Proskauer wurde am 24.10.1887 in Breslau geboren. Er suchte das dortige Friedrich-Gymnasium und immatrikulierte sich 1906 für Zahnheilkunde an der Universität Breslau. Nach achtsemestrigem Studium, davon ein Semester in Berlin, legte er 1909 das Staatsexamen ab, um noch im selben Jahr als Assistent von Gustav Hesse nach Jena zu gehen. 1911 ließ er sich in seiner Vaterstadt als Zahnarzt nieder. Schon während des Studiums interessierte er sich besonders für die Geschichte der Zahnmedizin und Zahnärzte – eine Thematik, der damals kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde, der aber Proskauers Lebenswerk gelten sollte. So gab er 1913 einen ersten Band zur „Kulturgeschichte der Zahnheilkunde“ heraus, betreute 1919 bis 1923 die historische Sammlung des Zahnärztlichen Instituts der Breslauer Universität. Nach Einführung des Dr. med. dent. promovierte er 1920 über „Die Zahnarzneikunst des Breslauer Stadtarztes Matthaeus Gottfried Purmann (1648 bis 1711)“ und legte sechs Jahre später sein Hauptwerk „Iconographia odontologica“ vor, eine Bildgeschichte der Zahnmedizin von der Antike bis zur Gegenwart. 1927 wurde er Direktor des Reichsinstitutes für Geschichte der Zahnheilkunde des Reichsverbandes der Zahnärzte Deutschland, der 1928 die umfangreiche zahnärztlich-historische Sammlung Proskauers erwarb.

Als Jude mußte er 1933 aus dem Institut ausscheiden, wurde ins Abseits gedrängt, kam nach Buchenwald. 1939/40 gelang ihm mit seiner Familie über Italien die Auswanderung nach den USA, wo er schon bald verschiedene Forschungsaufträge erhielt.1940 wurde er Mitglied der Academy of Medicine in New York, 1946 Consulting Editor des „Journal of the History of Medicine and Allied Sciences“. Von 1950 bis 1965 war er als Kurator des Charles H. Land Museum of the School of Dental and Oral Surgery der Columbia University in New York tätig.Proskauer veröffentlichte auch nach seiner Emigration zahlreiche Aufsätze zur Geschichte der Zahnmedizin, z.T. auch weiterhin in deutschen Zeitschriften. 1962 erschien sein letztes größeres Werk, die „Bildgeschichte der Zahnheilkunde“, das er zusammen mit seinem Jugendfreund F. H. Witt verfaßte. Am 20.3.1972 verstarb er in New York.

Curt Proskauer hat auf dem Gebiet der Geschichte der Zahnmedizin Grundlegendes geleistet, wobei sein besonderes Interesse der bildlichen Darstellung zahnärztlicher Tätigkeit galt. Er erlangte zahlreiche Ehrenmitgliedschaften und Auszeichnungen, die ihn als den zu seiner Zeit führenden Historiker auf dem Gebiet der Geschichte der Zahnmedizin würdigten.

Werke:Die Bedeutung der Wassermannschen Reaktion für die Zahnheilkunde. Leipzig 1912; Die Zahnarzneikunst des Breslauer Stadtarztes Matthaeus Gottfried Purmann (16481711), Leipzig 1921; Iconographia odontologica. Berlin 1926, ND Hildesheim 1967; Soll ich Zahnarzt-Zahnärztin werden? Minden i. W. 1929; Bildgeschichte der Zahnheilkunde. Zeugnisse aus 5 Jahrtausenden. Köln 1962 (mit F. H. Witt). – Herausgeber mehrerer Reihen. – Etwa 75 Aufsätze in verschiedenen Fachzeitschriften.

Lit.: F.H. Witt, Dr. Curt Proskauer zur Vollendung des 75. Lebensjahres, in: Zahnärztliche Mitteilungen 52,1962, S. 1140 (mit Porträt); ders., Dem achtzigjährigen Dr. Curt Proskauer, in: ebd. 57, 1967, S. 989 (mit Porträt); P. Hauser, Die Verdienste von Dr.Curt Proskauer um die Erforschung der Geschichte der Zahnheilkunde. Gedanken anläßlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres, in: ebd., S. 1000-1003; K. Maretzky, Curt Proskauer +, in: ebd. 62, 1972, S. 486; D.M. Schullian, Curt Proskauer, 1888-1972, in: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences 27, S. 331; P. Hauser, In memoriam Dr. Curt Proskauer. Mit einer Bibliographie Werke und Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Geschichte der Zahnheilkunde, in: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift 27, 1972, S. 922-926.

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