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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Quast, Johann Zacharias

Porzellan- und Glasmaler

* 1814, 23.10.
Pirkenhammer bei Karlsbad/Böhmen

† 1891, 09.08.
Pisek/Böhmen

Der als der bedeutendste Porzellan- und Glasmaler des 19. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangene Johann Zacharias Quast erhielt seine erste berufliche Ausbildung durch seinen Vater Konrad Ferdinand Quast, einen ebenfalls bekannten Porzellanmaler, der aus Ansbach/Mfr. stammte, im Jahre 1809 nach Böhmen ausgewandert war und 1836 ein eigenes Atelier in Prag eröffnet hatte. Nachdem Johann Zacharias durch seinen Vater „umfassend" ausgebildet worden war, begab er sich nach Leipzig, wo er von 1833 bis 1834 bestrebt war, sein Können zu vervollständigen. Eine weitere Station seiner beruflichen Weiterbildung war Dresden, wo er sich 1834 aufhielt. Mehrteils allerdings weilte er in Meißen, wo im Anschluß an die Erfindung Johann Friedrich Böttgers seit 1710 Porzellan hergestellt wurde. Hier machte er sich mit den „Finessen der Porzellanmalerei" vertraut. Das Jahr 1835 verbrachte er in Wien, 1836 bildete er sich in Bamberg und Nürnberg weiter. Noch im gleichen Jahr kehrte er nach Prag zurück, wo er nach dem Besuch der Prager Kunstakademie in das Atelier seines Vaters eintrat. 1843 heiratete er Susanne Dechant, die Tochter eines zu Prag arbeitenden Posamentierers. Nach dem Tod seines Vaters 1845 übernahm er dessen Atelier, was ihn aber nicht daran hinderte, ein eigenes Atelier zu eröffnen, und zwar in der Prager Neuen Allee 984. Vom Beginn seiner beruflichen Laufbahn an widmete er sich insbesondere der Miniaturmalerei. Sein Arbeitsfeld ist durch ihn auf einem ovalen Täfelchen einmal folgendermaßen skizziert worden: „Johann Quasi, Porzellan-Schmelz und Portraitmaler. Derselbe empfiehlt sich mit seinen Schmelz Malereien, nämlich in Portraits, Figuren, Jagdstücken, Landschaften und Blumen, wie auch Wappen, Decorationen und Schriften, ebenso glaubt derselbe seine den schönsten französischen und den besten Fabriken ganz gleiche schöne und dauerhafte Vergoldung auf Porzellan, wie auch Portraits in Aquarell besonders erwähnen zu dürfen. Auch übernimmt derselbe einzelne Stücke sowohl als auch ganze Service zur Herstellung der abgenutzten Vergoldung.“

Quast leistete auf seinem Arbeitsgebiet Ausgezeichnetes, weshalb er zum gesuchtesten Porzellanmaler seiner Zeit wurde. Wie vielfältig sein Schaffen war, geht daraus hervor, daß er sich neben der Miniaturmalerei, die vor allem an Porträts orientiert war, dem Bemalen von Porzellanplatten, Porzellantellern und Porzellanvasen widmete. Die Porzellanplatten pflegte er mit Schmetterlingen, Insekten und Käfern in leuchtenden Farben zu versehen. Wegen ihrer hohen künstlerischen Gestaltung waren sie derart geschätzt und begehrt, daß sie gefälscht wurden.

Sein geradezu perfektes Können trug Quast hohe Anerkennung ein. So wurde er 1851 auf der Londoner Weltausstellung für seine Exponate mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Und hoher Respekt wurde auch denjenigen seiner Arbeiten gezollt, die er 1854 auf der Allgemeinen deutschen Industrieausstellung in München und 1866 in Dresden zeigte.

Nachdem er um die Jahrhundertmitte mit der Malerei von Kirchenfenstern begonnen hatte, war er auf der Wiener Weltausstellung von 1873 mit transparenten Glasbildern und Glasfenstern vertreten. Der Porzellanmalerei tat sein neues Betätigungsfeld keinen Abbruch. Noch in seinem siebten Lebensjahrzehnt zeichneten sich die durch ihn bemalten Platten, Teller und Vasen durch Virtuosität und Farbenpracht aus. Hingewiesen sei auch darauf, daß Quast die Email-Porträtmalerei in Böhmen heimisch machte. Vor ihm war sie dort unbekannt gewesen. – Fast ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod, im Jahre 1938, wurde in Pirkenhammer eine Straße zur Erinnerung an den berühmten Sohn der Gemeinde benannt.

Werke: Glasgemälde für die Schloßkapelle Kaiser Ferdinands in Reichsstadt; 5 große Glasgemälde für das Schloß des Fürsten Rohan in Sichrow; verschiedene große gemalte Fenster für den Veitsdom in Prag; große gemalte Fenster für den Dom in Königgrätz; Glasgemälde für die Kirche in Karlsbad; Glasgemälde für die Kirche in Pirkenhammer; für die Barbarakirchein Kuttenberg. – Malereien auf Porzellan: Staatsgemäldesammlung München; Stadtmuseum Pisek; Kunstgewerbemuseum Prag; Westböhmisches Museum Pilsen; Markgrafenmuseum Ansbach/Mfr.

Lit.: Bohemia v. 15.11.1856. – A. Seubert: Allgemeines Künstlerlexikon oder Leben und Werke der berühmtesten und bildenden Künstler (1878). – E. Leisching: Die Bildnis-Miniatur in Österreich (1907). Bohemia, Zeitung Nr. 219 v. 12.8.1891. – E. Lemberger: Die Bildnis Miniatur in Deutschland (1909). – H. Meyer: Böhmisches Porzellan und Steingut (1927). – A. Rudolf: Johann Zacharias Quast, ein berühmter Porzellan- und Glasmaler aus Pirkenhammer 1814-1891, in: Karlsbader historisches Jahrbuch (1940); Karlsbader Badeblatt 3.4 (1960); Karlsbader Zeitung v. 29.9.1966. –Keramik Freunde der Schweiz. Mitt. Blatt Nr. 75 (Dez. 1967). – W. Neuwirth: Porzellanmaler-Lexikon 1840-1914, Bd.II: K-Z (1977). – Egerländer Biografisches Lexikon mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Reg.-Bez. Eger, Bd. 2 (N-Z), Bayreuth 1987.

Bild: Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek Wien

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