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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Rothe, Johann Andreas

Pfarrer, Schriftsteller, Liederdichter

* 1688, 12.05.
Lissa bei Görlitz

† 1758, 06.07.
Thommendorf bei Bunzlau/Schlesien

Der „kraftvolle Erweckungsprediger“ und nach dem Urteil seiner Zeit angesehene Liederdichter der Oberlausitz war Sohn des Pfarrers Aegidius Rothe und dessen Ehefrau Katharina, geb. Pfeiffer. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Görlitz wechselte er an das Breslauer Marien-Magdalenen-Gymnasium in Breslau. Ab 1708 studierte er evangelische Theologie in Leipzig, um 1711 in das Predigerkolloquium der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche, eine Art Predigerseminar für stellungslose Kandidaten, einzutreten. Mitte September 1721 lernte der junge Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760) den Magister Rothe kennen, der mit 33 Jahren trotz des großen Zulaufs, den seine Predigten als Kandidat in Görlitz fanden, und der bereits literarisch hervorgetreten war, immer noch kein Pfarramt erhalten hatte und als Hauslehrer auf dem Gute Niederleuba bei Ostritz des pietistisch geprägten Landältesten des Fürstentums Görlitz, Hans Christoph von Schweinitz (1645-1722), tätig war.

Diese Begegnung, veranlasst durch die Herzogin von Wolfenbüttel, die einen Hofkaplan suchte, sollte von weitreichender Bedeutung werden. Vor allem durch Rothe kam die für Herrnhuts Anfänge so bedeutsame Verbindung zu dem Görlitzer Mag. Melchior Schäfer zustande und durch diesen wiederum zu dem Mähren Christian David (1672-1751). Zinzendorf fand zu dem geistig bedeutenden und doch so bescheidenen Lutheraner Rothe – er nennt ihn einmal summe pacificus – spontan eine große Zuneigung, was wiederum Verstimmungen bei seinem reformierten schweizerischen Hofmeister Heitz in Hennersdorf hervorrief. Die konfessionellen Differenzen waren allerdings nach dem Wegzug des Hofmeisters im August 1723 nicht aus dem Wege geräumt. War eine geplante Anstellung Rothes in der Residenzstadt während Zinzendorfs Tätigkeit am Dresdener Hof auch nicht zustande gekommen, so ergab sich mit der Berufung auf die vakant gewordene Pfarrstelle in Berthelsdorf am 19. Mai 1722 die Möglichkeit engster Zusammenarbeit mit dem Patronatsherrn.„An mir sollt ihr mehr einen treuen Gehilfen und lieben Bruder als einen Patronum haben“, versicherte der Graf bei der Amtseinführung. Bereits nach der Probepredigt am 17. Mai 1722 erwähnte er lobend: „Lutherus, Spener, Francke und Schwedler waren mit allen ihren Gaben in seiner Person beisammen. Er war keinem Bauern zu dunkel und keinem Philosopho zu seichte.“ Er charakterisierte ihn auch als„grundgelehrt, einen großen Didactus, einen exelenten Schulmann“. Das lag auch durchaus im Interesse Zinzendorfs in Verbindung mit seinen Plänen der Errichtung eines Waisenhauses nach Franckeschem Vorbild an dem für die Exulanten vorgesehenen Ort, zu dessen Anbau am 17. Juni 1722 der erste Baum gefällt wurde. Mit der Kanzelabkündigung Rothes im Jahre 1724 erhielt dieser Ort endgültig den Namen „Herrnhut“. Am 1. Dezember 1722 heiratete Rothe die Tochter eines Verwandten, des verstorbenen Pastors von Rothenburg, Julia Concordia Rothe.

Als Pastor der evangelisch lutherischen Landeskirche hatte er in Leipzig den Eid auf die symbolischen Bücher abgelegt und sich durch seine Ordination verpflichtet, über die reine Lehre zu wachen. Zinzendorf bekannte dem gegenüber, dass ihm die„articuli Dissensus“ immer weniger bedeuteten. Und er spricht von„dem großen Verderben“, den die „Interpretationes et additiones humanae“ versacht hätten. Hier zeigen sich unüberbrückbare Gegensätze, die von Anfang an die Beziehungen zu der sich formierenden Brüdergemeine belasteten. Dennoch hatte Rothe entscheidenden Anteil an dem Katechismus und den ersten Herrnhuter Gesangbüchern. Er verfasste einen umfangreichen exegetischen Anhang zu ZinzendorfsEbersdorfer Bibel. Am 28. August 1729 unterzeichnete Rothe das Notariatsinstrument, das die Zusammengehörigkeit der Brüdergemeine und der evangelisch-lutherischen Kirche und gleichzeitig die Unabhängigkeit von ihrer Verfassung aussprach. Die Unterzeichnung der Herrnhuter Statuten brachten dem Berthelsdorfer Pfarrer aus Dresden einen strengen Verweis mit der Androhung der Suspension ein. Als schließlich ruchbar wurde, dass sich Rothe im Jahre 1737 der sächsischen Regierung gegenüber verpflichtet hatte, über das Verhalten Zinzendorfs in Religionssachen vertraulich Bericht zu erstatten, war das Vertrauensverhältnis vollends gestört. Es kam zum endgültigen Bruch. Im Herbst 1737 nahm Rothe einen Ruf als Pfarrer nach Hermsdorf (poln. Jerzmanski) bei Görlitz an, um im Jahre 1739 einem Ruf des Grafen Promnitz zu Sorau, einem strengen Vertreter des Pietismus Hallescher Provenienz, nach Thommendorf bei Bunzlau zu folgen.

Hier verstarb der am 6. Juli 1758. Überliefert sind von ihm ca. 18 erbauliche Traktate und ca. 35 Lieder.

Werke:Siehe Johann Georg Meusel, Lexikon der für das Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, Bd. XI (1811, Repr. 1968), S. 441-443 – Gottlieb Friedrich Otto, Lexikon der seit dem fünfzehenden Jahrhunderte verstorbenen und jetztlebenden Oberlausitzischen Schriftsteller und Künstler …, Bd. 2, Erste Abth.R und S, Görlitz 1803, S. 100-105.

Lit.:H.A. Lier, Rothe, Johann Andreas, in: ADB 29 (1889, Repr. 1970), S. 351-353. – Hermann Steinberg, Hohann Andreas Rothe.Pfarrer in Berthelsdorf 1722-1737 (= Lebensbilder aus der Brüdergemeine, H. 3), Herrnhut 1922. – Gerhard Reichel, Die Anfänge Herrnhuts. Ein Buch vom Werden der Brüdergemeine, Herrnhut 1922. – Eberhard Teufel, Johann Andreas Rothe 1688-1758. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte der sächsischen Oberlausitz im 18. Jahrhundert, Teil 2, 1688-1712, Teil 2, 1732-1788, Leipzig 1917/18. – W. Jannasch, Rothe, Johann Andreas (1688-1758), in: RGG V (31961), Sp. 1196f. – Dietrich Meyer, Rothe, Johann Andreas, in: RGG 7 (42004), Sp. 645f. – Rothe, Johann Andreas, in: DBE 8 (2001), S. 418. – Henning Schröer, Rothe, Johann Andreas, in: Wolfgang Hernst (Hrsg.), Komponisten und Liederdichter des Evangelischen Geangbuches, Göttingen22001, S. 262f. – Helmut Scheunchen, Oberlausitz, in: Schlesisches Musiklexikon, Augsburg 2001, S. 527-530. – Michael Fischer/ Rebecca Schmidt, „Mein Testament soll seyn am End“. Sterbe- und Begräbnislieder zwischen 1500 und 2000. Münster/New York 2005. – „Wenn kleine Himmelserben“. Autor: Johann Andreas Rothe (1688-1758), S. 153-179.

 

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