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Stiftung deutscher Kultur im Östlichen Europa - OKR Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Schaefer, Oda

Dichterin, Schriftstellerin

* 1900, 21.12.
Berlin

† 1988, 04.09.
München

Oda Schaefer wurde am 21. Dezember 1900 in Berlin-Wilmersdorf als Tochter des baltischen Dichters und Schriftstellers Eberhard Kraus (1857-1918) und seiner aus Riga gebürtigen Ehefrau Alice, geb. Baertels, geboren. Die baltische Heimat ihrer Eltern hat sie nur ein einziges Mal gesehen: Es war im Sommer und Herbst 1914, als sie mit ihrer Mutter Riga und Estland besuchte und der Kriegsausbruch ihr erst im November 1914 die Rückkehr nach Deutschland ermöglichte. Oda Schaefer ist in Königsberg i. Pr. aufgewachsen (1902-1906), besuchte in Berlin das Lyceum, eine private Kunstgewerbeschule und war seit 1926 in Liegnitz journalistisch tätig, wo ihr Bruder, der Schriftsteller Dr. Wolfgang Kraus, Hauptschriftleiter des „Liegnitzer Tageblatts“ war.

Seit ihrer Jugend schon schrieb Oda Schaefer Gedichte; ihre ersten Gedichte und Novellen wurden in schlesischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Im Jahre 1931 kehrte sie nach Berlin zurück, wo sie für verschiedene Zeitungen gearbeitet und Hörspiele und Hörfolgen geschrieben hat. 1936 veröffentlichte sie unter dem Titel „Stilles Tagebuch eines baltischen Fräuleins“ das Tagebuch ihrer Großmutter Sally von Kügelgen (einer Nichte des durch seine „Erinnerungen eines Alten Mannes“ bekannt gewordenen Schriftstellers und Malers Wilhelm von Kügelgen). Der erste Band ihrer eigenen Gedichte, „Die Windharfe“, erschien 1939, der zweite unter dem Titel „Irdisches Geleit“ im Jahre 1946. Es folgten (1947) zwei Bändchen: Kleine Prosa „Unvergleichliche Rose“ und die Monatsgedichte „Kranz des Jahres“. Oda Schaefer war in erster Ehe (seit 1923) mit dem Zeichner Professor Albert Schaefer-Ast verheiratet und führt seitdem den Schriftstellernamen Oda Schaefer. Ihr einziger Sohn, Peter Schaefer (1924), ist seit 1944 in Rußland vermißt. In zweiter Ehe war sie (seit 1934) mit dem schlesischen Schriftsteller Horst lange verheiratet, mit dem sie seit 1945 in Bayern, erst in Mittenwald, später in München lebte, wo sie auch heute ihren Wohnsitz hat.

Oda Schaefer ist der Natur sehr verbunden, „den Elementen verschwistert“, wie sie selbst es nennt, besonders der Schilflandschaft der havelländischen Seen. Freiwillig bindet sie sich „an die Erde und ihre Gesetze, indem sie deren Schwere geistig zu durchdringen sucht. Viele ihrer Gedichte sind als Hilfe für jene Menschen gedacht, die im Geschehen unserer Tage keinen Sinn mehr zu erkennen vermögen. In Essays und Prosastücken nimmt sie Stellung gegen die Übel der Zeit, gegen Verantwortungslosigkeit und Neid, gegen Verflachung und Leichtfertigkeit. Sie betrachtet sich als echte Tochter ihres Vaters, der ein unverbesserlicher Romantiker gewesen sei. In jeder schweren Situation hat sie sogleich begonnen, neu anzufangen; sie hat zweimal, selber arm, arme Künstler geheiratet und mit Freude etwas aufzubauen versucht. Diese Eigenschaft erscheint ihr als typisch baltisch: durch die Schläge des Schicksals standfest zu werden, ohne zu verbittern. „Vielleicht ist es das alte ritterliche Erbe dieses Landes“, sagt sie im Blick auf ihre baltische Heimat. „Das, was ich menschlich geworden bin, und das, was ich künstlerisch geleistet habe, ist aus dieser Quelle gespeist worden.“ Zu den weiteren Werken Oda Schaefers gehören der Gedichtband „Grasmelodie“, die Erzählungen „Die Kastanienknospe“, „Und fragst Du mich, was mit der Liebe sei“, die Hörspiele „Das flandrische Eisfest“, „Die Magd von Brieg“, „Gösta Beding“, und „Die Libellenbucht“. Sie gab die Anthologie „Unter dem sapphischen Mond. Deutsche Frauenlyrik seit 1900“ heraus. Ihre Lebenserinnerungen erschienen unter dem Titel „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“.

Es hat Oda Schaefer an Auszeichnungen für ihr dichterisches Werk nicht gefehlt. Sie erhielt den Lyrikpreis der Akademie der Wissenschaften und der Dichtung (Mainz), eine Ehrengabe der Bayer. Akademie der Schönen Künste (1952), einen Preis der Stiftung zur Förderung des Schrifttums (1955), einen Förderpreis für Literatur der Stadt München (1959), eine Ehrengabe des Andreas-Gryphius-Preises der Künstlergilde e.V., Esslingen, die Goldene Medaille „München leuchtet“ und das Verdienstkreuz 1. Kl. des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Oda Schaefer ist ord. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt).

Lit.: Kürschner; Briefe an Erik Thomson (Archiv E. Th., Lüneburg). F. Lennartz: Deutsche Schriftsteller der Gegenwart, Stuttgart 1978.

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